Tote und Verletzte bei schrecklichem Terroranschlag in Wien

Spezialeinheit nimmt Verdächtige in der Schweiz fest: Mögliche Verbindung zu Wien-Anschlag

Polizei-Großeinsatz nach Terror-Anschlag in Wien
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Polizei-Großeinsatz nach Terroranschlag in Wien.
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Wien - Ein fürchterlicher Terroranschlag hat am Montagabend, 2. November, die österreichische Hauptstadt Wien erschüttert. Mehrere Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt. Nach und nach sickern nun weitere Informationen durch. Ein Überblick im News-Ticker:

Das Wichtigste in Kürze:

  • Terroranschlag am Montagabend im Ausgehviertel von Wien
  • Mindestens fünf Todesopfer (darunter ein Täter) und zahlreiche Verletzte
  • Täter offenbar ein Sympathisant der Terrormiliz IS
  • Innenminister Nehammer bestätigt weitere Festnahmen und Durchsuchungen

Update, 6.15 Uhr - Schweiz: Zwei Festgenommene mit möglicher Verbindung zu Wien-Anschlag

Die Polizei in der Schweiz hat am Dienstagnachmittag zwei Männer festgenommen, die möglicherweise mit dem Attentäter von Wien in Verbindung standen. Der 18- und der 24-Jährige aus Winterthur gerieten laut Kantonspolizei Zürich in den Fokus, als die Polizei mögliche Verbindungen der Taten in Wien in die Schweiz prüfte.

Nach Abstimmung mit den österreichischen Behörden nahm eine Spezialeinheit die beiden Männer in Winterthur fest. Inwiefern es eine Verbindung zwischen den Festgenommenen und dem Attentäter gebe, sei Gegenstand der laufenden Abklärungen und Ermittlungen, teilte die Kantonspolizei weiter mit.

Alle Entwicklungen vom Dienstag (3. November) zum Nachlesen:

Update, 22.30 Uhr - Wiener Bürgermeister Ludwig fordert, IS-Rückkehrern die Staatsbürgerschaft abzuerkennen

Laut einem Bericht des Nachrichtenportals oe24 äußerte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) die Forderung in der ORF-Sendung „Wien heute“. Ludwig habe sich dafür ausgesprochen, im Falle einer Doppelstaatbürgerschaft einem Täter, wie dem vom Montagabend, die österreichische Staatsbürgerschaft abzuerkennen.

Offenbar sei es bei dem Attentäter von Wien zu einem solchen Verfahren gekommen. Dieser sei nämlich schon vor seiner Tat am vergangenen Montag als IS-Terrorist verurteilt worden. Jedoch sei es zu keiner Aberkennung der Staatsbürgerschaft gekommen.

Auch der stellvertretende Landeshauptmann Manfred Haimbuchner habe sich klar für eine leichtere Ausbürgerung von islamistischen Gefährdern und Terroristen positioniert. Dem gegenüber steht die oberösterreichische SPÖ-Landesparteivorsitzende Landesrätin Birgit Gerstorfer, welche eine Überprüfung der Folgen einer leichteren Ausbürgerung gefordert haben soll.

Seitens Ludwig stünde die Forderung im Raum, IS-Heimkehrer konsequent abzuschieben. Es gelte laut ihm: „Die sollen sich auf jeden Fall nicht in unserem Land und nicht in unserer Stadt aufhältig betrachten können.“

In Bezug auf die islamische Glaubensgemeinschaft habe Ludwig seine Forderungen jedoch - auch in Hinblick auf deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft - mit klarer Differenzierung unterstrichen: „Von daher werde ich auch verhindern, dass aufgrund von Einzelpersonen eine gesamte Religionsgruppe in Misskredit gebracht wird.“

Update, 21.25 Uhr - Merkel zu Attentat in Wien: „Der islamistische Terror ist unser gemeinsamer Feind“

 Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Österreich nach dem Terroranschlag von Wien die Solidarität Deutschlands bezeugt. „Der islamistische Terror ist unser gemeinsamer Feind. Der Kampf gegen diese Mörder und ihre Anstifter ist unser gemeinsamer Kampf“, erklärte Merkel nach einer Twitter-Mitteilung von Regierungssprecher Steffen Seibert. „Wir Deutsche stehen in Anteilnahme und Solidarität an der Seite unserer österreichischen Freunde.“

