In Säure aufgelöst: Dreifach-Mord erschüttert Mexiko

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Mexikaner protestieren seit Tagen gegen Gewalt und für Gerechtigkeit im Fall dreier brutal getöteter Studenten. foto: AFP

Guadalajara – Javier, Daniel und Marco wollten einen Horrorfilm drehen und gerieten in ihre persönliche Hölle.

Mitglieder des Drogenkartells „Jalisco Nueva Generación“ verschleppten die Männer auf der Rückkehr von den Dreharbeiten und töteten sie. Ihre Körper lösten sie in Säure auf.

Selbst in dem an unfassbare Gewalt gewöhnten Mexiko sorgt die bestialische Tat für Entsetzen. „Worte reichen nicht aus, um das Ausmaß dieses Wahnsinns zu verstehen. Das Warum ist undenkbar, das Wie ist schreckenerregend“, schreibt der mexikanische Oscarpreisträger Guillermo del Toro auf Twitter. Der Schauspieler Gael García Bernal fordert: „Welche Trauer. Dieser Albtraum muss aufhören.“

Laut der Staatsanwaltschaft mussten die Studenten sterben, weil die Verbrecher sie für Mitglieder der rivalisierenden Bande „Nueva Plaza“ hielten. Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort: Die Männer drehten ihren Film in dem Haus, in dem das Kartell einen Stützpunkt der Feinde vermutete.

Der Fall erinnert an eines der schrecklichsten Verbrechen der jüngeren Geschichte in Mexiko: 2014 hatten Polizisten in Iguala 43 Studenten des Lehrerkollegs Ayotzinapa verschleppt und dem Verbrechersyndikat „Guerreros Unidos“ übergeben. Bislang wurden nur die Überreste eines Opfers identifiziert. Die Ermittler gehen davon aus, dass keiner der Entführten noch lebt. Alles deutet darauf hin, dass auch sie Opfer einer Verwechslung wurden. Offenbar kaperten sie unwissentlich einen mit Heroin beladenen Bus der „Guerreros Unidos“, um zu einer Demo zu fahren. Die Gangster hielten die Männer deshalb für Mitglieder der rivalisierenden Bande.

Mexiko wird derzeit von einer beispiellosen Gewaltwelle überrollt. Mit über 29 000 Tötungsdelikten war das vergangene Jahr das blutigste in der jüngeren Geschichte des Landes. Rund 30 000 Menschen gelten außerdem als verschwunden. In der Unterwelt toben heftige Kämpfe.

Viele Mexikaner wollen diese Verrohung nicht länger hinnehmen. In Mexiko-Stadt und Guadalajara gehen seit Tagen Studenten auf die Straße, um gegen die Gewalt zu demonstrieren.

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