Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Warum französische Haushalte unseren Strom beeinflussen

Gehäufte Stromausfälle: Wie groß ist die Blackout-Gefahr für Deutschland?

Ein Schild mit der Aufschrift „Hochspannung Lebensgefahr“ hängt an einem Zaun
+
Ein Schild mit der Aufschrift „Hochspannung Lebensgefahr“ hängt an einem Zaun.
  • Isabella Schweiger
    VonIsabella Schweiger
    schließen

Gleich zwei größere Stromausfälle gab es in den letzten Tagen in der Region. Kurz davor verteilten die Stadtwerke Rosenheim noch einen Flyer an die Haushalte, wie man sich auf einen Blackout vorbereiten sollte. Doch muss man sich jetzt Sorgen machen? Experten rechnen derzeit nicht mit einem unkontrollierten Zusammenbruch der Stromversorgung. Es könnte aber für kurze Zeiträume nicht für alle reichen.

„Wir haben in Deutschland eine sehr hohe Versorgungssicherheit im Stromsystem“, verspricht Wirtschaftsminister Habeck. Doch der Winter hat noch nicht einmal angefangen und schon jetzt verunsichern zwei größere Stromausfälle die Bürger der Region - ovb24.de hat darüber berichtet.

Auch ein Flyer der Stadt Rosenheim schlug sogar überregional Wellen: man solle sich einrichten, wie auf einen zweiwöchigen Camping-Urlaub, so die Stadt. Dazu gibt es Tipps, wie man sich im Falle eines längeren Stromausfalls zu verhalten habe und an wen man sich wenden kann. Gut gemeinte Informationen oder Panikmache? Eine repräsentative Umfrage des Civey-Instituts ergab jüngst, dass eine Mehrheit (53 Prozent) der Bürgerinnen und Bürger deswegen in großer Sorge ist. Bei den 18- bis 29-Jährigen waren es sogar 60 Prozent, wie das Nachrichtenportal „Watson“ berichtete. Doch wie wahrscheinlich sind Stromausfälle in Deutschland in diesem Winter tatsächlich? Einen Artikel für die Region Rosenheim dazu gibt es bei ovb-online.de (Plus-Artikel).

So erlebten unsere Leser des Stromausfall

  • Klaus Schmid: Ich wohne in Rosenheim/Oberwöhr. Auch wir hatten ein kurzes Flackern und das TV Gerät hat sich selbstständig neu hochgefahren ( Strom war definitiv weg ) Ich habe es auf das Wetter geschoben, war ca. 17:00 – 17:30 Uhr.
  • Julia Grad: Wir waren nicht in Vogtareuth betroffen, aber am Donnerstag Abend in Brannenburg. Ca. 30-45 Minuten ohne Strom. Nicht alle Ortsteile waren betroffen. Hauptsächlich Milbing und oberhalb Dorfstraße, Am Lutznfeld und umgebende Straßen. Ist vielleicht auch interessant im Zusammenhang der einzelnen Ortschaften der letzten Tage. Nußdorf und Kiefersfelden ab und zu geflackert aber kein richtiger Ausfall. 
  • Manuela: Auch in Bruckmühl war am Freitag 23.09. und Sonntag 25.09 für ca. 1 sec der Strom weg und das Licht flackerte.
  • Dominic Fulle: In Kolbermoor Süd war gegen 16 Uhr auch super kurz alles aus. So kurz das Netflix im Anschluss aber direkt weitergelaufen ist.

Wenn auch Ihr künftig von Stromausfällen betroffen seid, dann schreibt uns an redaktion@ovb24.de - so können wir schnell reagieren und bei den entsprechenden Stellen nachfragen.

Wie oft kommen Stromausfälle in Deutschland vor?

Der Bundesnetzagentur wurden 2020 bundesweit exakt 162 224 Stromausfälle in 868 Stromnetzen bekannt, etwa 2400 mehr als 2019. Bezogen auf den einzelnen Kunden bedeutete das im Schnitt 10,73 Minuten lang keinen Strom, wohlgemerkt im ganzen Jahr. Dies war die bisher geringste Ausfallzeit seit der ersten Erhebung durch die Behörde 2006. Die Bundesnetzagentur sprach bei der Veröffentlichung der Zahlen von einem „konstant hohen Niveau“ der „Versorgungszuverlässigkeit“.

Besteht in diesem Jahr eine größere Stromausfall-Gefahr als sonst?

Der Strommarktexperte Christian Rehtanz geht nicht von einer größeren Stromausfall-Gefahr aus. „Das Stromsystem wird in der Spitze durch Gaskraftwerke abgesichert, um die benötigte Leistung zu decken“, sagt der Professor für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der Technischen Universität Dortmund. Daher seien Gas- und Stromsektor
gekoppelt. „Aufgrund der immensen Wichtigkeit des Stromsektors wird man alles tun, um dieses lauffähig zu halten.“ Er geht davon aus, dass sogar im Fall einer Gasknappheit Gas vorrangig zur Stromerzeugung eingesetzt wird und eher Industriekunden nicht mehr mit Gas versorgt werden.

