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Worte können bitter notwendig sein

Christian Ude (SPD) und Peter Gauweiler (CSU) liefern sich jeden Donnerstag an dieser Stelle einen Schlagabtausch. Heute: Christian Ude.

DonnerstagsKolumne

Lieber Peter,

letzte Woche hast Du aber viel Mühe und Kraft darauf verwendet, um mich mit wahrhaft deutscher Gründlichkeit misszuverstehen. Du schreibst, ich hätte in meinem letzten Brief „nichts vom Vorrang der Taten (vor den Worten) wissen“ wollen. Das ist purer Unfug, schließlich hatte ich wörtlich geschrieben: „Natürlich sind gute Werke hilfreicher als gute Worte“. Dass noch so viel Blabla nicht weiter hilft, wenn endlich gehandelt werden muss, ist doch eine Binsenwahrheit. Wie sagte der Dichter so schön: „Der Worte sind genug gewechselt, lasst uns endlich Taten sehen.“

Darum ging es aber – jedenfalls nach meiner Wahrnehmung – bei unserer Kontroverse nicht. Sondern um die Frage, ob man bitter notwendige Klarstellungen mit der Begründung verweigern kann, man halte überhaupt nichts von Erklärungen. Worte seien doch eh nur Schall und Rauch.

Das erste Mal habe ich diese Ausrede von linksradikalen Studenten gehört, die ihr Gemüt an schaurig-schöner Revolutionsrhetorik wärmten und nächtelang über die Legitimität von Gewalt gegen Sachen schwadronieren konnten, aber sich strikt weigerten, ein klares Nein über die Lippen zu bringen, als die propagierte Gewalt auch menschliche Opfer forderte. Schlimmer noch: Als die „Rote Armee Fraktion“ ausdrücklich Gewalt gegen Menschen forderte und praktizierte, verweigerten viele die klare Distanzierung, die so wichtig gewesen wäre, um der Entgleisung einer Protestbewegung Einhalt zu gebieten. Einige sagten, mit Worten könne man den „harten Kern“ eh nicht erreichen (als ob es das Problem der Nachfolger nicht gäbe), andere sagten, man dürfe die revolutionäre Linke nicht „in Gute“ und „in Böse“ spalten (womit man sich aber unter ein und die selbe Decke begeben hat). Viel wäre der Bundesrepublik erspart geblieben, wenn der Trennungsstrich zu Sektierertum und Gewaltbereitschaft früher und energischer gezogen worden wäre!

Das selbe Spiel am rechten Rand: Niemals hätte es Sympathiebekundungen der Nachbarschaft und verständnisvolle Töne von den Konservativen geben dürfen, als zu Beginn der 90er-Jahre in Hoyerswerda und anderswo Asylbewerberunterkünfte angezündet wurden, als menschengefährdende Brandstiftung hingestellt wurde als legitimes Mittel der Verfassungsdebatte über das Asylrecht.

Und nun das bedrückende Problem, dass die überwältigende Mehrheit muslimischer Menschen in Deutschland, die seit Jahren und Jahrzehnten hier friedlich lebt, zu uns gehört und den Laden am Laufen hält, in Misskredit gezogen wird durch Hassprediger, die es wirklich gibt, und durch Dschihadisten, die tatsächlich bereit sind, zu töten und getötet zu werden. Ich bleibe dabei: In dieser Situation, die sich durch die Entwicklung in Syrien oder durch Terroranschläge in Europa für uns blitzschnell verschärfen kann, können wir jedem Imam und jedem Gremium dankbar sein, wenn zu Frieden und Toleranz aufgefordert und vor allem klargemacht wird, dass Hass und Mord mit dem Islam so unvereinbar sind wie mit der Religion der Nächstenliebe, die dies auch nicht in jeder Phase ihrer Geschichte hinreichend klar zum Ausdruck gebracht hat.

Im Parlament dämmert euch jetzt dank privater „consultants“, dass von den 32,4 Milliarden des jährlichen Verteidigungshaushalts manche in den Sand gesetzt wurde. So viel Fairness muss sein: Das kann nicht Ursula von der Leyen im Nachhinein verbockt haben. Das geschah in früheren Jahren, und da gab es dem Vernehmen nach auch schon Verteidigungsminister. Keiner kennt, keiner nennt die Namen. War nicht einer sogar ein Baron? Und ist nicht ein anderer nach wie vor Kabinettsmitglied? Sie alle sind jedenfalls an der Finanzmisere der Bundeswehr so unschuldig wie der Verkehrsminister, der zu den Gesellschaftern des Berliner Flughafens gehörte und dessen Staatssekretär dort im Aufsichtsrat saß, an der dortigen Misere. Ein Bürgermeister muss als Sündenbock reichen. Den kennen die Leute wenigstens.

Dein Christian

P.S. Ich glaube ja nicht, dass wir zwei Protestanten berufen sind, die Päpste zu benoten. Aber ich bin mir schon jetzt sicher, dass von Franziskus dereinst sehr viel mehr im Gedächtnis haften wird, als dass er sofort nach seiner Wahl erst einmal die Hotelrechnung bezahlt hat. Auch wenn das eine umwerfend sympathische Geste war.

Briefwechsel

Christian Ude (SPD) und Peter Gauweiler (CSU) liefern sich jeden Donnerstag an dieser Stelle einen Schlagabtausch. Heute: Christian Ude.

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