BEI DER CDU-REGIONALKONFERENZ ZEIGT SICH, WIE GROß DER RÜCKHALT FÜR DIE KANZLERIN IN IHRER EIGENEN PARTEI IST

Ein Wohlfühlabend für Angela Merkel

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Hält sich kurz: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto: dpa

Neumünster – Mit einem Lächeln betritt Angela Merkel den Saal.

Vorbei an Reihen von CDU-Mitgliedern, die stehend ihrer Kanzlerin applaudieren. Rund 600 Parteifreunde aus Schleswig-Holstein, Merkels Geburtsstadt Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, in dem ihr Wahlkreis liegt, sind an diesem Abend hier.

Drinnen ist die Stimmung gut, auch Merkel zeigt sich locker und gelöst, hat den einen oder andern Scherz auf den Lippen. Mitten in Schleswig-Holstein ist dies am Freitagabend Merkels erster Kontakt mit der Parteibasis nach ihrer Ankündigung, auch 2017 für die Union zur Bundestagswahl anzutreten.

Für ihre Flüchtlingspolitik war Merkel in der Vergangenheit auch aus den eigenen Reihen so massiv kritisiert worden wie nie zuvor in ihrer Kanzlerschaft. Als sie am vergangenen Sonntag ihre erneute Kandidatur verkündete, bekannte die CDU-Vorsitzende, über diese Entscheidung „unendlich viel nachgedacht“ zu haben. Der Abend in Neumünster dürfte ihr gezeigt haben, wie viel Rückhalt sie bei aller Kritik noch an der Parteibasis genießt.

Auch Schleswig-Holsteins neuer CDU-Chef Daniel Günther begrüßt Merkel mit warmen Worten. Ihre erneute Kandidatur sei eine gute Entscheidung. „In Zeiten wie diesen brauchen die Menschen eine verlässliche Konstante.“ Und die sei Merkel.

Die 62-Jährige sucht die Diskussion: Merkel fasst sich kurz, spricht weniger als eine halbe Stunde lang. In dieser Zeit schneidet sie viele Themen an: Integration, Finanzpolitik, Arbeitsplätze der Zukunft, Innere und soziale Sicherheit. Und die Außenpolitik? Die habe sie „bewusst“ weggelassen, da sie nicht zu lange reden wolle. „Aber Sie können gerne alles fragen.“

Denn dafür ist die Regionalkonferenz da. Knapp zwei Wochen vor dem Bundesparteitag am 6./7. Dezember in Essen wolle die Union darüber diskutieren, „was sie bewegt, was uns bewegt und was sie glauben, worauf wir antworten geben müssen“, sagt Merkel. Drei weitere Regionalkonferenzen stehen noch an, am Montag in Heidelberg, zwei Tage später in Münster und am 2. Dezember in Jena.

In Neumünster stellen die Parteimitglieder aus dem Norden Fragen – etwa wie Merkel zu einer Erhöhung der Wehretats steht. Und auch die Außenpolitik wird angesprochen, vor allem der neue US-Präsident Donald Trump und die Situation in der Türkei interessieren. „Haben Sie schon einen Termin mit Herrn Trump?“, will die 85-jährige Ilse Hedde-Wulfmeier aus Büsum wissen. Die rüstige Frau von der Nordseeküste schätzt Merkel vor allem deren verbindende Art: „Die kann auf alles einmalig reagieren.“ Einen Termin mit Trump gibt es übrigens noch nicht.

Für ihre Flüchtlingspolitik bekommt die Kanzlerin in den Holstenhallen sogar Blumen: Der junge Syrer Mohamad Hussam aus Aleppo tritt ans Rednerpult und dankt ihr und Deutschland für die Hilfe, wo andere auch arabische Länder nicht helfen wollten. Merkel bedankt sich bei ihm: „Ich freue mich, wie toll sie deutsch sprechen können, wie sie sich einbringen können und das ist bewegend.“ Eindringlich spricht Merkel davon, dass Fluchtursachen bekämpft werden müssen, und zwar mit der Türkei – trotz aller Kritik.

Merkels Kanzlerkandidatur trifft auch auf viel Zuspruch in der Bevölkerung. Insgesamt fänden fast zwei Drittel der Befragten ihre Entscheidung gut, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten ZDF-„Politbarometer“. Unter Unionsanhängern seien es sogar 89 Prozent. Birgitta von Gyldenfeldt und André Kohn

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