Stephanskirchen von Ballfieber befallen

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- Stephanskirchen (je) - Alle Jahre wieder das gleiche Phänomen - mit Beginn der Ballsaison werden auch die Menschen in Stephanskirchen vom "Ballfieber", einem gefährlich ansteckenden Virus, befallen.

Traditionell gehört der vom Männergesangverein Schloßberg veranstaltete "Sängerball" oder "Schwarz-Weiß-Ball" im großen Antretter-Saal zu den gesellschaftlichen Ereignissen in der Nachbargemeinde von Rosenheim, bei dem man einfach dabei sein muss.

Markenzeichen des Sängerballs ist der festliche Einmarsch der in Frack und Zylinder gekleideten Sangesbrüder, mit dem der Ball eröffnet wird. Markenzeichen sollen sich per Definition kaum ändern. Mithin sind es auch nur marginale Dinge, die sich als Neuheiten bei den Sangesbrüdern einschleichen dürfen, nämlich die Farbe der als Accessoires verwendeten Einstecktücher, die heuer durch einen leuchtenden Gelbton auffielen. Eine weitere, allerdings bedeutsamere Änderung konnten die Ballbesucher bemerken, nämlich dass mit Felix Spreng ein neuer Dirigent die Sangesfreunde beziehungsweise die Herren in Frack und Zylinder anführte.

Mit dem Eröffnungswalzer "Charmaine", gemeinsam vom Männergesangverein und vom Salon- und Tanzorchester Stephanskirchen unter der Leitung von Helmi Maier intoniert, hieß es alsbald: "… alle Gäste zum Tanz!" Die Ballbesucher ließen sich nicht lang bitten, und ein Hauch von Haute Couture war im Saal zu verspüren, als die Damen im eleganten Ballkleid und die Herren im Smoking oder im Abendanzug im Dreivierteltakt über das Parkett schwebten.

Kampf der Zwergerl gegen die Erbsen

Plötzlich Licht aus, Strahler an! Farbenfroh gekleidete Zwergerl von der Ballettschule Bartosch bemächtigten sich der Tanzfläche und kämpften gegen die Erbsen der Schneidersfrau an: "…ach wie war's doch so schön zu Köln am Rhein…" Riesiger Applaus belohnte die Kleinen.

Ein weiteres Wahrzeichen und Schmankerl des Sängerballs ist Bernhard Holzners Büttenrede. In der ihm eigenen trockenen Art plauderte "Putzfrau" Holzner aus der Schule und glossierte so manche Dinge und Vorkommnisse in und außerhalb der Gemeinde. Etwas ängstlich schaute sich die Putzfrau im Saal um, musste sie doch befürchten, "als kriminelles Wesen" demnächst von Eichels Finanzbeamten "abkassiert" zu werden, damit dieser seinen maroden Haushalt sanieren und in Brüssel vermelden kann, die Konvergenzkriterien seien eingehalten worden.

Ein Lob fand auch die gemeindliche "Arbeitsplatzbeschaffungspolitik". Der Steinbogen auf dem Schloßberger Rathausplatz habe sich regelrecht als Besuchermagnet erwiesen und fördere den Fremdenverkehr beträchtlich. Holzner schlug deshalb vor, zwei Euro Besichtigungsgebühr zu erheben und fünf Euro für einen gebückten Gang durch den Bogen zu verlangen. Damit alles mit rechten Dingen zugehe, sollten Fremdenführer, Kassierer und eventuell auch Ticketverkäufer eingestellt werden.

Rosenheimer kamen mit Buschtrommeln

Buschtrommeln kündigten alsbald Exotisches an. Die Rosenheimer Faschingsgilde samt komplettem Hofstaat, gerade von ihrer Reise aus dem afrikanischen Busch zurückgekehrt, begehrte Einlass. Nach dem offiziellen Tanz des Prinzenpaars, der den Hoheiten Petra I. und Thomas II. stehende Ovationen bescherte, verwandelten sich die gezähmt aussehenden Mädel der Rosenheimer Gilde in reißende und wilde Leopardinnen und Löwinnen. Trotz ihrer bedrohlichen Gesten und Gebärden erzwang das Publikum mehrere Zugaben von den "weiblichen Bestien", die im Leoparden- und Gazellentanz des Prinzenpaars ihren Höhepunkt und Abschluss fanden.

Und auch die Ordensverleihung durch den Hofmarschall durfte im Programm nicht fehlen. So wurden Gottfried Thalmaier, der "Präses" vom Männergesangverein, Jürgen Engelhardt als "rasender Reporter vom Schloßberg", Altdirigent Baldi Liedl ob seiner Arbeit mit dem Salon- und Tanzorchester Stephanskirchen sowie Bürgermeister Rudolf Zehentner für sein stets "offenes" Ohr für die Belange der Vereine und der langjährige Organisator und Moderator des auch in Rosenheim geschätzten Sängerballs, Manfred Panhans, mit dem Orden der Faschingsgilde Rosenheim bedacht und durften huldvoll den Dank des Hofstaats und ihrer Hoheiten entgegennehmen. Auch ein Küsschen in Ehren gehörte dazu. Damit hatte der Sängerball seinen Höhepunkt erreicht, aber für Tanzfreudige war damit noch kein Ende. Helmi und seine Rheumatiker meinten: "Tanze mit mir in den Morgen…" und viele Ballgäste nahmen Helmi beim Wort.

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