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Unwetterkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz

Trauer zwischen Trümmern: Mindestens 110 Menschen sterben bei Katastrophe in Ahrweiler

Nach der schweren Flutkatastrophe kämpfen Tausende Helfer noch immer gegen die Schlammmassen.
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Nach der schweren Flutkatastrophe kämpfen Tausende Helfer noch immer gegen die Schlammmassen.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Die Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands bringt Chaos, Verwüstung und Leid. Ihr genaues Ausmaß kann noch nicht abgeschätzt werden. Klar ist: Mindestens 150 Menschen haben in NRW und Rheinland-Pfalz ihr Leben verloren. Die Zahlen werden noch weiter steigen, wird befürchtet. Zahlreiche Menschen werden vermisst. Viele, viele andere stehen vor den Trümmern ihrer Existenz.

Update, Sonntag (18. Juli) 6.40 Uhr - Mindestes 110 Menschen sterben bei Hochwasserkatastrophe in Ahrweiler

Nach der Hochwasserkatastrophe im Kreis Ahrweiler in Reinland-Pfalz hat sich die Zahl der Todesopfer bis Sonntagmorgen auf 110 erhöht. Ebenso wurden 670 Personen verletzt, wie die Polizei mitteilte. Die Zahl der Toten und Verletzten könnte sich aber weiter erhöhen. In einer Vielzahl der umliegenden Gemeinden gibt es auch weiterhin weder Strom noch Telefonempfang. Ebenso sind weiterhin eine Vielzahl der Straßen im Ahrtal gesperrt. Die Zahl der Toten der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erhöht sich somit auf mindestens 150.

Update, 19.32 Uhr - Mehr als 140 Tote in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

Die Zahl der Todesopfer bei der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen hat sich auf 141 erhöht. Im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler seien 98 Tote bestätigt, teilte die Polizei Koblenz am Samstagnachmittag mit. Aus Nordrhein-Westfalen wurden bislang 43 Opfer gemeldet.
Die Anzahl der Verletzten in Ahrweiler liege bei 670, fügte die Polizei Koblenz hinzu. Zahlreiche Menschen werden noch vermisst.

Update, 18.23 Uhr - Waldkraiburger Wehren startet Spendenaufruf

Die Feuerwehren der Stadt Waldkraiburg hat einen Spendenaufruf für die Hochwasseropfer in NRW und Rheinland-Pfalz gestartet. Gesucht werden unter anderem Hygieneartikel aller Art, Trinkwasser, Decken und Kinderspielzeug. Die Spenden können noch bis einschließlich Dienstag (20. Juli) im Feuerwehrgerätehaus in der Prießnitzstraße abgegeben werden.

Update, 17.41 Uhr - Vier Feuerwehrleute bei Hochwassereinsätzen in NRW gestorben

Bei den Hochwassereinsätzen in Nordrhein-Westfalen haben mindestens vier Feuerwehrleute ihr Leben verloren. Das teilte der Verband der Feuerwehren (VdF) am Samstag mit. Neben den beiden in Altena und Werdohl gestorbenen Männern seien zwei weitere Todesfälle gemeldet worden. In Nettersheim (Kreis Euskirchen) sei ein Feuerwehrangehöriger bei einem Rettungseinsatz ums Leben gekommen. Ein weiterer Feuerwehrangehöriger der Feuerwehr Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) sei im Einsatz leblos aufgefunden worden und später im Krankenhaus gestorben.

„Die Betroffenheit in den Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus ist riesig. Wir alle werden das nach Ende der Einsätze erst verarbeiten müssen“, sagte der stellvertretende VdF-Landesvorsitzende, Bernd Schneider.

Update, 16.54 Uhr - Hochwasserkatastrophe in NRW: Mehr als 23.000 Kräfte im Einsatz

In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben des Innenministeriums rund 22.000 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Hilfsorganisationen wie dem Technischen Hilfswerk (THW) an den Rettungsarbeiten beteiligt. Hinzu kämen 700 Beamte der Landespolizei und Kräfte der Bundespolizei sowie Einsatzkräfte aus Hessen, Niedersachsen und Hamburg. Die Bundeswehr ist nach Angaben vom Freitag mit weiteren 900 Soldaten vor Ort.

