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Programm über halbe Milliarde Euro geplant

Infektionsschutz und Impfturbo: So soll es in Bayerns Schulen weitergehen

Teenager sitzt alleine lustlos bei den Hausaufgaben
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Beim Lernen zu Hause verlieren viele Kinder in Deutschland den Anschluss an den Stoff in der Schule.
  • Dirk Walter
    VonDirk Walter
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  • Lars Becker
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Bayern will eine halbe Milliarde Euro in den Infektionsschutz der Schulen investieren. Was sonst in Sachen Impfen und Co für jetzt und das nächste Schuljahr geplant ist, erfahren Sie hier.

München - Das bayerische Kabinett will laut Staatskanzleichef Florian Herrmann „große Anstrengungen unternehmen“, damit das kommende Schuljahr „infektionsgerecht“ ablaufen kann. Dafür wird ein Programm mit einem Volumen von einer halben Milliarde Euro aufgelegt, wie am Dienstag nach der Kabinettssitzung erklärt wurde.

99 Prozent wieder in der Schule - ohne Maske am Platz

Derzeit befinden sich im Freistaat unter gewissen Auflagen wieder mehr als 99 Prozent der bayerischen Schüler im Präsenzunterricht, wie Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) betonte. Als wichtigen Schritt bezeichnete der Minister die Tatsache, dass die Schüler die Maske am Platz inzwischen wieder zur Seite legen dürfen.

Durchgängig Präsenzunterricht im nächsten Schuljahr das Ziel - weiterhin Tests

„Das Ziel ist es, dass wir ab Herbst durchgängig Präsenzunterricht anbieten können“, wagte Piazolo einen Ausblick auf das kommende Schuljahr. Dafür solle ein „hohes Sicherheitsnetz“ geknüpft werden, bestehend unter anderem aus AHA-Regeln, Lüften und der Weiterführung des Tests- und Maskenkonzeptes.

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„Es ist geplant, auch im nächsten Schuljahr mit den Tests fortzufahren“, so Piazolo. An den Grund- und Förderschulen sollen bei niedrigen Inzidenzen jedoch ein sogenanntes „Pool Testing“ erlaubt werden. Zudem sollen mobile Luftreinigungsgeräte angeschafft werden. 15.000 davon seien bereits vorhanden, nun sollen weitere angeschafft werden. 50 Prozent der Kosten davon übernimmt der Freistaat. Piazolo sprach von einer Größenordnung von 200 Millionen Euro und nannte als grobe Zahlen 50.000 Geräte für Klassenzimmer und etwa 60.000 Geräte für Kitas.

Impfturbo bei Schülern zündet noch nicht

In Sachen Impfungen für Schüler hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) noch einst den Startzeitpunkt Juni genannt. „Wir wollen die Abschlussklassen impfen, insbesondere Abiturienten und berufliche Abschlussklassen“, sagte er im April in einer Pressekonferenz.

Von den Impfkolonnen an den Schulen ist jedoch noch nichts zu sehen. Am 30. Juni ging als Erstes ein Schreiben des Kultusministeriums an die Schulleiter weiterführender Schulen heraus. Das dreiseitige Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, trägt eine verheißungsvolle Überschrift: „Impfangebot für volljährige Schülerinnen und Schüler der aktuellen Abschluss- und Vorabschlussklassen“.

Impfstart am 7. Juli in Schulen?

Bayern möchte wieder mal einen Impfturbo zünden – diesmal bei den Schülern. Es soll nun im Juli endlich losgehen. Sogar ein konkreter Termin wird in dem Schreiben genannt: „Ein Start der Reihenimpfungen ist ab dem 7. Juli 2021 vorgesehen.“ Also morgen – doch so weit ist noch keine Schule in Bayern.

Biontech oder Moderna stehen zur Auswahl, schreibt das Haus von Kultusminister Michael Piazolo (FW). „Auch eine Impfung an der Schule durch mobile Impfteams“ sei denkbar. Doch das Angebot hat eine Einschränkung: Es werden nur diejenigen aufgefordert, die zum Stichtag 30. Juni 18 Jahre alt sind.

Mindestalter 18

Vor einer Einladung an 12- bis 17-jährige Schüler scheut das Ministerium zurück, weil die Ständige Impfkommission (Stiko) Biontech für diese Altersgruppe „nicht allgemein empfohlen“ hat, wie das Ministerium im Begleitschreiben erläutert.