Muss also kein Blackout befürchtet werden?

Auch Strommarktexperte Fabian Huneke vom Beratungsunternehmen Energy Brainpool befürchtet in diesem Winter in Deutschland keinen Blackout, also einen unkontrollierten Zusammenbruch der Elektrizitätsversorgung. „Möglich ist allenfalls ein sogenannter Brownout, bei dem die Übertragungsnetzbetreiber einzelne Großverbraucher oder Regionen stundenweise vom Netz nehmen müssten“, sagt Huneke. Dies könne bei großer Kälte etwa am frühen Abend geschehen, wenn der Haushaltsstromverbrauch stark zunehme.

Die Haushalte in Frankreich spielten dabei eine wichtige Rolle: „Gerade in Frankreich wird viel mit Strom geheizt.“ Wenn dann dort nicht genügend Atomstrom vorhanden sei, könne die Lastunterdeckung in die europäischen Nachbarmärkte herüberschwappen und auch hierzulande für Probleme sorgen, weil dann vergleichsweise viel Strom nach Frankreich fließe. Möglich ist dies durch die Koppelung der europäischen Stromnetze, die nicht nur grenzüberschreitenden Stromhandel ermöglicht, sondern in Notsituationen auch für mehr Netzstabilität sorgen kann.

Was ist zurzeit mit den französischen Atomkraftwerken los?

Laut Huneke ist derzeit knapp die Hälfte der 56 Atomkraftwerke Frankreichs nicht am Netz. Grund sind Instandsetzungsarbeiten sowie das Auftreten von Rissen in Notkühlkreisläufen. Frankreichs Energiewende-Ministerin Agnès Pannier-Runacher hatte Anfang September gesagt, dass der Stromkonzern EDF sich verpflichtet habe, alle Atomkraftwerke für diesen Winter wieder in Betrieb zu nehmen. Huneke: „Ein großer Teil der französischen Anlagen ist recht alt. Deshalb sind sie störanfälliger als die deutschen, die deutlich jünger sind.“

Was ist mit den deutschen Atomkraftwerken?

Das Wirtschaftsministerium will, dass zwei der drei verbliebenen Atomkraftwerke eine sogenannte „Einsatzreserve“ für Notfälle bilden sollen. Wenn es nötig ist, sollen die Kraftwerke Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg im Winter einen zusätzlichen Beitrag im Stromnetz leisten: Entweder sollen sie weitgehend durchlaufen, wenn sich schon früh Engpässe abzeichnen, oder nach dem bislang zum Jahresende geplanten Stopp dann wieder angefahren werden. Neue Brennstäbe sollen dafür nicht verwendet werden. Bis Mitte April sollen die beiden Kraftwerke zur Verfügung stehen. Danach soll auch für sie endgültig Schluss sein. „Atomkraft ist und bleibt eine Hochrisikotechnologie“, begründet Habeck das Festhalten am Atomausstieg. Das AKW Emsland in Niedersachsen soll nicht Teil der Reserve sein, sondern wie geplant zum Jahresende endgültig abgeschaltet werden. Für den süddeutschen Raum gebe es weniger AKW-Alternativen als im Norden, argumentiert Habeck. Zur Deckung möglicher Lücken in Norddeutschland sollen im Notfall schwimmende Ölkraftwerks-Schiffe zum Einsatz kommen.

Steht schon fest, wie es jetzt mit den Atomkraftwerken weitergeht?

Nein, die Bundesregierung hat noch nicht endgültig über Habecks Vorschlag entschieden. Während sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hinter den Vorschlag stellte, ist die FDP für einen Weiterbetrieb der AKW. «Es ist unabdingbar, die Kapazitäten am Strommarkt zu erhöhen und so die galoppierenden Preise zu senken. Die drei sicheren Kernkraftwerke müssen weiterlaufen», sagte etwa Finanzminister Christian Lindner (FDP) der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Auch die Oppositionsparteien CDU und CSU wollen einen Weiterbetrieb aller drei Atomkraftwerke.

Wie bereite ich mich auf einen kurzfristigen Blackout vor?

  • Taschenlampen mit Ersatzbatterien und Kerzen bereit halten
  • 2-3 aufgeladene Powerbanks sollten zur Verfügung stehen
  • sinnvoll kann auch ein batteriebetriebenes Radio sein, um aktuelle Nachrichten weiter verfolgen zu können

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät grundsätzlich einen Nahrungsmittelvorrat für einen Zeitraum von 14 Tagen im Haus zu haben. Dazu zählen auch ausreichend Wasser, diverse Hygieneartikel (Desinfektions- und Reinigungsmittel), ggf. Tierfutter, einen Erste-Hilfe Koffer und einfache Campingausstattung (Gaskocher mit Brennmaterial und Batteriebetriebene Lampen).

si/dpa

Kommentare