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Aufsehenerregender Prozess in Wien

Leonie (†13) aus Bayern vergewaltigt und ermordet: Lange Haftstrafen für drei Afghanen

Prozess um Tod von 13-jähriger in Wien
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Einer der Angeklagten im Prozess um den Tod eines 13-jährigen Mädchens verdeckt sein Gesicht.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Mit Drogen haben drei junge Männer ein 13 Jahre altes Mädchen willenlos gemacht und über Stunden vergewaltigt. Sie starb; am Tag danach wurde die Leiche des Mädchens in einer Wohngegend in Wien nur mit einer Unterhose bekleidet an einem Baum lehnend entdeckt. Nun wurden drei Männer wegen Mordes und Vergewaltigung verurteilt.

Wien - Drei junge Männer sind im Zusammenhang mit dem Missbrauch und Drogentod der 13-jährigen Leonie aus Bayern in Wien wegen Mordes und Vergewaltigung verurteilt worden. Das Landgericht verhängte am Freitagabend nach sechsstündiger Beratung lange Haftstrafen. Der älteste Angeklagte, ein 24-jähriger Afghane, wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft, also der Höchststrafe, verurteilt. Die acht Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass er dem Mädchen eine tödliche Drogendosis verabreichte.

Sie urteilten weiter, dass die Mitangeklagten im Alter von 19 und 20 Jahren als Mittäter Mord durch Unterlassung begingen, indem sie den Tod der 13-Jährigen nicht verhinderten. Die zwei Afghanen, die wegen ihres jungen Alters nicht lebenslang eingesperrt werden dürfen, erhielten Haftstrafen von je 20 und 19 Jahren.

Richterin Marchart wird von bild.de wie folgt zitiert: „Wir sind der Meinung, dass diese Strafen tat- und schuldangemessen sind. Die Strafen sind kein symbolisches Statement und keine politische Entscheidung. Es handelt sich hier um jeweils zwei Verbrechen. Mord ist das schwerste Verbrechen, das das Strafgesetzbuch kennt. Und die Art, wie das hier ausgeführt wurde, wie die Angeklagten sich verhalten haben, rechtfertigt aus unserer Sicht die Verhängung dieser Strafe.“

In Unterhose an Baum gelehnt

Laut Anklage wollte die 13-Jährige die besagte Nacht im Juni 2021 mit den aus Afghanistan stammenden Männern verbringen und später nach Hause an den Stadtrand von Wien fahren. Doch in der Wohnung von einem der drei jungen Männer hätten ihr die Verdächtigen mindestens sechs Tabletten Ecstasy in ein Getränk gemischt und sie vergewaltigt, so die Anklage. Nachdem sie an einer dreifachen Überdosis starb, wurde sie an einem Grünstreifen am Straßenrand abgelegt. Einer der Angeklagten soll auch noch mit einer „eskalierten Sex-Nacht“ geprahlt haben.

Die Staatsanwaltschaft stützte sich unter anderem auf toxikologische Untersuchungen, DNA-Spuren, Verletzungen, und ein Handyvideo vom Todeskampf des Opfers, das einer der Männer unmittelbar nach dem Missbrauch aufnahm.

Der Fall hat auch eine politische Komponente, der am Freitag erneut in den Vordergrund rückte. Die Staatsanwältin forderte in ihrem Schlussplädoyer für die drei aus Afghanistan stammenden Angeklagten ein Urteil mit „Signalwirkung“. „Es soll zeigen, dass Frauen kein Freiwild sind“, sagte sie im Wiener Landgericht. Ein Anwalt der Opferfamilie brachte am Freitag vor Gericht ebenfalls das Thema Migration ins Spiel. „In Österreich haben Frauen und Mädchen ihre Rechte und das kann ihnen niemand nehmen“, sagte er.

Kontroverse Debatte

Der Tod des Mädchens hatte vergangenes Jahr eine politische Debatte über kriminelle Flüchtlinge ausgelöst. Nachdem die Nationalität der mutmaßlichen Täter bekannt wurde, hatte die in Österreich mit den Grünen regierende konservative ÖVP schnellere Abschiebungen von kriminellen Asylbewerbern versprochen. „Menschen, die von uns Schutz wollen und unsere Werte mit Füßen treten und das auch noch in Taten zum Ausdruck bringen, haben bei uns nichts verloren“, sagte Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP). Nach dem „barbarischen Mord“ werde man über Änderungen bei Abschiebungen nachdenken.

Edtstadler verwies bereits damals darauf, dass der 18-Jährige trotz dreier Verurteilungen gegen seine Abschiebung Berufung einlegen konnte. Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach sich gegen ein Überdenken von Abschiebungen in das Krisenland Afghanistan aus, das die mitregierenden Grünen gefordert hatten. „Einen Abschiebestopp nach Afghanistan wird es mit mir nicht geben“, sagte er. Man werde auch mit Entschlossenheit gegen straffällig geworden Asylwerber vorgehen und auch alles tun, um diese schreckliche Tat aufzuklären.

Kein „politisches Statement“

„Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es sich hier nicht um ein politisches Statement oder eine Symbolik handelt“, stellte hingegen die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung fest. Die drei Angeklagten hätten schwerste Verbrechen begangen und das Mädchen „wie ein Objekt“ behandelt.

Die Angeklagten gaben vor Gericht nur Geschlechtsverkehr mit der 13-Jährigen zu, der nach ihren Angaben einvernehmlich war. Für die tödlichen Drogen schoben sie einander die Verantwortung zu. „Es war nie mein Vorsatz, dass jemand Drogen nimmt und stirbt“, sagte der 24-Jährige, der nach eigenen Angaben mit Drogen dealte und seinen Abnehmern empfahl, nur eine Viertel-Tablette Ecstasy einzunehmen. „Ich entschuldige mich bei allen Österreichern und bei der Familie des Opfers“, sagte er. Die zwei anderen Angeklagten gaben ähnliche Erklärungen ab.

Die Angeklagten können Rechtsmittel gegen diese Entscheidung einlegen. Nach ihrer Haft droht den Flüchtlingen die Abschiebung in ihr Heimatland.

dpa/mz

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