Manche finden es gut, manche nicht

Mit ungewöhnlicher Begründung: Hagebaumarkt-Filiale schmeißt Feuerwerk aus dem Sortiment

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Die Filialen von Hagebau und Rewe wünschen ich ein Silvester ohne Feuerwerk. Dafür verzichten sie sogar auf Umsatz. So reagieren die Kunden.

Langenfeld - An Silvester wiederholt sich stets die alte Debatte - das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ nutzt sie sogar ganz plakativ für einen Spendenaufruf: „Brot statt Böller“ fordert die Organisation. Und das seit Jahren. Kritik am exzessiven Gebrauch von Feuerwerk gibt es also schon lange.

In diesem Jahr scheint sich die Diskussion aber zu verschärfen: Das Umweltbundesamt in Dessau warnt im ZDF vor Feinstaub-Belastung durch Silvester-Knaller und -Raketen, die deutsche Umwelthilfe forderte aus dem selben Grund ein Verbot. Die deutschen Augenärzte erneuern die Mahnung vor Verletzungen (auch Unbeteiligter) beim Zünden von Feuerwerk. In Schweden sollen zu Silvester 2019 gar nur noch Personen mit besonderer Erlaubnis klassische Raketen mit Leitstab abfeuern dürfen, wie das Svenska Dagbladet berichtet.

Streitthema Feuerwerk: Hagebau-Filiale punktet mit Verkaufs-Stopp

In Deutschland ist es soweit noch nicht. Aber das Thema ist vielerorts auf der Agenda. Abzulesen ist das wohl auch an einem ungewöhnlichen Schritt eines Hagebaumarkts im rheinländischen Langenfeld. Der Laden verzichtet in diesem Jahr auf den Verkauf von Feuerwerk. Das hat die dortige Filiale auf ihrer Facebookseite mitgeteilt. Das Echo fiel deutlich aus.

Dabei waren es noch nicht mal die üblichen Argumente wie Ressourcenverschwendung oder Gesundheitsgefahren, die die Verantwortlichen des Baumarkts zum Feuerwerk-Bann bewogen. Man verzichte „erstmalig auf den Verkauf von Feuerwerk – aus Liebe zu den Tieren“, heißt es in dem Facebook-Post.

Silvester ohne Feuerwerk: Hagebaumarkt bekommt Lob - und Dank von Peta

Klar ersichtlich ist auch an diesem konkreten Beispiel, dass das Thema tatsächlich bewegt. Gut 900 Likes und knapp 300 Kommentare erntete das Posting binnen eines Tages - obwohl die Facebook-Seite des Baumarkts gerade einmal 345 Follower hat. Eine Anzeige des Unternehmens im Facebook-Feed einer lokalen Zeitung sammelte gar 10.000 Likes.

Das Feedback fiel in den satten 274 Kommentaren fast durchgängig positiv aus. „Ich habe gar nicht so viele Daumen, wie ich gerne zeigen würde“, kommentierte eine Userin. „Finde ich als ganzheitlich arbeitende Tierärztin ganz klasse!“, eine andere: „Einer muss anfangen, damit andere folgen können!!“ Die streitbaren Tierschützer des Verbandes PETA gratulierten sogar eigens in einer Wortmeldung unter dem Beitrag.

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Allein ist die Hagebau-Filiale mit ihrer Idee tatsächlich nicht. Bereits kurz vor Weihnachten hatte ein Rewe-Markt im Örtchen Adenau in Rheinland-Pfalz erklärt, 2018 auf den Verkauf von Feuerwerk zu verzichten. Am Donnerstag dankten die Inhaber des Ladens den „Nachahmern“ aus Langenfeld. Ob sich nun angesichts der PR-Erfolge ein Trend für die kommenden Jahre entwickelt bleibt abzuwarten.

Feuerwerk-Stopp in Filialen von Hagebau und Rewe: „Dann wird woanders gekauft“ - das sagt die Statistik

Auch kritische Kommentare gab es - zumindest im Fall des Hagebaumarkts. Allerdings waren sie bei weitem in der Unterzahl. „Ist uns Pyros recht, es gibt tausend bessere Händler“, äußerte sich ein Facebook-Nutzer. „Dann wird woanders gekauft“, konstatierte ein anderer nüchtern.

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Eine mögliche Abkehr vom Feuerwerk scheint sich indes auch schon statistisch zu zeigen. Beim vergangenen Jahreswechsel 2017/18 sank die nach Deutschland eingeführte Menge an Feuerwerkskörpern um 2,1 Prozent auf 42.800 Tonnen, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Für dieses Jahr gibt es naturgemäß noch keine Zahlen - der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist erst am Freitag gestartet.

Denn andere Läden und Ketten sehen offenbar weiter große Umsatz-Chancen im Feuerwerk: So hat Aldi Nord nicht nur einen „Feuerwerks-Planer“ auf seiner Homepage - sondern will extra für den Böller-Verkauf rund um Silvester auch seine Läden früher öffnen.

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fn

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Andreas Gebert

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