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Ukraine-Krieg

Überlebenskampf in der Ukraine - „Das Leben in Moskau ist wie immer“

Jan Dresel (46),  Leiter des Moskauer Büros der Hanns-Seidel-Stiftung
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Jan Dresel (46), Leiter des Moskauer Büros der Hanns-Seidel-Stiftung
  • Leonie Hudelmaier
    VonLeonie Hudelmaier
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Jan Dresel (46) ist Leiter des Moskauer Büros der Hanns-Seidel-Stiftung. Obwohl in der Ukraine Krieg herrscht und Sanktionen gegen Russland verhängt werden, hat er vorerst nicht vor, die russische Hauptstadt zu verlassen.

Wie ist die Stimmung in Moskau?

Das alltägliche Leben in Moskau ist im Großen und Ganzen wie immer. Die Leute unterhalten sich natürlich auch über den Krieg, aber es geht auch um andere Themen, wie zum Beispiel Corona. Es gibt kaum größere Schlangen vor Geschäften. Auch vor Banken habe ich keine größeren Schlangen gesehen. Ich bin heute früh in die Metro gekommen und da habe ich zum ersten Mal eine wirklich lange Schlange gesehen. Da habe ich mir gedacht: Oje, jetzt geht’s los mit dem Anstehen. Dann ist mir eingefallen: Es ist der Monatserste. Die Leute erneuern einfach nur ihr Abo.

Wirken die Sanktionen schon?

Die Sanktionen sind grundsätzlich im Finanzbereich spürbar. Die Unternehmen werden in den nächsten Wochen vermutlich verstärkt spüren, dass ihre Finanzgeschäfte nicht mehr so laufen, wie sie es gewohnt waren.

Wie sind die Bürger über den Krieg informiert?

Da gibt es Unterschiede. Sehr viele Leute, die in der Sowjetunion sozialisiert wurden, haben die Einstellung, man muss sich auf einen Krieg einlassen, wenn das nationale Interesse es erfordert. Und dadurch sind viele Leute insbesondere über 60 Jahren der Meinung, dass dieser Militäreinsatz – wie es von russischer Seite genannt wird – gerechtfertigt sei. Während viele jüngere Leute vor allem die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Angriffe sehen. Viele zwischen 18 und 25 sehen den Krieg kritisch und sehen nicht nur dieses Argument der nationalen Stärke, welches das offizielle Narrativ wiedergibt.

Bekommen Sie Demonstrationen mit?

Es gab in den letzten Tagen immer wieder in mehreren russischen Großstädten Proteste, auch in Moskau. Dort haben Gegner des Krieges offen ihre Meinung artikuliert, obwohl keine Kundgebungen zugelassen waren. Bei Polizeieinsätzen gegen Demonstranten wurden viele abgeführt. Aber es prägt das Stadtbild nicht. Es sind vereinzelte Proteste, die sich teilweise auch spontan abspielen, weil die eigentlichen Protestorte von der Polizei weiträumig abgesperrt wurden.

Haben Sie Angst?

Ich habe überhaupt keine Angst. Weil die Sicherheitslage in Moskau völlig unproblematisch ist. Es hat auch noch keine Anschläge gegeben. Das subjektive Sicherheitsgefühl in Moskau ist nach wie vor sehr hoch.

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