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„Wir denken immer an Robert“

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Josef Gebler

Josef Gebler ist der ältere Bruder des Polizisten Robert Gebler, der vor 30 Jahren erschossen wurde.

Am gestrigen Freitag hat er ein großes Benefizkonzert in Mühldorf organisiert, um an das brutale Verbrechen zu erinnern.

4. März 1988, wie haben Sie den Tag in Erinnerung?

Mein Bruder Robert hat am 1. März seinen Dienst als Polizist in Dorfen begonnen, am 4. März wurde er getötet. Dieser Tag begleitet mich noch immer, auch wenn es schon 30 Jahre her ist. So etwas kann man nicht vergessen. Und jetzt, kurz vor dem Jahrestag, ist es für mich sehr emotional geworden. Alles kommt wieder hoch, wenn man die Berichte liest und die Fotos von damals anschaut.

Der 4. März ist der Geburtstag Ihrer Mutter. Ausgerechnet.

Wir fünf Geschwister haben vor 30 Jahren eigentlich vereinbart, dass wir uns am Abend alle bei unseren Eltern treffen, um zu feiern. Aber dann ist es anders verlaufen. Der 4. März 1988 wurde zu dem Tag, der unser aller Leben verändert hat. Wenn wir jetzt Familienfeiern haben, dann fehlt in der Familie immer einer – und das ist unser Bruder Robert. Wir denken immer an ihn, gerade bei solchen Anlässen. So geht es nicht nur uns, sondern allen Angehörigen, die einen Menschen auf diese Art verloren haben.

Denken Sie an einen bestimmten Fall?

Ich denke da an die Polizistin, der im Sommer in Unterföhring in den Kopf geschossen wurde und die jetzt im Wachkoma liegt. An die Frau muss ich fast täglich denken. Die ganze Gewalt Polizeibeamten gegenüber, die es heute noch gibt, macht mich sprachlos.

Wie haben die Dorfener damals reagiert?

Die Einheimischen waren entsetzt, da zwei Beamte aus Dorfen stammten und in der Bevölkerung bestens bekannt waren. Bei einigen Mitbürgern ist Ausländerhass aufgetreten, da der Täter ein gebürtiger Jugoslawe war, aber schon länger in Deutschland gelebt hatte. Für uns Geschwister und bei unseren Eltern war ein solcher Hass nie ein Thema.

Interview: Stefan Sessler

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