Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Greta (†25) und Umberto (†37) wurden aus Leben gerissen

Todesdrama auf Gardasee: Nach emotionaler Begegnung liegt heute Fokus auf der Tatnacht

Motorboot-Unfall vom Gardasee - Prozess
+
Ein Blick auf das Gericht in Brescia.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
    schließen

Zwei Deutsche rasen in einer Juni-Nacht mit dem Motorboot über den Gardasee - sie sollen ein Holzboot gerammt haben, zwei Italiener - Greta (†25) und Umberto (†37) - sterben. Zum Prozessauftakt erschien nur einer der Münchner. Im Gerichtssaal wird es auch am Donnerstag (16. Dezember) wohl wieder emotional.

Brecia/Gardasee - Im Prozess gegen zwei Münchner Touristen wegen eines tödlichen Motorbootunfalls am norditalienischen Gardasee stehen am Donnerstag (16. Dezember) um 9 Uhr die ersten Zeugenbefragungen an. Nachdem es am ersten Tag im November vor allem um technische Details der Verhandlung gegangen war, wird von nun an die Tatnacht am 19. Juni beleuchtet.

Emotionale Worte am ersten Prozesstag

Beim Prozessauftakt kam es bereits zur emotionalen Begegnung zwischen einem der angeklagten Münchnern und den Hinterbliebenen. Es herrschte angespannte Stille im Gerichtssaal 67 im Palazzo di Giustizia von Brescia als der mutmaßliche Fahrer um Vergebung bat. „Es tut mir von Herzen leid“, sagte der wegen fahrlässiger Tötung angeklagte Mann. „Ein bisschen spät nach vier Monaten ...“, reagierte Gretas Vater auf die Worte.

„Haben Sie kein Gewissen?“, fragte damals jemand der mehr als zwei Dutzend Familienangehörigen und Freunde, die zum Prozessauftakt nach Brescia gekommen waren. Er selbst könne nicht mehr schlafen, erzählte der Deutsche, der in Italien unter Hausarrest steht, vorsichtig.

Wir haben nichts mehr“, klagte Gretas Mutter, die ihre einzige Tochter verlor. „Ich kann mich nur entschuldigen“, so der Münchner, dessen Frau weinend neben ihm saß.

Verwechselten die Münchner das Boot mit ein Stück Treibholz?

Damals, in der Nacht von 19. bis 20. Juni 2021, waren die beiden Deutschen laut Anklage mit ihrem Motorboot - deutlich schneller als erlaubt - über den Gardasee gerast, hatten ein Holzboot gerammt und dabei die zwei jungen Italiener getötet. Vor dem Örtchen Portese kam es zu dem Crash: Auf Videobildern ist ein kleiner, schwacher Punkt zu sehen, das Boot des italienischen Pärchens. Dann nähert sich schnell ein großer, greller Punkt. Beim Aufprall hebt das Motorboot ab. Die Deutschen gaben Medienberichten zufolge bei der Befragung der Polizei an, dass sie von Treibholz ausgegangen seien.

Der Vorfall hatte in Italien unter anderem für Empörung gesorgt, weil die zwei Männer nach dem Crash weiterfuhren und später angaben, den Unfall nicht mitbekommen zu haben. Der Deutsche sei „einfach abgehauen“, sagte Gretas Vater am ersten Verhandlungstag. „Hier geht es um Demut.“

„Wir wollten am ersten Tag kommen, aber wir durften es nicht“, sagte der Angeklagte. Seine Frau erklärte mit Tränen in den Augen, die Anwälte hätten ihnen geraten, keinen Kontakt zu den Hinterbliebenen aufzunehmen.

Greta stürzte ins Wasser, Umberto von Schiffsschraube getötet

Im Zuge der Ermittlungen wurde vermutet, dass zumindest Greta (†25), die in den See fiel, noch hätte gerettet werden können. Doch dem war offenbar nicht so. Denn ein Gerichtsmediziner stellte inzwischen fest, dass beide Opfer schon bei dem Aufprall tödliche Verletzungen davontrugen. Das hat nach Angaben von Nebenklage-Anwalt Rai­mondo del Dosso zur Folge, dass gegen die beiden Deut­schen nicht mehr wegen Fah­rerflucht ermittelt wird. Umberto, der 37-jährige Verlobte von Greta, wurde demnach sofort von der Schiffsschraube getötet. Umberto wurde damals einen Tag nach dem Unfall tot in dem kleinen Boot in der Nähe des Westufers gefunden, Taucher bargen Stunden später auch Greta aus dem Wasser.

Als kurze Zeit später ein europäischer Haftbefehl ausgestellt wurde, stellte sich der mutmaßliche Bootslenker der Polizei in einer Nacht-und-Nebel-Aktion am Brenner.

Angeklagte sollen vor Unfall wild gefeiert haben

Der mutmaßliche Bootslenker steht seither in Italien unter Hausarrest, er war schon beim Prozessauftakt anwesend. Der andere Angeklagte, offenbar der Besitzer des Motorbootes, war nicht persönlich im Gerichtssaal. Dieser hatte einen Tag nach der Tat laut Medienberichten einen Alkoholtest verweigert. Zuvor waren auch Fotos und Videos aufgetaucht, welche die beiden zeigen, wie sie vor dem schrecklichen Zwischenfall Wein und Champagner tranken.

Nach dem Termin in dieser Woche sind noch eine Verhandlung am nächsten Dienstag und dann sieben weitere Prozesstage im neuen Jahr angesetzt. Die Familien der Opfer zogen sich am ersten Tag als Nebenkläger zurück. Sie hatten sich mit der Versicherung der Angeklagten auf eine Entschädigungssumme in unbekannter Höhe geeinigt. Den Angeklagten droht eine Haftstrafe von fünf Jahren wegen fahrlässiger Tötung.

mz

Kommentare