Das schmeckt nach polnischer Heimat

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Zusammenkleben: Die beiden Polen zeigen Redakteurin Stephanie Ebner (l.), wie man Piroggen macht.

In unserer Freitags-Serie verraten Leser ihr Küchengeheimnis. Heute kochen Przemek Wnuk und Aleksandra Blachowska typisch polnisch.

mein küchengeheimnis

In unserer Freitags-Serie verraten Leser ihr Küchengeheimnis. Heute kochen Przemek Wnuk und Aleksandra Blachowska typisch polnisch.

von stephanie Ebner

„Piroggen. Das ist für mich polnische Heimat. Das schmeckt nach Kindheit.“ Deshalb steht für Przemek Wnuk gleich fest: „Ich koche Piroggen, die gefüllten Teigtaschen sind typisch für die polnische Küche.“ Ob sie allerdings gelingen, kann der junge Pole nicht versprechen: „Die Mütter und Großmütter haben früher die Piroggen gemacht. Ich habe darin nicht viel Übung.“

Als Student habe er sie fertig gekauft. Erst in jüngster Vergangenheit kämen so genannte Piroggen-Partys in Mode – junge Leute treffen sich, um zusammen zu kochen. „Das ist spannend, denn jede Familie hat ihre eigenen Rezepte.“

Heute steht er mit Aleksandra Blachowska, kurz Ola genannt, die vor drei Jahren aus Polen nach München kam, in der Küche. Immer wieder diskutieren die beiden, wie man jetzt am besten vorgeht. Przemek Wnuk lebt seit neun Jahren in Deutschland. Er kam als Erasmus-Student hierher. Obwohl er Deutsch bereits fünf Jahre an der Uni gelernt hatte, „konnte ich kaum ein Wort reden. Das habe ich erst hier richtig gelernt.“ In Polen und Stuttgart hatte er Linguistik studiert, dann machte der Osteuropäer ein Aufbaustudium in Informatik. Vor drei Jahren fand er in München einen Job. „Die Erfüllung aller Träume“, sagt er zufrieden. Wnuk beschäftigt sich mit der Spracherkennung von Computern.

Der 38-Jährige liebt München, „das südliche Flair der Stadt, die Entspanntheit“. Jetzt im Sommer ist sein Lieblingsplatz an der Isar. „Nach so vielen Jahren fühle ich mich hier zuhause.“ Zwei- bis dreimal im Jahr fährt er noch nach Hause zur Familie. Damit er die polnische Küche in der Ferne nicht vermisst, hat ihm die Mutter ein Kochbuch geschrieben.

Polnische Küche, das sind viele Zwiebeln, Salate auf Weißkraut-Basis, saure Sahne satt. „Wir Polen essen gerne deftig“, sagt Aleksandra Blachowska. Ein polnisches Essen besteht aus mindestens zwei Gängen, eine Suppe ist Pflicht. Weil die Sommer in Polen auch sehr heiß sein können, gibt es viele Kaltschalen. Sie sind nicht nur sehr erfrischend an heißen Tagen, man muss sich zudem dazu nicht stundenlang in die Küche stellen.

Ola erklärt, dass es auch Schnitzel in Polen gibt, „aber die Schnitzel hier sind wesentlich größer“. In den vergangenen Jahren sei in ihrer Heimat auch die Ente mit Blaukraut und Knödel wieder in Mode gekommen. Die meisten Enten werden aber nach wie vor nach Deutschland exportiert.

Wnuk und Ola haben sich über Ahoj kennengelernt, darin haben sich Menschen aus Osteuropa zu einem Verein zusammengeschlossen. Ahoj heißt zu deutsch Hallo. Die Ahoj-Mitglieder treffen sich nicht nur zum regelmäßigen Stammtisch, sie sind auch am Kulturaustausch mit den Münchnern interessiert. Erst vor kurzem ist ein Heftchen mit Spaziergängen durch das osteuropäische München erschienen (Ahoj Minga, ISBN 978-3-00-045060-0). Im November steht ein Filmfestival an, das polnische Filme in der Isarmetropole vorstellt.

Doch zurück zu den Piroggen. Ola und Wnuk haben sich entschieden, nur eine Art zu machen – die russische mit Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt. Für die polnische Hausfrau sei das keine Herausforderung, „für uns schon“, schätzen die beiden. Das fängt schon beim Teigmachen an. Dieser besteht nur aus Wasser und Mehl, auf die Konsistenz komme es an. „Ich stelle erst auf dem Teller fest, ob die Piroggen gut geworden sind, meine Mutter fühlt das schon beim Bearbeiten.“

„Jetzt kommt der Moment der Entscheidung“, sagt der Hobbykoch. Man sieht ihm die Anspannung an, als er die Piroggen vorsichtig ins Wasser gleiten lässt. „Hoffentlich zerfallen sie nicht.“

Kurze Zeit später die Erlösung: Die Piroggen sind ganz geblieben. Auf dem Teller sehen sie wunderschön aus. Und sie schmecken – uns zumindest. Przemek Wnuk ist nicht hundertprozentig überzeugt: „Bei meiner Mama sind sie besser“, sagt der junge Pole selbstkritisch. Wir haben ja keinen Vergleich. Ach ja, nicht zu vergessen die Kaltschale: Sie ist ein Gedicht. Jetzt hoffen wir auf heiße Sommertage, damit wir die Gelegenheit haben, sie mal nachzumachen.

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