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Kassen zahlen Vorsorgeuntersuchung oft nicht

Verengte Halsschlagader: Wann ein Schlaganfall droht

Ein Rettungswagen im Einsatz mit eingeschaltetem Blaulicht (Symbolbild)
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Rettungswagen (Symbolbild)

Etwa 38.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an einem Schlaganfall. Wer überlebt, behält oft bleibende Schäden. Eine Vorsorgeuntersuchung könnte viele Fälle verhindern, diese wird aber oft nicht von den Krankenkassen bezahlt.

München – Alle zwei Minuten erleidet in Deutschland jemand einen Schlaganfall. Etwa jeder Vierte der rund 280.000 Betroffenen überlebt den GAU im Gehirn nicht. Und die Überlebenden tragen oft bleibende Behinderungen davon, mehr als die Hälfte ist auch ein Jahr danach auf Hilfe angewiesen.Dabei ließen sich viele Schlaganfälle vermeiden – insbesondere jene, die durch eine Verengung der Halsschlagader verursacht werden.

Dieses Risiko lässt sich mit einer etablierten Operation weitgehend ausmerzen, allerdings gehört der Eingriff in erfahrene Hände. „Im Bereich des Halses verlaufen unter anderem wichtige Nerven, die das Herz, den Hals und die Zunge versorgen“, erklärt Professor Nikolaos Tsilimparis, Chef der Gefäßchirurgie im LMU Klinikum.

Check der Halsschlagader muss selbst bezahlt werden

Doch bevor der Patient überhaupt unterm Messer landet, ist erst mal eine gründliche Diagnostik nötig – und die erfolgt mitunter nicht ohne Hindernisse. Der Grund: Wenn es um die Schlagadern geht, machen die Experten, vor allem aber die gesetzlichen Krankenkassen Unterschiede. Während beispielsweise Männer ab 65 Jahren inzwischen Anspruch auf eine Vorsorge-Untersuchung der Bauchaorta haben, müssen Patienten einen Check der Halsschlagadern nach wie vor selbst bezahlen – sofern kein konkreter Verdacht auf eine Einengung beziehungsweise Risikofaktoren wie eine Koronare Herzerkrankung (KHK) oder Bluthochdruck vorliegen.

Diese Carotis-Duplex-Sonografie gilt als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) und kostet etwa 50 bis 90 Euro.Das Geld kann gut investiert sein. Allerdings muss ein ausgewiesener Experte die Befunde bewerten, denn die Frage, ob wirklich eine Operation nötig ist, muss sorgfältig abgewogen werden.

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„Die Antwort hängt unter anderem vom Grad der Einengung, von den Symptomen und von der Beschaffenheit der Ablagerungen in der Halsschlagader ab“, erläutert Professor Tsilimparis. Der Knackpunkt: „Mit zunehmendem Alter haben zwar sehr viele Menschen solche Ablagerungen, die eine Carotisstenose verursachen. Sie bildet sich meist an der Aufgabelung in die innere und die äußere Halsschlagader – etwa auf halber Höhe des Halses.

Doch als risikoreich gelten Carotisstenosen in der Regel erst ab einer Verengung von etwa 80 Prozent“, weiß der Gefäßchirurg.Für die OP-Abwägung ist – neben dem Einengungsgrad und neurologischen Symptomen wie Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen – zudem eine genaue Analyse der Ablagerungen in der Halsschlagader mittels einer Ultraschalluntersuchung nötig.

„Wir unterscheiden zwischen weichen und harten Plaques. Die weichen sind gefährlicher, weil sie leichter aufbrechen, sich lösen und die Halsschlagader verschließen können oder sich ins Gehirn verschleppen.“ Weiche Plaques bestehen zu einem größeren Teil aus Cholesterin und anderen Bestandteilen und nur zu einem geringen Anteil aus Kalk. Beide Arten bilden sich durch Arteriosklerose, Entzündungsprozesse an den Innenwänden der Arterien.

Eine Quietscheente diente als OP-Helfer

Bei Heidi Bella (77) hat die Diagnostik perfekt reagiert. „Weil ich schon länger an Bluthochdruck leide, hat mein Hausarzt die Halsschlagader untersucht, Auffälligkeiten entdeckt und mich zur näheren Abklärung zum Kardiologen geschickt.“ Der Herzspezialist wiederum diagnostizierte eine hochgradige Carotisstenose und überwies die Münchnerin sofort in die Gefäßchirurgie des LMU Klinikums Großhadern.

