Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Alternative Heizmethoden: Fernwärme

Fernwärme ist bequem - aber auch günstig?

Heizkraftwerk Fernwärme
+
Ein Mitarbeiter kontrolliert die Fernwärmeverteilerstation
  • VonFabian Laube
    schließen

Fernwärme wird oft als effiziente, ebenso simple wie umweltfreundliche Möglichkeit der Wärmegewinnung für Privathaushalte angepriesen. Doch lässt sich das so pauschal überhaupt sagen oder ist die Wahrheit komplexer?

Fernwärme gilt als eine Erfindung der Römer. Archäologische Ausgrabungen konnten beweisen, dass bereits vor mehr als 2000 Jahren heißes Thermalwasser über Rohrleitungen zu Gebäuden transportiert wurde, um diese mit Warmwasser zu versorgen und zu beheizen.

Ende des 19. Jahrhunderts installierten US-amerikanische Großstädte die ersten Fernwärmesysteme der Neuzeit. So wurde versucht, in dicht besiedelten Gebieten der Gefahr durch Brände und der Verschmutzung der Luft durch Kohle und Asche entgegenzuwirken. In den 1920ern wurden dann erste Fernwärme-Netzwerke in Deutschland aufgebaut.

Was ist Fernwärme?

Die zentrale Versorgung von Wohn- und Gewerbebauten mit Warmwasser und Heizwärme, geliefert über meist unterirdische Rohrleitungsnetze, nennt man Fernwärme. Die Verbraucher befinden sich in der Regel in einem Umkreis von bis zu 20 Kilometer vom Kraftwerk entfernt, bei größeren Abständen würde der Transport ineffizient.

Heißwasser entsteht als ein Nebenprodukt der Stromerzeugung und wird in Gebäude gespeist, wo es den Verbrauchern für Heizung und Warmwasser zur Verfügung steht. Das abgekühlte Wasser wird dem geschlossenen Heizkreislauf wieder zugeführt und zurück zum Versorger geleitet.

Welche Wärmequellen für Fernwärme genutzt werden

Fernwärme kann nicht pauschal als ökologische Wärmeversorgung bezeichnet werden. Eine Bewertung der vor Ort eingesetzten Technologien und der Energieart sind notwendig, um die Effizienz der individuellen Versorgung zu beurteilen.

Vor Biomasse und biogenen Siedlungsabfällen machen fossile Energiequellen, wie Erdgas, Steinkohle und Braunkohle den Großteil aus. Dabei kommen immer seltener Fernheizwerke zum Einsatz, die Wärme erzeugen, jedoch keinen Strom produzieren.

Ein sehr viel effizienteres Verfahren wenden Anlagen an, die nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) Strom und Wärme produzieren. Mehr als 80 Prozent der Fernwärme in Deutschland stammt aus solchen Kraftwerken. Als Brennstoff dienen hier überwiegend fossile Energieträger, dafür spart die Kombination aus Strom- und Wärmeerzeugung rund 40 Prozent der Primärenergie.

Der Anteil grüner Fernwärme steigt jedoch an: Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) stammen von 126 Milliarden Kilowattstunden Fernwärme 22 Milliarden aus erneuerbaren Energien, also knapp 18 Prozent.

Die Nutzung industrieller Abwärme ist eine gute Möglichkeit der effizienten, CO₂-armen Wärmeversorgung. Große Industriebetriebe wie in der Stahlindustrie produzieren gewaltige Mengen überschüssiger Wärme. Diese Abwärme lässt sich per Fernwärme zum Beheizen bereitstellen, vorausgesetzt die Entfernung zum Abnehmer ist nicht zu groß.

Das Fraunhoferinstitut weist auf ungenutztes Potenzial hin und „dass industrielle Abwärme schon jetzt einen großen Beitrag zur effizienteren Wärmeversorgung leisten könnte. Wie dies gelingen kann, zeigt zum Beispiel die Stadt Karlsruhe: Seit 2010 wird überschüssige Abwärme aus der nahegelegenen Raffinerie in das Fernwärmesystem eingespeist und versorgt etwa 32.000 Wohnungen mit Wärme. Noch ist dies in Deutschland und Europa allerdings ein seltenes Beispiel.“

Funktionsprinzip Fernwärme

Bei den Kosten zählt nicht nur der Verbrauch

Die Kosten, die für die Endverbraucher von Fernwärme anfallen, setzen sich aus einem Grundpreis und dem Verbrauch zusammen. Der Grundpreis, oder auch Anschlusswert, macht bis zu 40 Prozent der Gesamtkosten aus. Er ergibt sich aus den Kosten für Kraftwerk und Fernwärmenetz und steht außerhalb des persönlichen Verbrauchsverhaltens.

Bislang konnten regionale Monopolinhaber fixe Kosten verlangen, die an eine maximale Wärmeleistung gebunden waren, auch wenn der Bedarf der Verbraucher weit darunter lag. Mittlerweile können die Empfänger aber einen Grundpreis für den realen Wärmebedarf fordern.

Die Fernwärmepreise sind starken regionalen Schwankungen unterworfen. Ein weit verzweigtes Netz mit nur wenigen angeschlossenen Haushalten ist mit deutlich höheren Kosten verbunden, als ein modernes Netz in einer dicht besiedelten Großstadt. Hinzu kommt, dass die Netzbetreiber aufgrund regionaler Monopolstellungen nicht in Konkurrenz zu anderen Anbietern stehen und es nicht einsehbar ist, wie sie ihre Preise kalkulieren.

Manche Kommunen legen einen Nutzungszwang der Fernwärme für bestimmte Grundstücke fest. In der Regel ist der Verbraucher vertraglich bis zu zehn Jahre gebunden.

Wer sich an eines der entstehenden Wärmenetze, die mit aus grüner Energie gewonnener Wärme gespeist werden, anschließen lassen möchte, kann staatlichen Zuschuss erhalten. Dazu gibt es in beinahe jedem Bundesland entsprechende Töpfe. Die jeweiligen Versorger können Auskunft zu entsprechenden Fördermitteln geben.

Vorteile der Fernwärme

  • Platzsparend, denn Heizkessel, Tank und Schornstein entfallen. Dementsprechend gering fällt der Wartungsaufwand aus.
  • Fernwärme wird gebrauchsfertig geliefert: keine Verbrennung im Haus.
  • Kauf und Lagerung des Brennstoffs fallen weg.
  • Die Kraft-Wärme-Kopplung verringert den CO₂-Ausstoß und erhöht die Effizienz: KWK-Anlagen nutzen die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme und binden sie unmittelbar in das Fernwärmenetz ein.
  • Geringe Investitionskosten bei der Umstellung
  • Vorhandene Heizkörper sind zum Teil geeignet, um an die Fernwärmenetze angeschlossen zu werden.

Nachteile der Fernwärme

  • Noch werden überwiegend fossile Brennstoffe für die Fernwärmeproduktion genutzt.
  • Wärmeverluste auf den Transportwegen
  • Nicht überall verfügbar, gerade in gering besiedelten Gebieten kaum attraktiv. Fernwärme spielt ihre Vorteile in dicht besiedelten Ballungsräumen aus.
  • Im Vergleich zu anderen Systemen wie einer Gasheizung liegen die Kosten höher, auch weil wenige Anbieter einen Monopolstatus innehaben.
  • Langjährige Verträge binden die Kunden, ein kurzfristiger Wechsel ist nicht möglich.

fl

Kommentare