Sie sei „in diesen schrecklichen Stunden“ in Gedanken bei den Wienern und den Sicherheitskräften, so Merkel. Ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer, den Verletzten wünsche sie vollständige Genesung. In einem Kondolenztelegramm an Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz schrieb Merkel laut einer Mitteilung: „Dieser feige Anschlag ist auch ein Angriff auf unsere gemeinsamen europäischen Werte, die es nun mit umso größerem Nachdruck zu verteidigen gilt.“

Bundesaußenminister Heiko Maas schrieb auf Twitter: „Wir dürfen nicht dem Hass weichen, der unsere Gesellschaften spalten soll.“ Auch wenn das Ausmaß des Terrors noch nicht absehbar sei, seien die Gedanken bei den Verletzten und Opfern.

Update, 20.15 Uhr - Wiener Attentäter soll in Kontakt mit deutschen Dschihadisten gestanden haben

Wie der „Spiegel” in seiner Online-Ausgabe schreibt, soll der Terrorverdächtige von Wien in Kontakt mit deutschen Dschihadisten gestanden haben. Das gehe zumindest aus einem Urteil des Wiener Landesgerichts aus dem vergangenen April hervor.

Demnach sei der damals 18-Jährige 2018 ins syrisch-türkische Grenzgebiet in die Provinz Hatay gereist, und wollte sich anschließend dem damals auf syrischem Staatsgebiet operierenden IS anschließen.

Von dort aus sei er in ein Haus gebracht worden, wo er zusammen mit zwei Deutschen und einem Belgier auf seine Schleusung nach Syrien gewartet hätte. Allerdings hätten sich die Pläne zerschlagen, da eine Schleusung nach Syrien von Kontaktleuten als zu gefährlich eingeschätzt worden sei. Anschließend wurde der Mann auf türkischem Staatsgebiet verhaftet.

Um wen es sich bei dem Belgier und dem deutschen gehandelt habe, sei nicht bekannt.

Update, 19.04 Uhr - IS reklamiert Anschlag in Wien für sich: „Soldat des Kalifats“

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Anschlag in Wien mit vier Todesopfern und 22 teils schwer Verletzen für sich reklamiert. Ein „Soldat des Kalifats“ habe die Attacke mit Schusswaffen und einem Messer verübt und in der österreichischen Hauptstadt rund 30 Menschen getötet oder verletzt, darunter auch Polizisten, teilte der IS am Dienstag auf seiner Plattform Naschir News mit.

Update, 18.30 Uhr - Kurz über den mutmaßlich alleine agierenden Attentäter: „Noch keine hundertprozentige Gewissheit“

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz gibt nach dem tödlichen Terroranschlag in Wien mit vier Todesopfern noch keine Entwarnung. „Die Lage ist nach wie vor angespannt“, sagte Kurz am Dienstag bei «Bild live». Es gebe die Angst vor Nachahmungstätern.

Zudem wollte er nicht endgültig ausschließen, dass es nicht doch noch einen zweiten flüchtigen Täter geben könnte. „Wir gehen mittlerweile davon aus, dass es nur einen Täter gegeben hat, der sich sehr schnell bewegt hat und an sechs Orten in der Wiener Innenstadt um sich geschossen hat und eben zahlreiche Menschen hier kaltblütig ermordet hat. Aber wir haben noch keine hundertprozentige Gewissheit“, so Kurz.

Update, 17.28 Uhr - Traurige Gewissheit: Auch Deutsche unter den Opfern des Anschlags in Wien

Wie Außenminister Heiko Maas am Dienstag in Berlin mitteilte, wurde nun bestätigt, dass sich unter den verstorbenen Opfern des Anschlags in Wien auch eine Deutsche befindet: „Wir haben jetzt die traurige Gewissheit, dass auch eine deutsche Staatsangehörige unter den Opfern des Angriffs in Wien ist.“

Update, 16.20 Uhr - Attentäter von Wien erwartete sich von IS ein besseres Leben

Der ehemalige Anwalt des jungen Mannes Nikolaus Rast sagte am Dienstag, der junge Mann stamme aus einer völlig normalen Familie. „Für mich war das ein Jugendlicher, der das Pech gehabt hat, an die falschen Freunde zu geraten“, so der Strafverteidiger gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Seit Jahren sympathisierte der 20-Jährige mit der Terrormiliz Islamischer Staat IS und war bereit, für sie in den Kampf zu ziehen. 

