Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Umdenken bei vielen Ungeimpften nach Krankenhausaufenthalt

„Seine Besuche haben mir einfach gutgetan“: Seelsorger besucht Covid-19 Intensivpatienten in Salzburg

Seelsorger Gerhard Hundsdorfer
+
Gerhard Hundsdorfer ist einer von sieben Seelsorgen, die sich im Land Salzburg auch um Covid-19 Patienten kümmern und sie seelisch betreuen, wenn sie das möchten.
  • VonMichael Hudelist
    schließen

Auch nach drei Wochen Lockdown in Salzburg und dem Abflachen der Infektionskurse liegen nach wie vor 134 Covid-19-Patienten in einer der Spezial-Abteilungen, 26 davon auf einer Intensivstation.

Salzburg - Eine von ihnen war Ingrid Crosby, die 55-Jährige war neun Wochen lang im Covid-19-Haus der Landeskrankenanstalten Salzburg, davon vier Wochen in einem kritischen Zustand auf der Intensivstation, beatmet mit einer künstlichen Lunge, „ich hab’s gerade noch überlebt“. Nicht medizinisch aber seelisch hat ihr dabei Gerhard Hundsdorfer geholfen, der gebürtige Ingolstädter besucht auch Intensivpatienten im Covid-Haus. Sie bereuen dann in den Gesprächen mit ihm oft, dass sie mit dem Impfen zu lange gewartet haben.

Die Diabetikerin und Krebspatientin Crosby wird im September dieses Jahres in das Landeskrankenhaus eingeliefert, schnell musste sie in einen Tiefschlaf versetzt werden. Angehörige durften in dieser Zeit nicht in die Klinik kommen, zur Seite stand ihr Gerhard Hundsdorfer, der sich zusammen mit anderen Krankenhaus-Seelsorgern auch um die Intensivpatienten kümmert. Aber bekommt ein Patient auf einer Intensivstation das überhaupt mit? „Ich habe sie über viele Wochen besucht und dabei nur ihre Hand gehalten und ihr erzählt, was sich so tut in der Welt“. Als sie auf die Normalstation verlegt werden konnte, habe er dann zum ersten Mal ihre Stimme gehört, so der Seelsorger, „sie hat von sich erzählt, von ihrem Leben“.

Zwei Priester und fünf Pastoralassistenten sind derzeit in den Salzburger Kliniken unterwegs, um Trost zu spenden, unabhängig vom Glauben oder Nicht-Glauben der Patienten. Bei Intensivpatienten ist das schwieriger, sie sind nur teilweise ansprechbar, die Kraft für ein Gespräch ist dann oft nicht vorhanden. „Bei nicht ansprechbaren Patienten setze ich mich an das Bett, halte ihre Hand, atme mit ihnen mit und gebe ihnen eine mitmenschliche Begleitung“, beschreibt Hundsdorfer seine Arbeit. Auf der Normalstation geht es hauptsächlich um die Erkrankung des Patienten, „bei Corona-Patienten geht es vielfach um die Frage, ‚Wo habe ich mich angesteckt?‘ ‚Wie geht es jetzt weiter?‘“. Das herausgeworfen Sein aus dem Leben spiele auch oft eine Rolle, Fragen nach Gott und dem Glauben würden eher in den Hintergrund treten. 

Der Seelsorger ist ein Teil des Krankenhausteams, auch wenn er keine medizinischen Details erfährt. „Bei mir hat der Patient die Möglichkeit zu erzählen, durch meine Erfahrung weiß ich, was medizinisch dahintersteht“. Jüngere Patienten seien überrascht, wenn plötzlich ein Pfarrer am Bett steht und fragen gleich „Was willst du jetzt von mir?“ während ältere Patienten sofort zu erzählen beginnen würden. Auch mit Angehörigen der Patienten hält der Seelsorger Kontakt, wenn die Patienten das wünschen, „denn sie dürfen ja nur einmal in der Woche für eine Stunde in die Klinik kommen“. 

„Ich hab gedacht, ich steck mich eh nicht an“

Ob der Patient geimpft ist oder nicht spielt für Hundsdorfer keine Rolle, aber wenn das nötige Vertrauen aufgebaut sei, komme es schon zu der Frage, warum sich ein Patient nicht hat impfen lassen, „und da kommen dann Antworten wie ‚Ich hab noch auf einen anderen Impfstoff gewartet‘, ‚Ich hab gedacht, ich steck mich eh nicht an‘ oder ‚Ich wär jetzt eh gleich gegangen‘“. Diese Nachdenklichkeit, was eine Impfung alles hätte verhindern können, komme dann oft zu spät. Oft hört Hundsdorfer dann auch die späte Erkenntnis ‚Aus heutiger Sicht würde ich mich sofort impfen lassen‘. 

Sterben ist trauriger Alltag

Berührende Situationen gibt es vor allem, wenn Angehörige die Patienten besuchen und dabei „jede Minute förmlich aufsaugen“. Auch das Thema Sterben ist für den Pastoralassistenten trauriger Alltag, „eine Patientin ist in meinem Beisein verstorben, ich war bei ihren letzten Worten, ihrem letzten Atemzug dabei“. Nach dem Tod wird der Leichnam versorgt, in eine weiße Schutzfolie verpackt, „und die Pfleger und Schwestern versuchen dem Verstorbenen die letzte Würde zu geben, indem sie ihm sagen, Sie kommen in einen schönen Sarg‘“. Solche kleine Gesten würden dem Menschen Würde zurückgeben. 

Dauerbelastung des Personals

Hundsdorfer hat auch einen Blick auf das Gesundheitspersonal, „man bekommt schon mit, dass die unter Dauerdruck und Daueranspannung stehen, wenn ein Intensivpatient verlegt werden kann, ist sein Bett sofort wieder belegt“. Dieser Kampf ums Überleben mit immer wieder neuen Patienten und ständigen Erfolgen und Rückschlägen sei schon enorm anstrengend

Ingrid Crosby ist mittlerweile wieder zu Hause, wenn auch nach wie vor eingeschränkt und an eine Sauerstoff-Maschine gebunden. Mit dem Seelsorger ist sie nach wie vor in Kontakt, seine Besuche bedeuten ihr auch im Nachhinein noch sehr viel, „ich habe in der Klinik schlimme Sachen gesehen, und da ist man froh, wenn man einen Besuch bekommt, der einem guttut. Ich war einfach nur froh, dass wer da war“.

hud

Kommentare