Schritt für Schritt zum knackigen Po

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Am Tag danach zwickt es vor allem im Gesäß. Außerdem ein bisschen an den Oberschenkelinnenseiten. Irgendwo zwischen leichtem Muskelkater und wohligem Ziehen ist das Gefühl einzuordnen – das Resultat eines Langlauf-Trainings mit dem dreimaligen Biathlon-Olympiasieger Michael Greis.

Freizeit aktiv: Ski-Langlauf

Am Tag danach zwickt es vor allem im Gesäß. Außerdem ein bisschen an den Oberschenkelinnenseiten. Irgendwo zwischen leichtem Muskelkater und wohligem Ziehen ist das Gefühl einzuordnen – das Resultat eines Langlauf-Trainings mit dem dreimaligen Biathlon-Olympiasieger Michael Greis.

Von Martin Becker

Der Ausrüstungsverleih im Tiroler Wintersportort Seefeld, wo die 19-köpfige Journalistengruppe sich für die zwei Langlauf-Schnuppertage bestückt, heißt „Rückenwind“. Davon ist, nach der Materialausgabe, aber keine Spur, als eine halbe Stunde später das Aufwärmprogramm unweit der Wildmoos-Alm beginnt. Jetzt ist Muskelkraft gefragt: Mit einem Ski einen Kreis treten, mit einem Ski 20 Meter durch die Loipe rutschen. „Macht es wie beim Rollerfahren“, ruft Langlauflehrerin Simone, und Michi Greis als prominenter Experte spornt an: „Im Gänsemarsch – los geht’s!“

So richtig los geht es mit beiden Skiern an den Füßen – die eine Hälfte der Gruppe gleitet im klassischen Stil durch die Loipe, die andere Hälfte probiert sich im Skating. Und, weil ein paar absolute Anfänger dabei sind: Stürze bleiben nicht aus.

Mittendrin taucht immer wieder Michi Greis auf. Der 37 Jahre alte Allgäuer flitzt zwischen beiden Gruppen hin und her, dreht mit seinen Skiern Pirouetten wie ein Schlittschuhläufer und analysiert die Fortschritte. „Das ist flottes Skiwandern“, ruft er dem Loipen-Team zu. „So, nun machen wir mal ein sportliches Tempo.“ Und schon schießt Michi Greis los wie bei seinen Olympiasiegen. Die Amateure hecheln hinterher, im Doppelstockschub oder mit Diagonalschritt. Das Herz pumpt, als wir den wartenden Michi Greis einholen. Der schwitzt nicht mal – und korrigiert individuell jeden einzelnen, zum Beispiel in puncto Gewichtsverlagerung.

„Das Schwierige“, erläutert Michi Greis später bei einem Glas Wein im Hotel, „ist, dass Beine und Arme gleichzeitig etwas tun müssen, und das im Takt sowie auf rutschigem Terrain.“ Intuition spiele eine große Rolle, und ein gutes Auge: „Der Kopf muss dabei sein, die Bewegung verstehen.“

Bauch, Beine, Po – dort wird die Muskulatur am meisten beansprucht. Dazu der gesamte Rumpf, der Schultergürtel und die Arme. Langlauf, ob klassisch oder Skating, ist ein prima Fitnessprogramm. Nicht nur für den Körper, auch für den Geist. „Weil es keine monotone, sondern eine sehr komplexe Bewegung ist, die beide Gehirnhälften in harmonisierender Weise beansprucht“, erklärt Greis und spricht von einer „perfekten Work-Life-Balance“.

Ja, der Ausgleich. Ausdauersport in der Natur, an der frischen Luft. An Tag zwei, diesmal im Olympiazentrum von Seefeld am Fuß von Sprungschanze und Biathlonstand, spüren wir den Genuss. Weil es mit dem Dahingleiten jetzt schon viel besser klappt, und weil die Wintersonne unsere Haut wärmt. Diesmal wird gewechselt, die Skater und die Klassischläufer tauschen das Material. Neuer Stil, neuer Anlauf: neue Herausforderungen für die beiden Trainer Rolli und Simone, die zunächst beim ein oder anderen den Schnee aus der Schuhspitze kratzen müssen, damit die Bindung einschnappt.

„Im Fernsehen sieht alles so einfach aus, nach purer Perfektion“, lächelt Michi Greis. „Dabei ist das alles unglaublich schwierig.“

Nun ja, Erfolge stellen sich rasch ein. Bei den Loipenfahrern sowieso, aber auch bei den Skatern. „Das Gewicht verlagern!“, ruft Rolli, der Trainer. Und demonstriert elegant, wie Skating aussehen soll. Wir hadern noch ein wenig mit den Fersen, die nach der Gleitphase nicht nah genug beisammen sind. Aber Schritt für Schritt wird’s besser, ansehnlicher.

Wie bei vielen Sportarten gilt: Technik ist alles. „Ein typischer Anfängerfehler ist, dass man zu viel Kraft einsetzt“, schmunzelt Michi Greis. Sein Tipp: „Sich Zeit lassen, ein Gefühl für die Bewegung und das Gleichgewicht bekommen. Die Sache muss reifen.“ Und noch ein Ratschlag vom Olympiasieger, diesmal zur Ausrüstung. Gerade ein Novize, findet der Profi, sollte nicht mit Billig-Material seine ersten Versuche starten – gute Schuhe und Skier würden den Einstieg erleichtern. „Das ist wie mit einem älteren Computer, bei dem man sich wundert, dass die neuesten Spiele nicht gescheit laufen.“

Das Laufen auf Skiern indes, so die Bilanz nach zwei Tagen in Seefeld, aktiviert nicht bloß eher vernachlässigte Muskelgruppen, sondern es macht – gerade auch in der Gruppe – viel Spaß, da sich persönliche Erfolgserlebnisse sehr rasch einstellen. Und nicht zuletzt wirkt es wohltuend auf die Seele. Oder, wie Michi Greis es formuliert: „Durch einsame Wälder zu laufen, das genieße ich – die Gedanken sind frei, kreisen nur um ein Thema. So entwickelt sich Kreativität.“ Ein Sport auch für den Kopf.

Schnuppertag

Wer Langlauf einmal ausprobieren möchte, hat dazu am Sonntag, 19. Januar, in Bayrischzell Gelegenheit: Von 11 bis 16 Uhr findet dort ein großes „Testival“ statt, bei dem man die Langlaufausrüstung von zahlreichen Herstellern testen kann (Schuhe stehen auf Anfrage bereit; Infos und Anmeldung bei „Globetrotter“ in München unter Tel. 089 / 444 555 7-0). Die Langlaufschule Bayrischzell bietet Schnupperkurse für Anfänger, Fortgeschrittene sowie Kinder an. Das Testival-Ticket kostet zehn Euro.

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