Im Vorjahr musste sich der Wiener dann wegen seiner IS-Mitgliedschaft vor Gericht verantworten. Nach Medienberichten hatte sich seine eigene Mutter an die Behörden gewandt. Er wurde damals zu 22 Monaten Haft verurteilt, nahm an einem Deradikalisierungsprogramm teil und wurde wegen günstiger Prognose vorzeitig entlassen. Er habe alle getäuscht, so Rast.

Im April 2019 gab der mutmaßliche Terrorist vor dem Wiener Landgericht an, dass er sich in seinem Leben nie benachteiligt gefühlt hatte. Während der Pubertät begann er sich mit dem Islam zu beschäftigen, wie die Tageszeitung „Der Standard“ berichtete, die den Gerichtsprozess damals verfolgte. Ende 2016 sei er nach eigenen Aussagen in die „falsche Moschee“ geraten. Seine Leistungen in der Schule wurden immer schlechter, Streit mit der Mutter gab es immer öfter. „Ich wollte weg von zu Hause“, erzählt der Mann vor Gericht. Vom IS habe er sich ein besseres Leben erwartet. „Eine eigene Wohnung, eigenes Einkommen.“

Update, 16.05 Uhr - Brückmühler erzählt vom Morgen danach: „Ein beklemmendes Gefühl“

Die Stille danach, die Ungewissheit, die Angst: Wolfgang Singer (31) erlebte nach der islamistischen Mordtat am Montagabend (2.11.2020) im Zentrum Wiens eine Metropole im Ausnahmezustand. „Beklemmend“ erlebte der gebürtige Bruckmühler seine Fahrt in die Innenstadt am Dienstagmorgen nach dem Angriff, der mindestens vier Passanten das Leben kostete. Er hat mit den OVB-Heimatzeitungen über den Tag nach dem Anschlag gesprochen, ovb-online.de hat dazu einen gesonderten Artikel verfasst (PAID-Content)!

Update, 15.03 Uhr - Warum kam der Mann frei?

Mehrfach fragen Journalisten nach, wie es sein könne, dass der Attentäter derart früh wieder freigelassen wurde. Nehammer sagt, es habe eine „Bruchlinie“ zwischen Polizei, Justiz und der Zeit nach seiner Haft gegeben. Hier gelte es nun anzusetzen, und Verbesserungen herbeizuführen.

Die Pressekonferenz ist somit beendet.

Update, 14.59 Uhr - „Fülle an Hinweisen“

Nehammer beantwortet nun Presseanfragen. Bei den Hausdurchsuchungen habe sich eine „Fülle an Hinweisen“ gefunden, so Nehammer. Der Mann habe sich bei der Bewährungshilfe besonders bemüht, er habe das System aber ganz bewusst zerstören wollen.

Man habe auch versucht, dem Mann die österreichische Staatsbürgerschaft abzuerkennen - das diesbezügliche Verfahren habe aber nicht zu einer Aberkennung geführt.

Der Mann habe sich mehrfach zum IS bekannt - „ich diene dem Sultanat“, habe der Terrorist etwa vor der Tat auf einer Social-Media-Plattform geschrieben.

Update, 14.32 Uhr - Pressekonferenz beginnt - Nehammer: Derzeit kein Hinweis auf 2. Terroristen

Nehammer muss gleich zu Beginn der Pressekonferenz die Opferzahl erhöhen. Bei dem Anschlag wurden vier Menschen getötet und 22 Menschen verletzt.

Der Beamte, der bei dem Einsatz schwer verletzt wurde, ist inzwischen außer Lebensgefahr, wie Nehammer berichtet. Die OP war erfolgreich, sein Zustand ist stabil.

Wie der österreichische Innenminister betont, wurde der verletzte Beamte von zwei Österreichern mit Migrationshintergrund in Sicherheit gebracht.