Die Koordinierungsgruppe des Krisenstabs Nordrhein-Westfalen tausche sich rund um die Uhr zur aktuellen Lage bei der Hochwasserkatastrophe aus und helfe landesweit bei der Koordinierung, hieß es am Samstagmorgen in Düsseldorf.

Update, 15.50 Uhr - Steinmeier: Schicksal der Hochwasseropfer „zerreißt uns das Herz“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zu anhaltender Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands aufgerufen. „Die Unterstützungsbereitschaft, sie muss anhalten, im Großen wie im Kleinen“, sagte er am Samstag bei einem Besuch im nordrhein-westfälischen Katastrophengebiet an der Erft. „Die Menschen hier vertrauen darauf, dass die Solidarität, die signalisiert wird, auch weiterhin besteht.“ Vielen Menschen in den Hochwassergebieten sei „nichts geblieben, außer ihrer Hoffnung. Und diese Hoffnung dürfen wir nicht enttäuschen“, sagte Steinmeier in Erftstadt.

Der Bundespräsident hatte sich zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) über die Lage in Erftstadt informiert. Zur Stadt gehört die Ortschaft Blessem, wo es zu gewaltigen Erdrutschen gekommen war. Es bildeten sich Krater im Erdreich, drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein. Viele hätten „alles verloren, was sie sich ein Leben lang aufgebaut haben“, sagte Steinmeier. „Wir sehen Gemeinden, die von Verwüstung, von Zerstörung gezeichnet sind.“ Den größten Verlust hätten aber die zu tragen, die Familienangehörige, Freunde, Bekannte verloren haben. „Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz“, sagte Steinmeier.

Gewaltige Erdrutsche haben in Erftstadt mehrere Häuser mit sich gerissen

Update, 14.18 Uhr - Zahl der Toten nach Überschwemmungen in Belgien steigt auf 24

Die Hochwasserkatastrophe in Belgien hat bislang 24 Menschen das Leben gekostet. „Leider müssen wir damit rechnen, dass diese Zahl in den nächsten Stunden und Tagen weiter ansteigen wird“, teilte das Nationale Krisenzentrum des Landes am Samstag mit. Die Rettungskräfte setzten ihre Bemühungen vor Ort fort, nachdem die Regenfälle vielerorts am Freitag aufgehört hatten.

In Teilen der Provinz Flämisch-Brabant sei die Situation weiterhin kritisch, hieß es. In den Gemeinden Zoutleeuw und Rotselaar könnte sich die Lage am Nachmittag sogar noch verschlechtern, hieß es. In Rotselaar seien mehrere Häuser von den Fluten bedroht. Der Pegel der Demer habe einen kritischen Punkt erreicht. In der besonders stark betroffenen Provinz Lüttich sind nach Angaben des Krisenzentrums die Sucharbeiten nahezu abgeschlossen. Der Wasserstand der Maas, der an vielen Stellen gefährlich hoch geworden war, gehe nun langsam zurück.

Anwohner entfernen Schlamm mit Schaufeln und Besen. In den Provinzen Lüttich, Luxemburg und Namur wurde der provinzielle Katastrophenplan ausgerufen

Update, 12.39 Uhr - Suchen, retten, aufräumen - Nach der Flut werden die Folgen deutlich

Während sich die Wassermassen aus vielen Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz langsam zurückziehen, wird in den Trümmern der Katastrophengebiete weiterhin nach Todesopfern gesucht. Bis zum Samstagmittag stieg diese Zahl auf mehr als 130. Allein im Großraum Ahrweiler kamen nach Angaben der Polizei über 90 Menschen ums Leben. Es sei zu befürchten, dass noch weitere hinzukämen, teilte die Polizei Koblenz mit. Hunderte Menschen wurden laut Polizei verletzt - auch diese Zahl könne noch steigen.

