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Alternative Heizmethoden: Pelletheizung

Trotz steigender Holzpreise: Rechnet sich eine Pelletheizung?

Energieversorger Vattenfall testet veredelte Holzpellets
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Ein Berg veredelter Holzpellets aus Skandinavien
  • VonFabian Laube
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Steigende Heizkosten sind eine unmittelbar spürbare Folge des Krieges in der Ukraine. Verbraucher und Hausbesitzer machen sich Gedanken, welche Alternativen zu Öl- und Gasheizung für sie interessant und machbar wären. Wer an eine nachhaltige wie effiziente Lösung mit regionalen Brennstoffen denkt, könnte mit einer Pelletheizung richtig liegen.

Ein kleiner, stäbchenförmiger Körper aus verdichtetem Material wird als Pellet bezeichnet. Holzpellets werden aus Sägenebenprodukten hergestellt und vor allem als Brennstoff genutzt. Zum Beispiel in einem Ofen, der nebst Vorratsbehälter im Wohnraum steht und seine Wärme direkt an die Raumluft abgibt.

1. Schritt: Lagerung der Holzpellets

Für eine Zentralheizung, die mit Pellets arbeitet und das ganze Haus mit Wärme versorgt, wird sehr viel mehr Platz nötig. Ein Lagerraum für Holzpellets soll für andauernden Nachschub an Brennstoff sorgen. Zumindest für den Zeitraum von einem Jahr sollte Vorrat vorhanden sein, um den Anlagenbesitzern größtmöglichen Bedienkomfort zu ermöglichen. Wer von Ölheizung auf Pelletheizung umrüstet, hat die Möglichkeit, das alte Öllager entsprechend neu gestalten zu lassen.

Ein schräger Boden im Lagerraum sorgt dafür, dass die Pellets in der Mitte zusammenlaufen und einfach entnommen werden können. Wem es an Platz mangelt, kann zu flexiblen Tanks in Form von Stoffsäcken in einem Holz- oder Metallrahmen greifen. Wichtig ist vor allem, das Holz trocken zu lagern. Andernfalls käme es zu aufgequollenen Pellets und einer gestörten Funktionsweise. Der Ingenieur wird auch verschiedene Nebenkomponente zur Rückbrandsicherung im Lagerbereich verbauen.

2. Schritt: Transport der Pellets in den Brennraum

Die automatisierte Beschickung der Pellets aus dem baulich getrennten Lagerbereich zum Brenner ist auf verschiedene Weisen machbar. Beispielsweise kann ein Vakuumsystem die Brennstoffe aus dem Tank saugen oder eine Förderschnecke transportiert die Pellets über kürzere Distanzen.
Alternativ gibt es die kostengünstigere, platzsparende Variante der halbautomatisierten Befüllung. Hierbei wird der Wochenbehälter manuell voll gemacht.

3. Schritt: Verbrennung

Ein Heizkessel steht im Zentrum der Anlage. Er verbrennt die Pellets energiesparend und nutzt fast die gesamte gespeicherte Energie zum Heizen. Die Leistung des Kessels lässt sich gut an den schwankenden Wärmebedarf anpassen. Ein Wärmespeicher wird von Experten empfohlen, sorgt er doch für sinkende Heizkosten und eine Schonung der Technik. Der Pufferspeicher nimmt die Energie auf und gibt sie erst bei Bedarf an Heizung und Brauchwasserbereitung ab.

4. Schritt: Entaschung

Die genormten Presslinge verbrennen, ohne nennenswerte Rückstände zu hinterlassen. Abhängig vom Heizsystem wird die Asche sofort komprimiert und nimmt kaum Platz weg. Ein Austragen der Asche ist nur sehr selten notwendig.

Funktionsweise: Heizen mit Holzpellets

Fördergelder für eine Umrüstung

Wer die Option einer staatlichen Förderung nutzen möchte, muss daran denken, die Mittel zu beantragen, noch bevor ein Heizungs- oder Installationsbetrieb beauftragt wird. Möglich ist dies über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die KfW wird bei Antragstellung empfehlen, einen Energieberater in die Planung einzubeziehen, dessen Kosten in die Förderung mit eingegliedert ist.

Bis zu 35 Prozent der förderfähigen Kosten werden durch das BAFA übernommen, da es sich um Wärmeerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien handelt. Ersetzt man mit dem Umbau einen Ölheizkessel, sind weitere zehn Prozent möglich. Erfüllt die neue Anlage gewisse technische Voraussetzungen, gibt es zusätzlich fünf Prozent. Findet die Modernisierung im Rahmen des sogenannten individuellen Sanierungsfahrplans statt, kommen nochmals 5 Prozent Förderung dazu.

