Typisch bayerisch: die Hauberlinge

  • schließen
  • Weitere
    schließen

In unserer Freitags-Serie verraten Leser ihr Küchengeheimnis. Heute tischt uns Maria Graf (55) aus Steinkirchen ein typisch bayerisches Rezept auf: die Hauberlinge. Klassisch serviert sie das deftige Schmalzgebäck zu Rehragout.

mein küchengeheimnis

In unserer Freitags-Serie verraten Leser ihr Küchengeheimnis. Heute tischt uns Maria Graf (55) aus Steinkirchen ein typisch bayerisches Rezept auf: die Hauberlinge. Klassisch serviert sie das deftige Schmalzgebäck zu Rehragout.

von stephanie ebner

Normalerweise braucht Maria Graf kein Kochbuch. Wer fünf Tage die Woche kocht, hat einfach Routine. Die Küchenarbeit geht ihr leicht von der Hand, da geht alles Ruckzuck. Und doch gibt es Gerichte, da greift die versierte Landfrau gerne zum Rezept. Bei den Hauberlingen zum Beispiel. Ein deftiges Schmalzgebäck, das die gelernte Steuerfachgehilfin im Winter gerne mal macht. Nicht zu oft, denn es braucht Zeit. Schließlich handelt es sich bei den Hauberlingen um ein Hefegebäck. Außerdem sind die Hauberlinge sehr nahrhaft.

Früher wurden die Hauberlinge gerne als Alternative zu Kartoffeln oder Knödel gereicht. Heute kennt man diese kaum noch. „Schade“, sagt Maria Graf, die nicht nur in der Küche Überliefertes pflegt.

Der Clou an diesem Schmalzgebäck ist das Weißbier – „keine Sorge, es schmeckt nicht intensiv raus“. Das Bier hat Maria Graf schon rechtzeitig aus dem Keller geholt und in die Nähe des Holzofens gestellt. „Das darf nicht zu kalt sein“, erklärt die Hobbyköchin. Wie alle Zutaten beim Hefeteig. Geübt rührt die 55-Jährige die Zutaten mit einem Holzlöffel zusammen, würzt mit Kümmel und Schnittlauch.

Abschließend wirft Maria Graf einen Blick in das Landfrauen-Kochbuch. „Sicher ist sicher“, sagt sie. „Nicht, dass ich etwas vergesse.“

Die Hauberling-Seite in dem Kochbuch ist schon ganz abgegriffen. So oft hat die Landfrau den Klassiker schon gemacht. Die Zutaten sind in dem Rezept lediglich aufgelistet, Mengenangaben fehlen gänzlich. „Das war früher so üblich. Die alten Bauersfrauen hatten das im Gefühl.“

Hauberlinge und Rehragout sind ein absoluter Klassiker. Meist gibt es dieses Gericht beim Essen der Jagdgenossenschaft. Maria Graf bäckt die Hauberlinge zudem einmal im Jahr für den Kirchenchor, in dem ihr Mann Hans (59) singt. Dann macht sie Hauberlinge aus einem Kilogramm Mehl, heute reicht die Hälfte. „Davon werden gut sechs Personen satt“, sagt die Hobbyköchin.

Während der Hauberling-Teig ruht, kocht die Landfrau das Rehragout. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht, Hauberlinge mit Rehragout sind auf dem Land ein Reste-Essen. An den Festtagen gibt es Rehschlegel oder Rehrücken, aber auch die anderen Teile des Rehs wollen verarbeitet werden. „Bei uns verkommt nichts“, sagt die Mutter von vier Kindern und Großmutter von zwei Enkeln.

Neben dem Kochen ist Handarbeiten die große Leidenschaft der Steinkirchnerin. Besonders das Klöppeln liegt ihr am Herzen. „Dafür bin ich auch schon extra zu einem Kongress nach Österreich gefahren.“ Schon als kleines Mädchen habe sie das Handarbeiten geliebt und ihrer Großmutter dabei zugeschaut. „Ich bewahre sogar eine ganz alte Tischdecke von ihr auf, obwohl diese schon zerschlissen ist.“

Arbieten, Kochen, Handarbeiten und Mesmerdienst in der Filialkirche St. Florian („Nach dem Schutzpatron haben wir unseren ältesten Sohn benannt.“) – im Leben von Maria Graf ist immer etwas los. „Langeweile kommt da keine auf“, sagt sie mit einem Lachen. Nur ein Wunsch blieb bislang offen: ein Pferd. „Wenn ich mal in Rente gehe, kaufe ich mir einen Haflinger.“ Dann soll ein Jungmädchentraum endlich in Erfüllung gehen.

Apropos Traum: die Hauberlinge sind auch einer, ein kulinarischer. Gut, dass dieses traditionelle Schmalzgebäck nicht ganz in Vergessenheit geraten ist. Auf der bayerischen Speisekarte würde wirklich etwas fehlen.

Unser Tipp: Am besten schmecken die Hauberlinge übrigens, wenn man sie in die Sauce tunkt.

Zurück zur Übersicht: Welt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare