Ratzinger entscheidet: Johannes Paul II. wird selig gesprochen

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- Rom (dpa) - Überraschungs-Coup des neues Papstes: Der im April gestorbene Johannes Paul II. soll möglichst rasch selig gesprochen werden. Unter dem Jubel des römischen Klerus ordnete der neue Pontifex Benedikt XVI. am Freitag an, dass der Prozess zur Seligsprechung sofort beginnen soll.

Um dies zu erreichen, setzte Joseph Ratzinger sogar die übliche fünfjährige Wartezeit nach dem Tod des "Kandidaten" Karol Wojtyla außer Kraft. In Rom gilt es bereits als sicher, dass damit eine der schnellsten Seligsprechungen der Kirchengeschichte bevorsteht - die wiederum lediglich als Vorstufe zu einer baldigen Heligsprechung gilt.

Schon bei der bewegenden Totenmesse Johannes Pauls am 8. April hatten Gläubige auf dem Petersplatz eine schnelle Selig- und Heiligsprechung gefordert. "Santo subito" (Sofort heilig), riefen die Menschen immer wieder. Dennoch war Ratzingers Bekanntmachung am Freitag eine echte Überraschung.

Ratzinger - ein bekennender Bewunderer des gestorbenen Papstes - las persönlich in lateinischer Sprache die formelle Erklärung der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen vor. Ausdrücklich heißt es darin, die übliche Fünf-Jahre-Wartezeit werde "gegen alle möglichen Einsprüche" aufgehoben. Im Klartext: Ratzinger wirft seine gesamte päpstliche Autorität in die Waagschale. Die in der Laterankirche versammelten Bischöfe, Kardinäle und Priester dankten ihm mit brausenden Beifall.

Völlig unklar ist allerdings noch, wie lange die Gläubigen noch auf die Ehrung des weltweit überaus populären Johannes Pauls warten müssen - es könnte Jahre, vielleicht aber auch nur Monate dauern. Normalerweise dauert es viele Jahrzehnte, bis die katholische Kirche selig spricht. Eine große Ausnahme war die Ordensschwester Mutter Teresa aus Kalkutta, die 2003 nur sechs Jahre nach ihrem Tod geehrt wurde; eine der schnellsten Seligsprechungen die es je gab.

Selige können von Gläubigen in ihren Ortskirchen, Heilige in der ganzen Welt verehrt werden. Sie müssen als "herausragende Zeugen des Glaubens" sein, allerdings keine "Übermenschen", wie ein Mitglied aus der entsprechenden Kommission im Vatikan meinte.

Verfahren zur Seligsprechung hat der Vatikan überaus streng geregelt: In aller Regel wird ein Märtyrertod oder das Vollbringen eines Wunders vorausgesetzt. Allerdings geht es dabei nicht um Wunder, die sich zu Lebzeiten des "Kandidaten" ereignet haben. Vielmehr müssen die (künftigen) Seligen nach ihrem Tod etwa um Krankenheiligungen angerufen werden. Danach prüft der Vatikan durch unabhängige Ärzte, ob es nicht vielleicht doch wissenschaftliche Erklärungen für die Heilungen gab.

Johannes Paul hatte über 1300 Menschen selig und mehr als 460 heilig gesprochen, was Kritiker teilweise als "Inflation" bezeichneten.

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