US-Waffenlobby schießt zurück

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Scharfmacherin: NRA-Sprecherin Dana Loesch. Foto: AFP

Die unter Beschuss geratenen Unterstützer des Rechts auf Waffenbesitz in den USA wehren sich nach dem Schulmassaker von Parkland mit allen Kräften. Wirkliche Veränderungen soll es nicht geben. Und die liberalen Medien sind ihr größter Feind.

Kritiker sehen versteckten Aufruf zu Gewalt

von Friedemann Diederichs

Washington – Die 39-jährige Dana Loesch erinnert mit ihren langen schwarzen Haaren und Gesichtszügen an die Hollywood-Schauspielerin Demi Moore. Über Nacht ist sie in den USA zum Begriff geworden. Nicht, weil sie gerne Lederjacken trägt oder sich einen Bibelvers auf ihren Unterarm tätowieren ließ, in dem es heißt, man solle die Waffenrüstung Gottes im Kampf gegen das Böse anlegen. Nein, es sind ihre Aussagen, wofür – je nach Standpunkt – die Sprecherin der Waffenlobby-Organisation NRA (National Rifle Association) bewundert oder gehasst wird.

Es sind Sprüche wie dieser, den sie jetzt nach dem Schulmassaker von Parkland äußerte: Massenmedien, die so gerne Waffenbesitzer kritisierten, liebten doch insgeheim Amokläufe – denn für TV-Sender seien „weinende weiße Mütter Einschaltquoten-Gold“. Auch sonst hält sich Loesch nicht mit kontroversen Ansichten zurück. Sie verteidigte vehement US-Soldaten, die in Afghanistan auf tote Taliban urinierten und sagte, sie hätte das Gleiche getan.

Immer schön in der Offensive. Das ist das Motto von Dana Loesch wie auch der NRA, die zu einer der einflussreichsten Lobby-Gruppen in den USA zählt und über einen eigenen Fernsehkanal verfügt. Zwar gab die Organisation mit rund 55 Millionen Dollar für Trump und andere Republikaner nicht das meiste Geld im letzten Wahlkampf. Andere Gönner wie der Milliardär und Öko-Aktivist Tom Steyer steckten vor allem den Demokraten weitaus mehr Spenden zu – bei Steyer waren es mehr als 90 Millionen Dollar.

Doch das wahre Machtinstrument der Waffenindustrie ist subtiler: Politikern, die das Mantra anzweifeln, dass nur mehr und nicht weniger Schießprügel mehr Sicherheit schaffen können, wird mit Liebesentzug und dem Verlust öffentlicher Unterstützung gedroht. Das wirkt vor allem in von ländlichen Regionen geprägten Bundesstaaten, in denen weiße Männer mittleren Alters – die die meisten der rund fünf Millionen NRA-Mitglieder stellen – wahlentscheidend sein können. Wie gut das wirkte, zeigte sich 2005: Da wurde die US-Waffenindustrie per Gesetz vor Schadensersatzklagen geschützt.

Nach dem Massaker von Parkland mit 17 Opfern am Valentinstag wehrt sich nun die im öffentlichen Meinungsbild unter Beschuss geratene NRA mit allen Kräften. Gelegen kommt ihr dabei auch das unerklärliche Versagen der Bundespolizei FBI und der Sheriffs des Bezirks Broward County. Das FBI war klaren Hinweisen auf massive psychische Probleme des Amokläufers und dessen Absicht, ein Blutbad anzurichten, nicht gefolgt und hat dies auch eingeräumt. Dann stellte sich am Wochenende heraus, dass nicht nur der bewaffnete Schul-Cop – er quittierte mittlerweile seinen Job – bei den Todesschüssen des Täters nicht eingegriffen hatte. Auch drei weitere Sheriff-Deputies bezogen nach ihrem Eintreffen an der Schule Stellung – aber wagten sich laut CNN nicht ins Gebäude. Damit verletzten sie die offizielle Polizeistrategie, die schon seit vielen Jahren lautet: Der erste Beamte vor Ort muss einen Amokschützen selbst unter Lebensgefahr angreifen. Aus dem Versagen der Sicherheitskräfte leiten nun die NRA und auch Präsident Donald Trump die Ansicht ab: Entsprechend trainierte Lehrer und Hausmeister wären das beste Mittel, um Amokläufe zu stoppen.

Zwar sind die Schülerproteste so massiv wie nie zuvor. Doch ob sie auch ein Umdenken bei der NRA bewirken können, ist fraglich. Dort sieht man alle wesentlichen Versuche einer Waffengesetzreform in erster Linie als Versuch, den zweiten Verfassungszusatz im Land – aus dem die NRA das Recht auf uneingeschränkten Waffenbesitz ableitet – auszuhöhlen. Um Kritikern entgegenzukommen, signalisiert man Einlenken nur zentimeterweise wie durch striktere Überprüfungen von Waffenkäufern durch Abfragen in der FBI-Datenbasis. Doch beim Recht auf Waffenbesitz bleibt man hart.

Als am Wochenende Unternehmen wie United Airlines oder der Autovermieter Hertz Rabatte für NRA-Mitglieder aufkündigten, sagte die Organisation: Kein Mitglied werde sich davon beeindrucken lassen. Unnachgiebig sein – das gilt auch im Bezug auf liberale Medien wie CNN, die „Washington Post“ oder die „New York Times“, mit denen sich die Waffenlobby in einer Art Kriegszustand befindet.

Was sie von der „New York Times“ hält, machte die professionelle Scharfmacherin Loesch in Videos deutlich. „Wir haben die Nase voll von euren falschen Nachrichten und eurer Propaganda,“ erklärte sie in einem Streifen, „wir werden das nicht weiter hinnehmen.“ In einem weiteren Video hält sie ein Feuerzeug an eine Ausgabe der Zeitung – für manche Kritiker ein versteckter Aufruf zu Gewalt. Doch Loesch ficht dies nicht an. Sie vertraut angesichts von Todesdrohungen auch auf ihr Gewehr, wie ein Schild über ihrer Haustür deutlich macht. Der Text: „Dieses Haus wird vom Herrgott und einer Waffe geschützt. Wer hierher kommt, um zu stehlen oder Menschen zu verletzten, dürfte mit beiden Bekanntschaft machen.“

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