Von Traumstraßen und Albträumen

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- Rosenheim - Straßenmeister Johann Bichler hat einen Traum. Der sieht so aus: Wenn es anfängt zu schneien, sprechen sich die Nachbarn in den Wohnstraßen ab. Alle stellen ihre Autos nur auf einer Straßenseite ab.

Der mächtige Schneepflug mit dem dreieinhalb Meter breiten Räumschild kommt bestens durch und muss keine Schlangenlinien fahren. Die Steigerung wäre, dass Anwohner ohne eigenen Stellplatz tagsüber ihr Auto auf dem freien Garagenvorplatz des Nachbarn parken dürfen. Ergebnis: Die ganze Straße ohne Autos - freie Fahrt für den Schneepflug. Welch ein Traum! Die Wirklichkeit ist eher ein Albtraum. "Ein Auto rechts, eins links, der reinste Slalom", beschreibt Bichler das Bild, das sich den Winterdienstmitarbeitern täglich bietet, wenn sie ihre Arbeit tun.Dann fiel die

Tür ins Schloss

Die Fahrer haben viel zu erzählen, wenn sie von der Schicht in den Bauhof zurückkehren, die zum Teil schon um 2 Uhr nachts beginnt. Bichler selbst hatte ein Erlebnis, das ihm die Sprache verschlagen hat. In der Hochgernstraße stand dem Schneepflug zum Räumen der vom Bus befahrenen Strecke nur ein einziges Auto im Weg. Glück für Bichler: Er konnte den Besitzer ausfindig machen. Pech für Bichler: Der Halter weigerte sich, den Wagen wegzufahren. Offenbar passt es ihm nicht, dass der Bus den Weg durch seine Straße nimmt. "Früher ist der Bus hier nicht gefahren", sagte er. Es werde aber sehr eng für den Pflug, versuchte es Bichler noch einmal. "Wenn mein Auto beschädigt wird, muss die Stadt halt zahlen", war die Antwort. Dann fiel die Haustür ins Schloss. Ganz, ganz langsam ist der Straßenmeister knapp vorbeigekommen. "Dabei hätte der Mann im Hof sogar einen Platz, um sein Auto zu parken", wundert sich Bichler. Ins Schwärmen gerät er, wenn es um die Caspar-Filser-Straße geht. Dort reagieren die Autofahrer wunschgemäß: Wenn es anfängt zu schneien, fahren sie ihre Autos in die Grundstückseinfahrten und Garagen. Nicht in allen Straße herrscht allerdings die ideale Situation, dass abseits von der Fahrbahn soviel privater Parkraum zur Verfügung steht.

Schneepflug räumt die Einfahrt zu

Überall im ganzen Stadtgebiet sind die Fahrbahnen derzeit durch die am Rand liegenden Schneemassen extrem eingeengt. Die weiße Pracht wird als gar nicht mehr so prächtig empfunden, wenn, wie in den letzten Tagen, der Schnee sehr schwer und nass ist. Er bildet dann große Klumpen, von denen sich manch einer ausgerechnet in einer sorgfältig von Hand freigeschaufelten Zufahrt vom Räumschild des Schneepflugs löst. Bichler versichert, der Winterdienst bemühe sich, in einem solchen Fall noch einmal zurück zu setzen und die Einfahrt wieder zu räumen. Rangieren sei allerdings nicht immer möglich.

16 große und kleine Räumfahrzeuge sind derzeit im Einsatz. Die kleinen Schneepflüge sind hauptsächlich für Radwege gedacht, aber auch in schmalen Nebenstraßen unterwegs.

Die Männer vom Winterdienst müssen sich in diesen Tagen am Telefon viele Klagen anhören. "Glauben Sie mir, wir tun unser Möglichstes", beteuert Bichler, "nur eines können wir nicht: den Sommer herbeizaubern."

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