Zeitgeist-Produkt?

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Mauerblümchen Elektroauto Ja, ja, das kläglich geringe Interesse an Elektroautos mag auch an den hohen Preisen für entsprechende Fahrzeuge, deren absurd geringer Reichweite und der zeitraubenden „Betankungs“-Prozedur liegen.

Dafür werden begabte Ingenieure sicherlich Lösungen finden. Höchst zweifelhaft bleibt dennoch, ob das die Deutschen dazu bewegen würde, dem guten alten Verbrennungsmotor abrupt und massenhaft ade zu sagen, solange es noch einen Tropfen Benzin gibt. Denn das Verhältnis zum fahrbaren Untersatz ist bei den wenigsten von purer Vernunft geprägt.

Man muss da gar nicht einmal an die benzindunstgeschwängerte Atmosphäre der Formel 1 denken oder an die Faszination, die sinnfreie Supersportwagen allen Tempolimits zum Trotz keineswegs nur auf Millionäre ausüben. Wer einmal bewusst darauf achtet, wie viele Kleinwagen über mindestens zwei Auspuffrohre verfügen, wie viele brave Familienkutschen mit bizarren Spoilern protzen oder gar mit Klangregelungen für den Auspuffsound, der wird kaum noch behaupten wollen, Automobilität werde maßgeblich von kühlem Kalkül gesteuert. Oder warum dominieren mittlerweile sogenannte SUVs das Straßenbild der deutschen Großstädte, allradgetriebene spritsaufende PS-Monster, die eher für abenteuerliche Taiga-Touren russischer Oligarchen konstruiert zu sein scheinen?

Es hilft nichts, die geräusch- und geruchlosen Elektroautos mögen politisch korrekt sein, sexy sind sie leider (noch) nicht. Die Deutschen auf breiter Front zum Umstieg zu bekehren ist deshalb eine gewaltige Aufgabe, vergleichbar dem Versuch, eine Nation von Sonnenanbetern von den Vorzügen dezenter Blässe zu überzeugen. Treuherzige Appelle oder kleinkrämerische Steuervorteile allein werden, so viel dürfte klar sein, aus einem bescheidenen Fortbewegungsmittel kein begehrtes Zeitgeistprodukt machen.

Lorenz von Stackelberg

Sie erreichen den Autor unter

Lorenz.Stackelberg@ovb.net

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