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Das Zögern der Stiko hat in der Politik eine Kontroverse ausgelöst. Ministerpräsident Markus Söder forderte die Stiko auf, die Impf-Empfehlung schnell auf die 12- bis 17-Jährigen auszudehnen. Der parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler im Landtag, Fabian Mehring, kritisierte das: Fordern könne man von der Stiko nichts – wo komme man dahin, wenn die Politik der Wissenschaft Vorschriften mache?

Warten auf neue Stiko-Empfehlung

Kultusminister Michael Piazolo indes unterstützt die Forderung Söders, er drängelt: „Bei den über 12-Jährigen sollte die Stiko dringend überlegen, wann sie zu einer Empfehlung kommt. Die Schülerinnen und Schüler warten schon lange“, schrieb er am Wochenende auf Twitter. Vorgreifen möchte er der Entscheidung jedoch nicht – daher gibt es das Impfangebot nur für Schüler ab 18.Bayern hat 1,6 Millionen Schüler.

Doch der Kreis der potenziellen Impfkandidaten ist nun auf etwa 275 000 Personen begrenzt. 116 500 sind Schüler in sogenannten Vorabschlussklassen, also Schüler, die erst im nächsten Schuljahr ihren Abschluss machen werden. Naturgemäß sind die überaus meisten (93 200) in den Berufsschulen.

„Mehrheit würde Impfangebot wahrnehmen“

Aber auch 6200 Gymnasiasten der 11. Jahrgangsstufe sind in Bayern schon 18 oder älter. Sie können in der Schule angesprochen werden, können ihre Einverständniserklärung zur Übermittlung von Daten an die Impfzentren gleich vor Ort ausfüllen und abgeben.Schwieriger zu erreichen sind die 18-jährigen Schüler der Abschlussklassen, insgesamt 158 700 Personen.

Landesschülersprecher Tobias Fritz, 23, ist einer davon. Er hat gerade die FOS/BOS in der Fachrichtung Wirtschaft absolviert. Er ist noch nicht geimpft, hat sich aber selber bereits einen Termin organisiert – dass das auch über die Schule gegangen wäre, wusste er nicht. Eine ausgeprägte Impfskepsis unter seinen Mitschülern sehe er nicht, sagt der Schüler aus Bad Neustadt an der Saale. „Ich glaube, die Mehrheit würde ein Impfangebot wahrnehmen.“

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Das Ministerium ist spät dran. Die meisten Abschlussschüler haben ihre Prüfungen beendet und kommen gar nicht mehr in die Schule. „Wir schreiben sie über MS Teams an und hoffen auf Rücklauf“, sagt Monika Pfahler, Leiterin der FOS/BOS Fürstenfeldbruck. An ihrer Schule gibt es 800 volljährige Schüler. „Wenn sich 400 melden, ist es viel“, sagt Pfahler.

Rosenheim: Bis Ende der Woche Zeit für Impf-Erklärung

An der FOS/BOS Rosenheim sind 740 der gut 1000 Schüler 18 Jahre oder älter. Aber 600 sind nach Beendigung der Abschlussprüfung am 15. Juni nicht mehr dauerhaft an der Schule – sondern nur sporadisch, wenn beispielsweise eine Nachprüfung ansteht. Bis Ende der Woche haben sie Zeit, die Impf-Erklärung abzugeben, wie der stellvertretende Schulleiter Stefan Schellenberger sagt.

Das Impfzentrum vereinbart dann einen Termin mit dem impfwilligen Schüler.Vom Einsatz mobiler Impfteams an den Schulen, wie vom Kultusministerium vorgeschlagen, hält der Schulleiter nichts. „Wir wollen das nicht an der Schule stattfinden lassen“, sagt Schellenberger. „Wir hätten gar nicht die hygienischen Voraussetzungen wie in einem Impfzentrum.“

Eher matte Nachfrage nach Corona-Impfungen

Ähnlich klingt es bei Fritz Hampel, Leiter der Berufsschule in Bad Tölz: Knapp 1000 seiner 1500 Schüler sind 18 oder älter. „Wir sammeln gerade die Anmeldungen ein“, sagt Hampel. Die Notwendigkeit einer Impfaktion an der Schule sieht er nicht. „Die Impfzentren haben doch freie Kapazitäten.“

So handhabt es auch München: Die Stadt kündigte drei Impftermine für Schüler an, der erste kommenden Montag im Impfzentrum Riem. Sie hoffe „auf rege Beteiligung der Schülerinnen und Schüler“, erklärt Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD).Der Tölzer Schulleiter Hampel rechnet nicht mit einem überwältigenden Rücklauf seitens seiner Schülerschaft. „Der Drang zum Impfen ist wohl eher etwas matt, wie jetzt allgemein in der Gesellschaft.“

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