Der Attentäter - es handelt sich um einen 20-jährigen österreichisch-nordmazedonischen Doppelstaatsbürger - konnte von den Beamten der Sondereinheit WEGA nach neun Minuten neutralisiert werden. Er hatte eine Faustfeuerwaffe, eine Machete und eine Faustfeuerwaffe bei sich.

Innenminister nennt Details zum Täter

Der Terrorist war vorbestraft, wie der österreichische Innenminister ausführt. Er habe versucht Anschluss an den Islamischen Staat zu finden, und habe sich deswegen in Haft befunden. Insgesamt sei er zu 22 Monaten Haft verurteilt worden - allerdings sei er vorzeitig entlassen worden.

Nehammer betont auch, dass der Mann an einem Deradikalisierungsprogramm teilgenommen habe. Offenbar sei es dem Mann gelungen, die Justiz zu täuschen - weitere Hinweise über eine Radikalisierung habe es nicht gegeben.

Videos werden ausgewertet, keine Hinweise auf zweiten Täter

Zahlreiche Videos aus dem Tatzeitraum seien bereits ausgewertet worden. Bislang habe es keine Hinweise auf einen zweiten Täter gegeben. Trotzdem gilt in Wien weiterhin die höchste Sicherheitswarnstufe.

Es hat bereits einige Hausdurchsuchungen gegeben, 14 Personen seien festgenommen worden, so Nehammer.

Update, 13.36 Uhr - So erlebten ein Mühldorfer und ein Töginger den Terror

Auch Menschen aus unserer Region haben den Terroranschlag in Wien live vor Ort miterleben müssen - zum Beispiel Christian Schratt aus Mühldorf oder Alfons Nebmaier aus Töging. Schratt, der oft bis spät abends arbeitet, übernachtete beispielsweise in seiner „Notfall-Hängematte“ in seinem Büro. „Mein Heimweg hätte mich genau durch den ersten Bezirk geführt, das wollte ich nicht“, sagte er nun gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Zudem war er sich nicht mal sicher, ob es ein Durchkommen gegeben hätte.

Zur Situation von Schratt und Nebmaier hat ovb-online.de einen gesonderten Artikel verfasst (PAID-Content)!

Update, 12.29 Uhr - Neun Minuten nach erstem Schuss war Kujtim F. tot

Nun sickern immer mehr Details zum Attentäter durch bzw. werden teilweise sogar von offizieller Seite bestätigt. Demnach handelt es sich beim toten Angreifer um den 20-jährigen Kujtim F., der sowohl einen nordmazedonischen als auch einen österreichischen Pass besaß. Der Terrorist wollte in der Vergangenheit nach Syrien ausreisen, um sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) anzuschließen, teilte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) mit. Er sei daran gehindert und am 25. April 2019 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 22 Monaten Haft verurteilt worden. Im Dezember 2019 kam F. vorzeitig auf freien Fuß.

Am Montagabend schoss F. nun nahe der Hauptsynagoge in der Wiener Innenstadt um sich und tötete dabei mindestens vier Menschen. Neun Minuten, nachdem der erste Schuss fiel, wurde der Attentäter schließlich von der Polizei erschossen. „Er war mit einer Sprengstoffgürtel-Attrappe und einer automatischen Langwaffe, einer Faustfeuerwaffe und einer Machete ausgestattet, um diesen widerwärtigen Anschlag auf unschuldige Bürgerinnen und Bürger zu verüben“, so Innenminister Nehammer. Das exakte Motiv des Täters ist weiterhin unklar. Es habe umfangreiche Razzien im Umfeld des Täters gegeben. Dabei seien mehrere Personen festgenommen worden, unter anderem auch in St. Pölten (Niederösterreich).

Update, 11.29 Uhr - Österreich ordnet Staatstrauer an - Weitere Details zu Opfern

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat nun Details zu den Todesopfern der Terrorattacke von Wien bekannt gegeben. Es kamen ein älterer Mann und eine ältere Frau, ein junger Passant und eine Kellnerin ums Leben, wie Kurz am Dienstag in Wien sagte. Ein Polizist, der sich dem Täter entgegengestellt habe, sei niedergeschossen und verletzt worden. Beim fünften Todesopfer handelt es sich um einen der islamistischen Attentäter, der bei den Angriffen von der Polizei niedergeschossen wurde.