Für die ebenfalls besonders schwer betroffene Region um das nordrhein-westfälische Erftstadt befürchtet Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) ebenfalls Schlimmeres: „Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nich“, hatte er am Freitag in Düsseldorf gesagt. Trotz mehrerer eingestürzter Häuser gab es bis zum Samstagmittag aber keine bestätigten Todesopfer in dem extrem unter Wasser stehenden Stadtteil Blessem.

Skeptisch äußerte sich dort jedoch ein Kreissprecher: Da die Arbeiten der Rettungskräfte noch in vollem Gange seien, könne man nicht ausschließen, noch Todesopfer zu finden, sagte er am Samstagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Die Lage sei weiterhin angespannt. In Blessem südwestlich von Köln war es zu gewaltigen Erdrutschen gekommen, es bildeten sich Krater im Erdreich, drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg stürzten ein.

Mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden in den Regionen immer noch Menschen vermisst. Tausende Rettungskräfte sind unter anderem in der Eifel im Einsatz. Auch dort hatten die Wassermassen in der Nacht zum Donnerstag ganze Orte verwüstet. In Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben des NRW-Innenministeriums landesweit mindestens 43 Todesopfer und viele Verletzte. Für Rheinland-Pfalz hatte Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) am Freitag von 362 Verletzten gesprochen.

Langsam zieht sich das Wasser aus vielen Regionen wieder zurück. In Köln erreichte das Rhein-Hochwasser in der Nacht zum Samstag seinen Höchststand mit 8,06 Metern, danach fiel laut Städtischen Entwässerungsbetrieben der Wasserstand wieder. Auch nach der Frühwarnprognose des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz hat sich die Hochwassergefahr zuletzt verringert. In vielen Ortschaften ist das Strom- und Telefonnetz weiter ausgefallen. Angehörige, Freunde oder Bekannte, die jemanden vermissen, können sich unter der Rufnummer 0800 6565651 bei der Polizei melden.

Im Ahrtal sind etliche Straßen weiterhin gesperrt oder nicht mehr befahrbar. Durch das Abfließen der Wassermassen werden dort und an der Mosel die von den Fluten angerichteten Schäden sichtbar. Auch die Infrastruktur hat schweren Schaden genommen: In dem besonders stark betroffenen Landkreis Ahrweiler sind Brücken zerstört, der Zugverkehr ist in Rheinland-Pfalz wegen der Überflutungen weiterhin massiv beeinträchtigt. Hunderte Rettungskräfte sind auf der Suche nach Toten, Verletzten und Vermissten.

Update, 10.49 Uhr- Polizei-Appell an potenzielle Hochwassertouristen und Gaffer

 Mit einem eindringlichen Appell hat sich die Polizei in Rheinland-Pfalz zum Start ins Wochenende über Twitter an potenzielle Hochwassertouristen und Gaffer gewandt. „Es ist nicht an der Zeit für Touren in einem Katastrophengebiet“, hieß es am Samstag von der Polizei in Mainz. Denn viele Menschen hätten dort gerade erst „großes Leid und Verluste erfahren“. Während des Katastropheneinsatzes seit Donnerstag war es bereits zu Behinderungen durch Schaulustige gekommen.

Nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Europas ist die Zahl der Toten in Deutschland auf mehr als 130 gestiegen. Die Polizei bezifferte allein die Zahl der Todesopfer im Großraum Ahrweiler bis Samstagmorgen auf über 90.

Update, 9.44 Uhr - Hochwasserkatastrophe in NRW: Über 19 000 Kräfte im Einsatz

In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben der Landesregierung mehr als 19 000 Einsatzkräfte an den Rettungsarbeiten beteiligt. Die Koordinierungsgruppe des Krisenstabs Nordrhein-Westfalen tausche sich rund um die Uhr zur aktuellen Lage bei der Hochwasserkatastrophe aus und helfe landesweit bei der Koordinierung, hieß es am Samstagmorgen in Düsseldorf.