Das Tückische daran: „Ich hatte keinerlei Beschwerden, allenfalls ab und zu eine Art Schädelbrummen. Aber das habe ich auf meinen hohen Blutdruck zurückgeführt“, erzählt Heidi Bella. Mögliche Frühwarnzeichen wie Schwindel, Kribbeln, Lähmungserscheinungen in den Armen oder Sehstörungen waren nicht aufgetreten.

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Trotzdem war die OP bei der 77-Jährigen höchste Eisenbahn. „Dabei hat sich unsere Vermutung bestätigt, dass die Halsschlagader der Patientin durch weiche Plaques stark eingengt war“, berichtet Prof. Tsilimparis.

Seine Kollegen hatten Heidi Bella empfohlen, die OP nicht auf die lange Bank zu schieben. Sie willigte rasch ein. „Das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen, wollte ich auf keinen Fall eingehen“, erzählt die Seniorin.Der Eingriff erfolgte – wie in den meisten Fällen bei Carotisstenosen – ohne Vollnarkose.

Zwar wird der Halsbereich betäubt, aber den Arm auf der gegenüberliegenden Seite kann der Patient im OP normal bewegen. So war’s auch bei Heidi Bella. Kurios: Sie bekam sogar eine Quietscheente in die Hand, die sie während des Eingriffs auf Aufforderung der Ärzte immer mal wieder drücken musste.

Der Hintergrund: Mit diesem Test überprüfen die Ärzte, dass für die kurze Zeit der Abklemmung das Gehirn über die andere Seite ausreichend mit Blut versorgt ist und die Motorik der Hand nicht eingeschränkt wird.Anders als beispielsweise bei Verengungen in den Herzkranzgefäßen werden Carotisstenosen eher selten mit sogenannten Stents behandelt – kleinen Gefäßstützen aus Kunststoff, die mittels eines Katheters eingesetzt werden können.

„Die offene Operation gilt bei Carotisstenosen außerhalb des Gehirns nach wie vor als Goldstandard, in etwa vier von fünf Fällen wird diese Methode angewendet. In der Regel werden nur Hochrisikopatienten, etwa mit verschiedenen Herzkreislauferkrankungen oder einer ungünstigen Anatomie, mit Katheterverfahren behandelt“, berichtet Prof. Tsilimparis.Bei der offenen OP setzen die Operateure einen etwa zehn bis 15 Zentimeter langen Schnitt am Hals, meist entlang des Halsmuskels.

„Die Halsschlagader wird abgeklemmt, freigelegt und an der eingeengten Stelle ausgeschält“, so der Gefäßchirurg. „Die Blutversorgung des Gehirns übernimmt vorübergehend die Halsschlagader auf der gegenüberliegenden Körperseite.“ Wenn die Engstelle beseitigt ist, näht der Operateur – vereinfacht erklärt – eine Art Flicken auf die Halsschlagader, er besteht meist aus speziell behandelter Herzhaut von Rindern.

„Sie verursacht keine Abstoßreaktionen“, erklärt Prof. Tsilimparis. Nur im Falle von Komplikationen wird ein sogenannter Shunt gelegt – ein kleines Schläuchlein aus Kunststoff, das für die Dauer des Eingriffs den „Einsatzort“ an der Halsschlagader überbrückt. „Am Ende des Eingriffs überprüfen wir mit einem Röntgenverfahren, einer sogenannten Angiografie, ob das Gefäß perfekt versorgt ist“, berichtet Prof. Tsilimparis.

In der Regel dauert die OP etwa eine bis anderthalb Stunden. Auch Heidi Bella musste danach einige Tage zur Überwachung in der Klinik bleiben. „Das längere Liegen auf dem Rücken war etwas unangenehm, aber Schmerzen hatte ich keine.“

Inzwischen ist sie wieder zu Hause und einfach nur erleichtert: „Ich bin froh, dass ich die OP gut überstanden habe – und noch viel mehr darüber, dass mein Schlaganfallrisiko jetzt viel kleiner ist. Ich kann nur jedem raten, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Die moderne Medizin bietet heute so gute Behandlungsmöglichkeiten, dass einem gerade im Alter viel erspart bleiben kann.“

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