Zudem wurden nun auch von offizieller Seite erste Details zur Identität des toten Attentäters bestätigt. Demnach handelt es sich um einen 20-jährigen Mann, der nordmazedonische Wurzeln hatte und zudem einschlägig wegen einer Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorbestraft war.

Der Ministerrat hat außerdem am Vormittag eine dreitägige Staatstrauer zum Gedenken an die Opfer angeordnet. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Opfern, den Verletzten und den Angehörigen in diesen besonders schweren Stunden für die Republik Österreich“, sagte Kurz vor dem Kabinett. Die Staatstrauer gilt bis einschließlich Donnerstag. 

Ansprache von Österreichs Bundeskanzler Kurz (ÖVP):

Update, 10.48 Uhr - Bundesheer übernimmt Objektschutz in Wien

Zudem gab Kurz weitere Maßnahmen bekannt. Der nationale Sicherheitsrat sei einberufen worden, zudem wurde der Objektschutz in Wien inzwischen komplett vom Bundesheer übernommen. Kurz begründete dies damit, dass die Polizei dann all ihre Kräfte für die Ermittlungsarbeit bei der Jagd nach den weiteren Terroristen bündeln könne.

Um 12 Uhr wird es außerdem eine österreichweite Gedenkminute für alle Opfer des Terroranschlages geben. „Wir werden unsere Grundwerte weiterhin bis auf das Äußerste verteidigen“, so Kurz abschließend.

Update, 10.44 Uhr - „Gestrige Nacht wird auf tragische Weise in Geschichte eingehen“

Die gestrige Nacht wird auf tragische Weise in unsere Geschichte eingehen“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) auf einer Pressekonferenz am Vormittag und bestätigte gleichzeitig einen islamistischen Hintergrund des Anschlages. Alle Komplizen und Hintermänner sollen schnellstmöglich ausgeforscht und dann mit aller Härte ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, so der Kanzler weiter.

Insgesamt 17 Personen seien schwer verletzt worden, dabei würden einige - Stand: Dienstagvormittag - noch um ihr Leben ringen, hieß es. Insgesamt fünf Tote, vier Passanten sowie ein Täter, sind bislang bestätigt. Kurz sprach trotz der unfassbar schrecklichen Situation von großer Solidarität, Mut und Zivilcourage unter den Menschen in Wien und in Österreich.

Update, 10.35 Uhr - Bundespolizei verstärkt Grenzkontrollen

Nach dem Terroranschlag in Wien hat die deutsche Bundespolizei die Grenzkontrollen an den Übergängen von Österreich nach Bayern deutlich verstärkt. Dies sei nun ein „taktischer Schwerpunkt“ bei der Fahndung nach möglichen weiteren Tätern oder Komplizen, berichtet der Bayerische Rundfunk. Viele Beamte sind bereits seit der Nacht an Übergängen bei Passau, Wegscheid oder Simbach im Einsatz. Eine Vollkontrolle würde zwar nicht stattfinden, allerdings würden die eingesetzten Beamten mit den Grenzgängern Augenkontakt aufnehmen und dann vereinzelt genauere Kontrollen durchführen.

Auch in unserer Region hat die Bundespolizei die „Maßnahmen intensiviert“, wie Maximilian Wirtz, Sprecher der Bundespolizei Freilassing, auf Anfrage von BGLand24.de bestätigte. Vollkontrollen gäbe es auch hier nicht, allerdings seien die Beamten in ihrem Zuständigkeitsbereich seit der Nacht verstärkt im Einsatz - unter anderem natürlich auch am Grenzübergang am Walserberg. Weitere Orte der Kontrollen wollte der Sprecher konkret nicht nennen.

Update, 9.50 Uhr - Video zeigt schießenden Attentäter in Seitengasse

Inzwischen ist ein weiteres Video auf YouTube aufgetaucht, dass die dramatischen Minuten des Anschlags zeigt. Zunächst ist die U-Bahn-Station am Schwedenplatz zu erkennen. Schüsse und Schreie sind zu hören und Passanten zu sehen, die hinter Mauern oder Fahrradständern Schutz suchen.