Update, 8.10 Uhr - Anzahl der Toten in Rheinland-Pfalz steigt auf mindestens 90

Nach der Hochwasserkatastrophe im Großraum Ahrweiler ist die Zahl der Todesopfer bis Samstagmorgen nach Polizeiangaben auf über 90 gestiegen. Es sei zu befürchten, dass noch weitere Todesopfer hinzukommen, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit. Insgesamt liege dem Polizeipräsidium die Meldung über insgesamt 618 Verletzte vor. Auch diese Zahl könne sich noch weiter erhöhen. Auch mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden noch Menschen vermisst.

In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler Schwerpunkt der Katastrophe. Am Freitag hatte Innenminister Roger Lewentz (SPD) noch von 63 Todesopfern gesprochen. Die Zahl der Verletzten lag am Freitag noch bei 362.

In vielen Ortschaften sei weiterhin das Strom- und Telefonnetz ausgefallen. Angehörige, Freunde oder Bekannte, die jemanden vermissen, können sich unter der Rufnummer 0800 6565651 bei der Polizei melden. Die Hotline sei rund um die Uhr erreichbar und nehme jeden Hinweis entgegen.

Die Polizei war in der Nacht nach Angaben des Präsidiums mit vielen Einsatzkräften in den betroffenen Ortslagen im Einsatz. Durch das Unwetter seien viele Straßen im Ahrtal weiterhin gesperrt oder nicht mehr befahrbar. Die Polizei bittet darum, das Ahrtal weiträumig zu umfahren. Rettungswege müssen für Rettungskräfte frei gehalten werden.

Die Wetterlage hat sich inzwischen entspannt. Es bleibt aber wechselhaft, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Daher könne es auch weiter zu örtlichen Gewittern mit Starkregen kommen. Erst am Wochenende sollen die Niederschläge aufhören.

Die Landesregierung beschloss die Einrichtung einer Stabsstelle Wiederaufbau. Die Bundesregierung will in der kommenden Woche über Aufbauhilfen für Bürger und Kommunen in den Überschwemmungsgebieten entscheiden.

Vorbericht:

Braun und ölig ergießt sich Wasser von einer Straße in einen riesigen Schlund in Erftstadt unweit von Köln. Die Straße: einfach abgebrochen. Die Häuser: zum Teil eingestürzt. Eine weiße Gardine wiegt noch im Wind, fast bis zur Hälfte ist sie braungefärbt. Ein stummes Zeugnis dramatischer Stunden, in denen die Flut durch den Stadtteil Blessem schwappte.

Aus der Luft sind Erdrutsche von gewaltigem Ausmaß zu sehen

In Erftstadt werden Häuser mitgerissen und verschwinden. Die Flut sei schnell gekommen, sagt Landrat Frank Rock (CDU). Es habe kaum Zeit gegeben, die Menschen zu warnen. Aus der Luft sind Erdrutsche von gewaltigem Ausmaß zu sehen. „Es ist eine katastrophale Lage, wie wir sie hier noch nie hatten“, sagt der Landrat.

Nur wenige Schritte entfernt von der Abbruchkante steht Karl Berger vor seinem Geburtshaus. Er ringt um Fassung. „Dieses Riesenloch“, sagt er, dann kippt die Stimme. Er kenne viele Menschen, die dort lebten. Am Donnerstag sei die Erft - eigentlich „ein juter Fluss“ - stetig angeschwollen.

Die Rettungsarbeiten sind schwierig: Menschen werden weiterhin mit Booten vom Wasser aus gerettet. Die Situation ist unübersichtlich. Mit Schreien versuchen einige Anwohner laut Fernsehberichten, Retter auf sich aufmerksam zu machen. Er habe noch keine konkrete Zahl über Todesopfer oder Vermisste, sagt Rock. In der Nähe stürzen Teile der gesperrten Autobahn 1 in den Fluss.

