20 JAHRE EZB

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20 Jahre ist nichts. Die Notenbanken in England und Schweden haben mehr als 300 Jahre auf dem Buckel, die US-Notenbank Fed bringt es auf 105 Jahre.

Trotzdem ist die Geschichte der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht weniger bewegt. Aus einer vermeintlich auf Geldpolitik und Preisstabilität fokussierten Zentralbank ist ein einflussreicher und politischer Spieler geworden. Das hat die Staatsschuldenkrise deutlich gezeigt, dass haben die Hilfspakete für Krisenstaaten im Süden dokumentiert, bei denen die EZB mehr als nur mitgeredet hat. Und dies zeigt sich seit mehr als zwei Jahren im billionenschweren Programm zum Ankauf von Staatsanleihen mit dem – abgesehen von der Null-Zins-Politik – die Renditen gedrückt und kriselnden Eurostaaten das Leben erleichtert wird. Viel zu stark, wie Kritiker sagen, die der EZB verbotene Staatsfinanzierung vorwerfen.

Die EZB ist ein mächtiger Spieler, der zudem für die Bankenaufsicht zuständig ist. Sie hat die Eurozone durch die schwerste Krise geführt, sie hat den Euro zur weltweit zweitwichtigsten Währung geformt und sorgt für stabile Preise. Die Inflationsrate liegt in ihrer 20-jährigen Geschichte im Schnitt unter zwei Prozent. Damit ist der Euro stabiler als es die D-Mark je war. Das ist eine wichtige Basis für Wachstum und Wohlstand. Die Herausforderungen bleiben gewaltig: Die Arbeitslosigkeit im Süden Europas ist immer noch zu hoch, ebenso die Schulden und die Defizite. Vor allem aber muss die EZB einen Weg aus ihrer üppigen Geldpolitik hin zu normalen Verhältnissen finden – ohne dass sie eine neue Krise heraufbeschwört. Allerdings sind auch die Regierungen in Euroland gefragt. Reformen und eine vernünftige Haushalts- und Finanzpolitik sind für den Erfolg der EZB essenziell. Italien zeigt gerade, wie es nicht laufen darf.

Rolf Obertreis

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wirtschaft@ovb.net

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