Der zweite Teil des Videos wurde aus einer anderen Perspektive, offenbar von einem anderen Anwohner, gefilmt. Es zeigt den mutmaßlichen Attentäter, der - ganz in weiß gekleidet und mit schwarzer Maske - durch eine Gasse streift und dabei mehrmals aus einer Langwaffe feuert.

Update, 9.14 Uhr - Täter offenbar in Wien geboren und mit albanischen Wurzeln

Nach wie vor gibt es keine offiziellen Informationen zum von der Polizei erschossenen Täter. Der Chefredakteur der „Wiener Wochenzeitung“, Florian Klenk, will nun allerdings herausgefunden haben, dass es sich bei dem Angreifer offenbar um einen 20-Jährigen handelt, der bereits auf dem Radar des österreichischen Verfassungsschutzes stand.

Er heißt Kujtim F. (Anm. der Red.: nicht wie zunächst gemeldet Kurtin S.), geboren 2000, wurde 20 Jahre alt und ist in Wien geboren und aufgewachsen und hat albanische Wurzeln. Seine Eltern stammen aus Nordmazedonien und sind in Sachen Islamismus unauffällig“, schrieb Klenk auf Twitter. F. soll zum Kreis von insgesamt rund 90 österreichischen Islamisten gehören, die bereit seien, nach Syrien ausreisen zu wollen. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung soll er seine Taten zuvor in einem (inzwischen gelöschten) Instagram-Post angekündigt haben. Die Zahl der beim Terroranschlag verletzten Personen wurde inzwischen übrigens auf 17 nach oben korrigiert.

Update, 8.52 Uhr - Polizei schaltet Upload-Formular für Fotos und Videos

Bereits über Nacht sind bei der Polizei hunderte Videos und Fotos von Augenzeugen der Terrorattacke eingegangen. Am Morgen waren etwa 20 Prozent davon ausgewertet, sagte Innenminister Nehammer in der Pressekonferenz gegen 6 Uhr.

Das Innenministerium bat unterdessen Bürger, die Videos und Fotos vom Anschlag in der Wiener Innenstadt gemacht haben, diese der Exekutive zur Verfügung zu stellen. Damit könne man der Polizei bei der Ausforschung und Identifizierung der Täter helfen. Die Upload-Plattform sei unter Upload.bmi.gv.at erreichbar, hieß es. Zudem gab es den eindringlichen Appell, Videos von der Tat nicht über die sozialen Netzwerke zu verbreiten.

Update, 8.29 Uhr - Zahl der Todesopfer steigt auf fünf - Offenbar zweiter Täter

Die Zahl der Todesopfer bei der Terrorattacke in Wien ist auf fünf gestiegen. Es handele sich um zwei Männer und zwei Frauen, bestätigte der österreichische Innenminister Karl Nehammer der Nachrichtenagentur APA am Dienstagmorgen. Der fünfte Tote ist einer der Täter, der von Polizeikräften erschossen worden war.

Zudem scheint nun klar, dass es offenbar mindestens noch einen zweiten Täter gegeben hat. Innenminister Karl Nehammer sagte im TV-Interview bei oe24.at: „Wir gehen im Moment noch von einem weiteren Täter aus.“ Inzwischen habe es außerdem weitere Hausdurchsuchungen und auch Festnahmen gegeben, hieß es. Aus ermittlungstaktischen Gründen will die Regierung vorerst keine weiteren Informationen zur Identität des getöteten Attentäters bekannt geben.

Update, 8.07 Uhr - Zeuge: „Der Täter hat mich ins Visier genommen...“

Im Internet kursieren inzwischen zahlreiche Videos, die die dramatischen Szenen in der Wiener Innenstadt zeigen. Schüsse und verzweifelte Schreie sind zu hören. Ein junger Mann schilderte dem Österreichischen Rundfunk (ORF), dass er einem der Attentäter direkt gegenübergestanden habe: „Ich war die einzige Person dort. Er hat mich ins Visier genommen!“ Als der Täter auf ihn schießen wollte, habe er hinter einer Steinmauer Deckung gesucht. Er hörte anschließend noch Schüsse, konnte aber fliehen.