Insgesamt sind also bis zu 55 Prozent finanzieller Förderung möglich. Der Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV) veranschlagt für Material und Installation mindestens 25.000 Euro, dabei kämen Kosten von 10.000 bis 12.500 Euro auf Hausbesitzer zu.

Vorteile einer Pelletheizung:

  • Holz ist ein nicht endender, nachwachsender Rohstoff mit hoher Verfügbarkeit. Die Herstellung der Pellets ist mit einem geringeren Energieaufwand verbunden, als es bei fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas der Fall ist.
  • Die Verbrennung der Pellets geschieht nahezu CO₂-neutral. Das freigesetzte Kohlendioxid wurde vorab durch die Bäume während ihres Wachstums aufgenommen. Heißt, es wird so viel CO₂ ausgestoßen, wie es auch bei einer natürlichen Verrottung geschehen würde. Anders fossile Brennstoffe, die vor Millionen von Jahren angereichertes CO₂ abgeben.
  • Die hohen Kosten der Anschaffung werden durch geringe Folgekosten sowie die oben genannten Fördermöglichkeiten abgefangen.
  • Ein sehr hoher Wirkungsgrad von 95 Prozent.
  • Der Transport der Pellets ist, vergleichsweise, umweltfreundlich und sicher: Kommt es zu einer Beschädigung der Transportmittel, entsteht keine Umweltkatastrophe.
  • Ein vermehrter Einsatz lokal erhältlicher Rohstoffe schafft eine zunehmende Unabhängigkeit von Erdöl- oder Erdgas-Importen.
  • Pelletheizungen lassen sich gut mit anderen Energiequellen, wie beispielsweise einer Solaranlage, kombinieren. Das macht sogar eine weitere Förderung mit zusätzlichen Mitteln möglich.
  • Bestehende Heizkörper und Leitungen können weiterhin genutzt werden.
  • Die Schüttdichte der Pellets ist höher als es etwa bei Stückholz der Fall ist. Somit ist die Lagerung einfacher und platzsparender.
  • Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) verpflichtet zur Einbindung regenerativer Energiequellen bei Neubauten. Mindestens 15 Prozent sind vorgeschrieben. Bei 100 Prozent nachwachsendem Rohstoff erfüllt die Pelletheizung diese Gesetzesauflage vollkommen.

Nachteile einer Pelletheizung:

  • Platzintensive Lagerung
  • Hohe Anschaffungs- und Einbaukosten
  • Lange Transportwege verschlechtern die Umweltbilanz. Achtet auf kurze Wege und kauft möglichst lokal, um den Klimaschutzaspekt der Pelletheizung voll nutzen zu können.
  • Beim Transport der Pellets zum Kessel kann es einmal am Tag zu als störend empfundenen Geräuschen kommen.
  • Sowohl die Ascheentfernung (alle ein bis zwei Monate) als auch die Wartung (etwa alle sechs Wochen) sowie Reinigung am Ende einer Heizperiode ist nicht sonderlich aufwendig, aber es muss gemacht werden.
  • Holz wächst nur langsam nach, die Nachfrage nach Pellets steigt stetig. Somit ist die zukünftige Preisentwicklung noch ungewiss und es könnte langfristig zu Versorgungsengpässen kommen.

Nachfrage steigt, die Preise ebenfalls

Im August 2022 stiegen die Preise für Pellets in Deutschland um bis zu 34,5 Prozent. Für das Deutsche Pelletinstitut (Depi) ein „außergewöhnlicher Trend“, da die Preise „um diese Jahreszeit normalerweise rückläufig“ sind. Die Gründe für die Preissteigerung sind vielfältig. Vor allem eine gestiegene Nachfrage schafft höhere Preise: Für Verbraucher werden alternative Heizmethoden zunehmend attraktiv.

Das Depi hat im Sommer eine Dynamik beobachtet, bei der Pellets auch ohne akuten Bedarf eingekauft wurden. Hinzu kommt, dass steigende Spritpreise zu einer Preissteigerung beim Transport der Pellets führen. Auch steigende Stromkosten führen zu steigenden Herstellungskosten. Fehlende LKW-Kapazitäten, aber auch Krankheitsfälle bei LKW-Fahrern sorgten für längere Lieferzeiten und logistischen Engpässe. In anderen Ländern ist der Bedarf an Pellets ebenfalls gestiegen, dementsprechend werden weniger nach Deutschland exportiert.

Ein weiterer Grund für die Situation sind Lieferengpässe beim Brennmaterial. Aufgrund gesunkener Nachfrage fällt in Sägewerken weniger Schnittholz an, aus dem sich Pellets gewinnen lassen können. Eine Normalisierung der Situation auf dem Pelletmarkt ist laut Depi noch nicht abzusehen und rät davon ab, sich zu Hamsterkäufen hinreißen zu lassen: „Lager nur mit der notwendigen Menge auffüllen und die weitere Preisentwicklung beobachten.“

fl

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