SPD-Kanzlerkandidat Scholz: Partei steht hinter ihm – zuletzt 2016 zu Besuch in der Region

Olaf Scholz war in der SPD zeitweise bereits abgeschrieben. Jetzt wird er Kanzlerkandidat. Die Partei in Rosenheim stellt sich hinter ihn. Vor fast genau 4 Jahren war Scholz letztmals zu Besuch in der Region.

Berlin/Mühldorf (dpa/re) - Die SPD will Vizekanzler Olaf Scholz zu ihrem Kanzlerkandidaten küren. «Olaf hat den Kanzler-Wumms», schrieben die Parteichefs Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans am Montag auf Twitter.

Scholz selbst erklärte, er freue sich auf einen «tollen, fairen und erfolgreichen Wahlkampf in einem starken Team». Präsidium und Vorstand hätten ihn einstimmig nominiert. Die Personalie war lange vermutet worden – war in der Partei aber zugleich extrem umstritten.

Der Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion, Abuzar Erdogan, stellte sich umgehend hinter Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten. Er meldete sich auf Facebook zu Wort.

Esken und Walter-Borjans galten lange als Gegner von Scholz, setzten sich im vergangenen Jahr bei der Wahl des Parteivorsitzenden auch gegen ihn durch. Seitdem habe es einen «engen Schulterschluss» und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Parteispitze, Fraktionsführung und den sozialdemokratischen Ministern gegeben, erklärten die Parteichefs.

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Scholz ist bei der Bevölkerung Umfragen zufolge der beliebteste SPD-Politiker und hatte sich in der Corona-Krise mit beherztem Handeln und dem Schnüren milliardenschwerer Hilfspakete profiliert. In der SPD selbst ist er allerdings umstritten – vor allem beim linken Flügel.

Scholz letzter Besuch in der Region datiert auf den August 2016. Fast auf den Tag genau vor 4 Jahren war Olaf Scholz zu Gast im Haberkasten in Mühldorf – damals noch in seiner Rolle als stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender.

Sein Thema damals: Europa nach dem Brexit – was nun? Dass der Brexit noch sehr lange auf sich warten lassen würde, konnte damals noch niemand ahnen. Aber Olaf Scholz gab sich als überzeugter Europäer und Verfechter der Europäischen Union. Den Briten hatte er damals vorgeworfen, mit der europäischen Idee „Lotterie gespielt" zu haben.

Olaf Scholz im August 2016 im Haberkasten in Mühldorf.

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Scholz – heute Bundesfinanzminister – sagte beim Auftritt in Mühldorf vor 4 Jahren auch, man dürfe es in Europa mit dem Schuldenmachen "nicht übertreiben". Dieser Linie scheint er in der Coronakrise treu zu bleiben. Wenigstens ein bisschen. Denn bei den EU-Coronahilfen schlug er im Juni in einem Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland einen deutlich geringeren Finanzrahmen vor, als es die Pläne der EU-Kommission vorsahen.

In den anderen Parteien löste die Nominierung von Olaf Scholz zum SPD-Kanzlerkandidaten vor allem Kritik aus.

Während sich die einen den Zeitpunkt ein Jahr vor der Bundestagswahl und mitten in er Coronakrise für falsch halten, kritisieren andere einen vermeintlichen Schlingerkurs bei der SPD, die erst 2 Parteilinke in den Vorsitz wähle und dann einen mitteorientierten Scholz zum Kanzlerkandidaten mache.

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