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Inzidenz im Vergleich zum Vorjahr explodiert

Corona-Pandemie ist vorbei! Bundesregierung ist anderer Meinung

Thomas Mertens
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Stiko-Chef Thomas Mertens: Aufgabe werde es bleiben, diejenigen zu schützen, die ein Risiko hätten zu erkranken, durch Impfen oder auch das Tragen von Masken.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Die Corona-Pandemie ist vorbei. So zumindest die Einschätzung von Thomas Mertens. Der Präsident der Ständigen Impfkommission (Stiko) hält Corona inzwischen für eine endemische Virusinfektion. Die WHO und die Bundesregierung hingegen sprechen weiterhin von einer Pandemie. Die offiziellen Corona-Zahlen zeigen ein zweigeteiltes Bild.

Deutschland - Ein Großteil der Bevölkerung habe entweder die Infektion durchgemacht, sei geimpft oder beides, sagte Mertens im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. „Dann ist natürlich die Frage, sind wir noch in einem pandemischen Zustand, ja oder nein?“ Die Frage sei vielleicht mehr von psychologischer als von wissenschaftlicher Bedeutung. „Aber natürlich könnte man auch sagen, es handelt sich mittlerweile um eine endemische Virusinfektion und die wird uns erhalten bleiben über die Generationen“, fügte er hinzu. Aufgabe werde es bleiben, diejenigen zu schützen, die ein Risiko hätten zu erkranken, durch Impfen oder auch das Tragen von Masken.

WHO und Bundesregierung sprechen weiter von Pandemie

Brisant: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (59, SPD) sprechen weiterhin von einer Corona-Pandemie, haben diese nicht für beendet erklärt. Auch für die Bundesregierung hat sich an der Bewertung der Lage nichts geändert. „Der Corona-Ausbruch wurde 2020 von der WHO zur Pandemie ausgerufen und ausschließlich die WHO kann dies auch wieder revidieren“, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums am Freitag in Berlin. Die Weltgesundheitsorganisation habe erst kürzlich noch einmal bekräftigt, dass man sich weiterhin in einer pandemischen Lage befinde.

Pandemie und Endemie

Pandemie bezeichnet eine neu, aber zeitlich begrenzt in Erscheinung tretende, weltweite starke Ausbreitung einer Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen und in der Regel auch mit schweren Krankheitsverläufen.

Als endemisch gilt eine Krankheit, wenn sie in einer Region - also auch örtlich begrenzt - mit relativ konstanter Erkrankungszahl dauerhaft auftritt, wie etwa die Grippe.

Mertens erklärte, eine Pandemie sei dadurch definiert, dass ein weltweit unbekannter Erreger, mit dem die Menschen keine immunologische Erfahrung hätten, in die Population einbreche. Diese Situation sieht Mertens nicht mehr gegeben, wie er in dem Interview mit dem BR deutlich machte. „Zu der Definition der Pandemie gehört nicht die Erkrankungsschwere“, bekräftigte er.

Mertens plädierte hinsichtlich des kommenden Winters für eine flächendeckende Impfung von Risikopatienten. Auffrischungen bräuchten lediglich besonders Gefährdete. Diese müssten auch künftig in gewissen Abständen – „vielleicht jährlich“ – geimpft werden, „möglicherweise mit angepassten Impfstoffen“. Zudem wünscht sich der Virologe, dass Menschen auch ohne eine Verpflichtung in Risikosituationen, etwa in vollen Innenräumen, Maske trügen.

Corona wie eine Grippe?

Viele Experten hatten bereits in den vergangenen Wochen erklärt, dass „endemisch“ zunächst nicht bedeute, dass wir Sars-CoV-2 demnächst ignorieren können oder SARS-CoV-2 harmlos wird. Ähnlich wie bei der Grippe könne es höchstwahrscheinlich weiterhin regionale oder überregionale Ausbrüche und saisonale Erkrankungswellen (vor allem im Herbst und Winter) geben, die auch mit schweren Verläufen und Todesfällen einhergehen.

Vor allem in der älteren Bevölkerung und bei Menschen mit bestimmten Grund- und Vorerkrankungen ist weiterhin mit schweren Krankheitsverläufen zu rechnen.

Sorgenfalten bei Kliniken

Während der Stiko-Chef die Pandemie also für beendet erklärt, machen sich viele Klinik-Mitarbeiter und Corona-Experten mit Blick auf die Lage in den Kliniken Sorgen. Der Münchner Corona-Experte Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing sagte vergangene Woche mit Blick in die Zukunft gegenüber der Augsburger Allgemeinen: „Ich fürchte, wir müssen davon ausgehen, dass dies wieder ein harter Herbst wird“. „Vielleicht ein noch härterer als der vorherige.“ Die Omikron-Varianten des Virus seien „nicht so harmlos, wie es immer wieder dargestellt wird“. Etwa die Hälfte der Covid-19-Patienten in seiner Klinik sei „ausschließlich wegen Corona zu uns gekommen und diese Patientinnen und Patienten haben ganz massive Probleme, etwa mit ihrer Lunge oder sie leiden an Herzmuskelentzündungen“.

Inzidenz über drei Mal so hoch als vor einem Jahr

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Freitagmorgen mit 464,1 angegeben. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5 Uhr wiedergeben. Am Vortag hatte der Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 493,4 gelegen (Vorwoche: 644,5; Vormonat: 379,6). Allerdings liefern diese Angaben nur ein sehr unvollständiges Bild der Infektionszahlen. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen. Zum Vergleich: Genau vor einem Jahr gab das RKI die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz mit 130,2 an.

ABER: Im Vergleich zur Vorwoche sind die Belegungszahlen von Corona-positiv getesteten Patientinnen und Patienten auf Normalstation um 11,5 Prozent gesunken. Auf den Intensivstationen ist ein Rückgang von 7,6 Prozent im Vergleich zur Vorwoche zu verzeichnen, schreibt die Deutsche Krankenhausgesellschaft am Freitag. Der Anteil der mit Covid-Patienten belegten Intensivbetten an Gesamtzahl der betreibaren ITS Betten wird unter Berücksichtigung der Zahlen des RKI mit 8,1 Prozent angegeben.

Auch die Bettenbelegung (Intensivbetten) durch bestätigte COVID-19-Fälle in Bayern (259) ist Angaben des LGL zufolge lange nicht auf dem Niveau wie z.B. noch zu Jahresbeginn (über 600). Die 7-Tage-Hospitalisierungs-Inzidenz liegt aktuell bei 12,01. Vor sieben Tage wurde diese noch mit 16,02 angegeben. Zur Erinnerung: Im vergangenen Winter konnten bei Überschreitung des Schwellenwerts größer als 9 von den Ländern Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen oder Schließungen verhängt bzw. angeordnet werden.

mz

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