Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Truppen nur noch wenige Wochen kampffähig?

„Sie haben uns in den Tod geschickt“: Frust in Putins Armee wächst

  • Daniel Pichler
    VonDaniel Pichler
    schließen

Der russische Vormarsch in der Ukraine stockt an vielen Frontabschnitten. Ein Grund dafür soll die mangelnde Moral der russischen Armee sein. Videos und Bilder scheinen diese Vermutung zu belegen: Sie zeigen verzweifelte, frustrierte und auch weinende Soldaten.

Militärexperten sind sich weitgehend einig, dass Russland seinen Feldzug gegen die Ukraine als „Blitzkrieg“ konzipiert hat. Bedeutende Grenzstädte, etwa Charkiw, sollten handstreichartig in den ersten Kriegstagen eingenommen werden. Überdies dürfte auch mit einem schnellen Fall der Hauptstadt Kiew gerechnet worden sein. Die Wirklichkeit zeichnet aber ein anderes Bild. Im Norden scheint Moskau die Initiative entglitten zu sein, die Offensive ist weitgehend festgefahren. Lediglich im Süden des Landes sind nennenswerte Geländegewinne zu verzeichnen.

Verzweifelte, frustrierte und weinende russische Soldaten

Die Gründe? Neben mangelnder Logistik und militärischen Fehlplanungen soll auch die Moral in Russlands Armee bröckeln. Davon zeugen mehrere Bilder und Videos, welche im Internet im Umlauf sind. Sie zeigen in Gefangenschaft befindliche Soldaten. Die Männer wirken frustriert und verzweifelt, manche sind den Tränen nahe oder weinen.

Umgehend nach Auftauchen der Videos wurden Stimmen laut, es handle sich um Fälschungen oder ukrainische Propaganda. Die österreichische Plattform „Mimikama“, welche sich mit Hoaxes und Fake-News befasst, hat sich nun eingehend mit der Thematik beschäftigt.

+++ Alle Hintergründe zum Ukraine-Konflikt auf unserer Themenseite +++

Ein auf Twitter aufgetauchtes Video zeigt beispielsweise einen jungen Soldaten, der sich ergeben hat oder gefangengenommen wurde. Er erhält von Ukrainern etwas zu essen und Tee. Der Mann bekommt die Gelegenheit, mit seiner Mutter - sie heißt Natasha - zu telefonieren.

Mimikama hat einige der Sätze des Mitschnitts, dessen Echtheit laut der Website außer Frage stehe, übersetzt. „Holen Sie die Leute heim, Sie sehen, dass Ihr Sohn lebt, gesund ist, ihm wird nichts passieren. Steht auf, steht auf, Leute, blockiert die Straßen, Brücken, junge Soldaten wurden entführt, Kolonnen eurer russischen Soldaten, in Stücke zerbrochen“, lautet eine der übersetzten Aussagen. „Er wusste nicht einmal, warum er hierhergekommen war“ eine weitere.

Diese Aussage ist immer wieder in den Videos mit russischen Soldaten zu hören. Offenbar wurden sie nur spärlich oder überhaupt nicht über ihre Mission in Kenntnis gesetzt.

Ein weiteres Video zeigt einen verzweifelten russischen Soldaten, der sich ebenfalls im Gespräch mit seiner Mutter befindet. Ob die Aufnahme Teil ukrainischer Propaganda ist ist unklar, das Video wurde offenbar direkt vom ukrainischen Verteidigungsministerium erstellt. Der junge Mann erzählt jedenfalls von den Ereignissen. „Sie haben uns in den Tod geschickt. Das ganze verdammte Bataillon. Jeden. Jeder wurde getötet.“

Er berichtet auch von Kriegsverbrechen, seinen Aussagen zufolge wurden Verwundete getötet. Er bittet seine Mutter, beim Regiment um einen Gefangenenaustausch zu bitten. Und er ersucht sie, nicht die gesamte von ihm geschilderte Wahrheit zu nennen, da er Repressionen durch die russischen Geheimdienste befürchte.

Ebenfalls im Netz im Umlauf ist ein Zusammenschnitt von Aussagen mehrerer russischer Soldaten. Sie alle schwören, dass sie nicht hätten kämpfen wollen.

Das ukrainische Verteidigungsministerium ist inzwischen auch dazu übergegangen, Bilder von verpixelten toten Soldaten, erbeuteten Abzeichen, Ausweisen und zerstörten Panzern zu veröffentlichen. Die Aussage am Ende der Seite: „Russland hat kein professionelles Militär mehr. Putin ist dazu übergegangen, PMCs (private militärischen Unternehmen) und die Putin-Jugend einzusetzen“.

Doch nicht nur die österreichischen Faktenchecker haben sich der Videos angenommen, auch in Frankreich sind „The Observers“ um eine Verifikation bemüht. Sie haben eine für jeden einsehbare Karte mit verifizierten Videos aus der Ukraine erstellt.

Experte: Russlands Armee nur noch wenige Wochen kampffähig?

Zu dem Schluss, dass die Moral der russischen Truppen am Boden sei, kommt auch der Strategieanalyst Michael Kofman. Der Direktor des Forschungsprogramms für Russlandstudien des Center vor Naval Analyses spricht im Interview mit dem „Spiegel“ davon, dass das russische Militär wahrscheinlich nicht mehr länger als vier Wochen durchhalte. Die Armee sei auf keine groß angelegte Militäroperation vorbereitet gewesen. Kofman sagt zudem, dass die Verluste auf russischer Seite zu hoch seien. Auch das führe zu einer schlechten Moral innerhalb der Armee. Die ganze Operation, so der Experte, sei „zutiefst bizarr“.

Red./dp

Rubriklistenbild: © Twitter/Youtube/Bildmontage Red.