Auch ein anderer Passant berichtete von Schüssen und schilderte dramatische Szenen: „Ich saß direkt in der ersten Fensterreihe und habe gesehen, wie Polizisten mit gezogener Handfeuerwaffe vorbei gelaufen sind.“ Unmittelbar danach seien die ersten Blaulichtfahrzeuge auf dem Schwedenplatz eingetroffen und Polizisten mit Sturmgewehren seien ausgeschwärmt. Laut Wiens Bürgermeister Michael Ludwig schoss(en) der oder die Täter „wahllos“ auf Gäste in Lokalen. In Panik suchten zahllose Passanten Schutz in anliegenden Gebäuden.

Update, 7.39 Uhr - Keine Schulpflicht am Dienstag in Wien

Die Schulpflicht in der Landeshauptstadt Wien wurde für Dienstag, 3. November, aufgehoben. Alle Schüler dürften aufgrund der aktuellen Situation an diesem Tag zuhause bleiben, wie die Stadt Wien in der Nacht via Twitter mitteilte. Für all diejenigen, denen ein Fernbleiben nicht möglich ist, seien die Schulen jedoch selbstverständlich geöffnet, hieß es.

Update, 7.11 Uhr - Auch ein Polizist unter Schwerverletzten

Inzwischen sickern erste weitere Informationen zu den Opfern durch. Am Montagabend hatte es zunächst geheißen, dass die Rettungskräfte noch dabei seien, sich einen Überblick zu verschaffen. Nach Angaben des Chefs der Wiener Hospitäler, Dr. Michael Binder, gäbe es inzwischen 15 Verletzte, hieß es am frühen Morgen. Sieben Personen davon seien schwer verletzt worden, jeweils durch Schussverletzungen. Die letzte Krankenhauseinlieferung sei am Montagabend gegen 22.10 Uhr erfolgt.

Die Landespolizeidirektion Wien hat inzwischen bestätigt, dass es sich bei mindestens einem der Verletzten um einen „Exekutivbediensteten“, also einen Polizisten, handelt. Bei welcher Einheit der Beamte tätig war, ist bislang nicht bekannt. Zudem sind inzwischen vier Todesopfer bestätigt, darunter auch der Täter, der „von einschreitenden Polizeikräften erschossen“ worden sei, hieß es.

Täter offenbar ein Sympathisant der Terrormiliz IS

Am frühen Morgen hat Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) in einer weiteren Pressekonferenz die Öffentlichkeit informiert. Demnach geht die Terrorattacke von Wien nach den Worten von Nehammer auf das Konto mindestens eines islamistischen Terroristen. Der Attentäter sei ein Sympathisant der Terrormiliz IS gewesen, sagte Nehammer auf einer Pressekonferenz in den frühen Morgenstunden. Der Mann sei mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und habe außerdem als Attrappe einen Sprengstoffgürtel getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen.

Die Wohnung des Verdächtigen sei auf der Suche nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. 1000 Beamte seien in Wien im Einsatz. „Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt“, sagte Nehammer. Die entsprechenden Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Dazu müssten neben Zeugenbefragungen auch hunderte Videos und Fotos ausgewertet werden, hieß es weiter. Weitere Details zu Alter, Herkunft und Wohnort des Täters wurden bislang nicht bekannt gegeben.

Bei dem Terrorangriff in der Wiener Innenstadt wurden drei Passanten getötet. Es soll sich um zwei männliche und eine weibliche Person handeln. Auch hier liegen derzeit noch keine weiteren Informationen zu den Identitäten der Opfer vor. Das vierte Todesopfer ist der Täter, der von der Polizei erschossen wurde. Insgesamt 15 Menschen wurden bei der Attacke nahe einer Synagoge in der Nähe des Schwedenplatzes zum Teil schwer verletzt.

Aufgrund der weiteren polizeilichen Ermittlungen wurden die Bürger aufgerufen, die Innenstadt zu meiden und zuhause zu bleiben.  Zudem wurden alle Schüler in Wien am Dienstag vom Unterricht frei gestellt. „Wer einen von uns angreift, greift uns alle an“, sagte Nehammer. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte den Angriff als „widerwärtigen Terroranschlag“.

mw/dpa

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