Mehr als 20 Städte und Kreise sind in NRW von Überschwemmungen betroffen

Die Rurtalsperre hatte gegen Mitternacht begonnen, infolge der immensen Regenmengen überzulaufen. Zumindest hier gibt es etwas Entwarnung. Der Wasserverband Eifel-Rur spricht von einer „geringen Dynamik“. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sagt: „Die Staudämme der Talsperren in Nordrhein-Westfalen sind, mit Ausnahme der Steinbachtalsperre, stabil und unbeschädigt.“ An der Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen droht ein Durchbrechen des Staudamms. Mehrere Ortschaften im Bereich des Sees wurden deshalb evakuiert.

Laschet (CDU) spricht von einer „Flutkatastrophe von historischem Ausmaß“. Es stehe zu befürchten, dass die Opferzahlen weiter steigen werden. „Die Fluten haben vielen Menschen buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen.“

Die Bilder machen die Kraft der Naturgewalten deutlich: Wo eine Einkaufsstraße war, fließt auf einmal ein Fluss. Wie umhergeworfenes Spielzeug liegen Fahrzeuge in der Landschaft. Manche Häuser sind zur Hälfte weggespült wie Kartenhäuschen - oder verschwunden. Nach wie vor sind viele Haushalte ohne Strom, Orte sind nicht zu erreichen, der Bahnverkehr ist enorm eingeschränkt.

In Rheinland-Pfalz haben vielerorts die Aufräumarbeiten begonnen. Menschen räumten herausgespültes Hab und Gut aus dem Schlamm. Das Entsetzen im Land ist groß. „Das Leid nimmt auch gar kein Ende“, sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) beim Besuch der Leitstelle der Berufsfeuerwehr in Trier am Freitagmorgen. Da das Wasser überall zurückgehe, würden nun Menschen gefunden, die bei der Katastrophe ertrunken seien. „Und da könnte man eigentlich nur noch weinen. Das ist ein Horror“, sagt Dreyer. Mehr als 60 Opfer sind zu beklagen.

In dem von der Hochwasserkatastrophe besonders getroffenen Ahrtal sind weiter Hubschrauber und Boote unterwegs und retten Menschen. Die Helfer finden in den braunen Fluten auch immer wieder Tote und bergen sie.

Zwölf Bewohner einer Einrichtung für behinderte Menschen sterben

In Sinzig etwa können sich zwölf Bewohner einer Einrichtung für behinderte Menschen nicht mehr retten und sterben. „Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke des Erdgeschosses“, sagt der Geschäftsführer des Landesverbands der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz, Matthias Mandos. Die Nachtwache habe es noch geschafft, mehrere Bewohner in den ersten Stock des an der Ahr gelegenen Wohnheims zu bringen. „Als er die nächsten holen wollte, kam er schon zu spät.“

Tausende Helfer sind in beiden Ländern unterwegs. Andere Bundesländer schicken Unterstützung. Bei der Bewältigung der Hochwasser-Katastrophe helfen rund 900 Soldatinnen und Soldaten. Zum Einsatz kommen etwa Hubschrauber, Räumpanzer, Krankenwagen, Boote, Truppentransport-Panzer und eine Fähre. Das Technische Hilfswerk (THW) hat in beiden Bundesländern insgesamt mehr als 2000 Helfer im Einsatz. Sie retten Menschen, evakuieren Gebäude und verteilen Sandsäcke. Immerhin sanken in einigen Orten die Pegelstände. Es deutete sich leichte Entspannung an.

Auch die Bundesregierung sagte den Betroffenen Hilfe zu. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will die Gebiete besuchen. Die Katastrophe mache ihn fassungslos, sagt er. In Gedanken sei er bei den Hinterbliebenen der Opfer. „Ihr Schicksal trifft mich ins Herz.“

In Erftstadt bleibt die Lage angespannt. Die Dämme müssen halten. Und dann muss aufgeräumt werden. Karl Berger erzählt, dass in einem Teich weiter hinten einst mal gut 20 Koi-Karpfen von „stattlicher Länge“ schwammen. Bis das viele Wasser kam. „Da haben wir jetzt fünf Stück wieder gefunden.“ Irgendwo muss man ja jetzt wieder anfangen.

dpa/mz

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