Simple, aber feine Gartenküche

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Was der Garten hergibt, landet in der Pfanne. Die Münchnerin Claudia Neumeier (47) nennt dieses Essen mein „Schnippelgericht“. Genau das Richtige für einen Tag im Schrebergarten.

mein Küchengeheimnis

Von Stephanie Ebner

Ein Garten, der Kraft spendet. Der Lebensfreude schenkt. Das ist die Gartenparzelle Nummer 17. In diesem Schrebergarten haben alle Lebewesen eine Daseinsberechtigung: Auf der Wildblumenwiese summen Bienen und Hummeln, Vögel nisten in einem Kasten unter der Obstbaumkrone, im Gartenteich schwimmen ein paar Goldfische. Selbst die Schnecken werden hier nicht verjagt. Das ist die Welt von Garfikdesignerin Claudia Neumeier.

Der Garten ist ihr Ein und Alles, ihre Auszeit, ihr Lebenselixier. Hier hat sich die heute 47-Jährige von den Brustkrebs-Behandlungen erholt: „Diese 266 Quadratmeter sind das pure Glück für mich.“

Claudia Neumeier hat schon als kleines Mädchen von einem eigenen Garten geträumt. Sie ist mit ihrer Schwester in einem Hochhaus in der Münchner Fasanerie aufgewachsen, doch die Eltern wollten damals keinen Garten. Ihr Glück war, dass die Großmutter in der alten Eisenbahnersiedlung an der Alten Heide hinterm Haus eine Gartenparzelle hatte. „Da waren wir als Kinder oft, wann immer es ging.“

Heute trifft sich die ganze Familie beim „Minthäuschen“, wie alle das Gartenhäuschen liebevoll nennen. Als Claudia Neumeier mit ihrem Mann Klaus vor fünf Jahren den Zuschlag für den Schrebergarten im Münchner Norden bekam, zog Farbe in der Parzelle ein. „Wir strichen das Häuschen in Mint und Weiß, meine Lieblingsfarben.“ Im Inneren schufen die beiden ein Idyll – auf gerade mal zehn Quadratmetern. Ein Hauch von Bullerbü mitten in Schwabing.

Alles ist funktionell, aber sehr wohnlich. Man sieht, dass sich hier eine Grafikdesignerin einen Rückzugsort vom Alltag geschaffen hat. „Im Sommer, wenn es in der Stadt recht heiß ist, lieben wir es, hier zu schlafen.“

Manchmal sieht man sie auch mit dem Laptop am Tisch sitzen. Dann schreibt sie an ihren beiden Bloggs „Schwesternwerk“ und „ClaudialiebtKunst“.

Auf einer ganz einfachen Camper-Küche mit Gas wird gekocht, Strom gibt es in dem Häuschen nicht. „Schnippelessen“ nennt Claudia Neumeier ihr Gericht. Was der Garten hergibt, landet in der Pfanne. Manchmal mischt sie noch etwas Tofu unter, fertig ist das Essen. Fleisch isst die 47-Jährige nur ganz selten. Ihre Gartenküche ist schnörkellos, aber gut.

Claudia Neumeier und ihre Schwester sitzen am mintgrünen Tisch (selbst gebaut!) und würfeln Gemüse klein. „Du könntest dir ruhig mal ein zweites gutes Messer zulegen“, sagt die Schwester. Die beiden treffen sich hier häufig in der Mittagspause. So wie auch heute. Claudia Neumeier ist direkt nach einem Meeting hergeeilt. Sie hat noch Buisiness-Klamotten an. Auf der weißen Bluse ist ein Erdfleck sichtbar – „so ist das halt, wenn man direkt nach der Arbeit zum Schrebergarten radelt“.

Der Tisch unterm Apfelbaum ist bereits gedeckt: Gläser, Teller, Besteck und eine Vase mit blühender Pfefferminze. Ein paar Blümchen gehören für die Grafikdesignerin mit dazu. Ihr Schnippelgemüse dekoriert sie mit essbaren Blüten aus dem Garten. „So sieht es einfach schöner aus.“

Ihr Schnippelessen unterm Obstbaum ist eine entspannte Auszeit vom Alltag, bei der sich die Hobbygärtnerin umschaut, was es als Nächstes zu ernten gibt. „Die Heidelbeeren sind schon reif“, freut sich die 47-Jährige. Auf die Birnen, die heuer zum ersten Mal tragen, muss sie noch etwas warten. Dann wird sie sich ans Marmeladekochen machen.

Leere Marmeladengläser stehen in einem Korb dafür schon bereit.

Zurück zur Übersicht: Welt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare