Die wichtigsten Fragen zur E-Prämie

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STaatlicher Zuschuss für Elektroautos . München – Es klingt nach schönen neuen Zeiten für die Kunden.

Damit Elektro-Modelle nicht länger als Ladenhüter in den Autohäusern stehen, soll ein schlagkräftiges Argument dazukommen: ein Kaufzuschuss. Nach der Abwrackprämie 2009 profitieren die Konzerne erneut von einem milliardenschweren Anschub, müssen sich aber auch selbst daran beteiligen. Wir haben die wichtigsten Fragen zur umstrittenen Prämie zusammengestellt.

-Was genau hat die Regierung jetzt beschlossen?

Käufer von Elektroautos sollen schon vom kommenden Monat an einen Zuschuss von 4000 Euro erhalten. Für Autos, die sowohl elektrisch als auch mit Benzin betrieben werden (Plug-In-Hybride) gibt es 3000 Euro Zuschuss. Allerdings darf das jeweilige Modell in seiner Basisausstattung einen Listenpreis von 60 000 Euro nicht überschreitet. Das Programm läuft längstens bis 2019, die Gesamtfördersumme ist auf 1,2 Milliarden Euro gedeckelt. Die Förderung läuft nach dem Windhundverfahren: Wer zuerst kommt, wird zuerst gefördert. Die Zuschüsse werden je zur Hälfte vom Bund und den Autokonzernen getragen. Über die Prämien hinaus will der Bund zur Errichtung von Ladestationen 300 Millionen Euro aufbringen.

-Warum gibt es die Förderung?

Die Regierung hat das Ziel ausgegeben, dass 2020 eine Million E-Autos im Land unterwegs sein sollen. Zum einen, um die ehrgeizigen deutschen Klimaziele zu erreichen. Zum anderen verfolgt die Bunderegierung das Ziel, Deutschland zum „Leitmarkt“ für die Elektromobilität zu machen.

-Wo liegen die Probleme der Elektromobilität?

Als Hauptprobleme beim Ausbau der Elektromobilität gelten die vergleichsweise hohen Preise für die Fahrzeuge, die geringe Reichweite und eine unzureichende Ladestation-Infrastruktur. Die meisten bisher erhältlichen Elektroautos können höchstens 150 Kilometer am Stück fahren – und das auch nur bei sparsamer Fahrweise. Dann müssen sie wieder an die Ladestation. Benutzt man im Sommer die Klimaanlage oder im Winter die Heizung, reduziert sich die Reichweite zusätzlich. Das Problem: Die nächste Ladestation kann sich ausgerechnet dann in weiter Ferne befinden. „Mit einem Elektrofahrzeug müssen Kunden erhebliche Abstriche bei relevanten Anforderugen an ein Auto hinnehmen“, sagt Carsten Röh, Professor für Automobilwirtschaft an der Hochschule Landshut. Hybridfahrzeuge kommen auf deutlich größere Reichweiten.

-Für wen eignet sich ein Elektroauto?

Elektroautos haben ihre Vorteile bislang vor allem im Stadtverkehr, weil sie weitgehend geräuschlos fahren und die Luft nicht verschmutzen. Wer also nur kurze Strecken zurücklegen muss, für den kann sich ein E-Fahrzeug schon heute lohnen – vorausgesetzt er kann sich den teuren Anschaffungspreis leisten. Im Unterhalt sind dagegen Elektroautos in der Regel günstiger. Strom ist billiger als Benzin. Zündkerzen, die man austauschen müsste, gibt es nicht, der Bremsverschleiß ist deutlich geringer.

-Welche Autokonzerne machen mit?

Zugesagt haben laut Regierung bisher Volkswagen, Daimler und BMW. Grundsätzlich soll sich aber jeder Autohersteller aus dem In- und Ausland beteiligen können. Wer dabei sein wird und wer nicht, ist abgesehen von den drei deutschen Autobauern noch offen. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller versicherte allerdings bereits, auch seine Mitglieder wollten sich „in angemessener Form“ beteiligen.

-Gilt die Prämie nur für deutsche Autos?

Nein, prinzipiell kann man sie auch beim Kauf eines ausländischen Modells bekommen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Hersteller mitmacht. Denn der müsste dann den Teil der Prämie, der von der Industrie übernommen wird, aufbringen.

-Ist die deutsche Autoindustrie wirklich auf Subventionen angewiesen?

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass ausländische Unternehmen wesentlich weiter seien. Paradebeispiel ist der US-Hersteller Tesla, der kürzlich mit seinem „Model 3“ Aufsehen erregte. Aber gräbt die amerikanische Firma damit tatsächlich den großen Marken das Wasser ab? Branchenkenner sehen das noch nicht. Den Markt beobachten, technisch nicht den Anschluss verlieren und bei einem anhaltenden Trend als „Second Mover“ (Zweit-einsteiger) aufspringen – auch das könne eine rationale Strategie sein, meint Carsten Röh. Das Eine-Million-Autos-Ziel werde ja vor allem von der Politik, nicht von den Herstellern verfolgt. Die deutschen Produzenten machten mit ihren Sprit-Modellen jedenfalls derzeit große Gewinne. „Eigentlich ist es schwer nachvollziehbar, warum der Staat in einer solchen Situation eingreift.“

-Was sagen die Gegner der Prämie?

Ifo-Präsident Clemens Fuest kritisiert die staatliche Kaufprämie für Elektroautos als „schweren Fehler“. Richtig wäre es, „die Verursacher von Emissionen zu belasten, nicht, das Unterlassen von Emissionen mit Steuergeldern zu fördern“, sagte Fuest in München. Außerdem „fallen bei der Produktion von Elektroautos und bei der Stromproduktion erhebliche CO2-Emissionen an, so dass die Gesamtbilanz weniger gut ist als oft behauptet wird.“ Und schließlich sei die geförderte Technik nicht neu, sondern beispielsweise in Kalifornien gut erprobt. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nennt die Steuerfinanzierung „problematisch“. Sinnvoller wäre es, Käufer von „teuren Spritschluckern“ zur Kasse zu bitten und damit die Förderung emissionsarmer Autos zu bezahlen. Bayerns FDP-Landesvorsitzender Albert Duin kritisiert, dass die Regierung das Geld mal wieder von oben nach unten verteile. „Diese Subvention ist unsozial und wird nur zu Mitnahmeeffekten führen.“

-Wie halten es die anderen Länder mit E-Autos?

Dank staatlicher Subventionen ist China Mitte 2015 zum größten Markt für Elektrofahrzeuge aufgestiegen. Etwa 188 000 Wagen wurden abgesetzt. Peking hat zuletzt wieder unterstrichen, dass die grüne Revolution im Eiltempo voranschreiten soll: 4,8 Millionen Ladesäulen sollen bis 2020 landesweit aufgestellt werden. Die USA sind von einer E-Revolution hingegen weit entfernt. Bislang fristen die Fahrzeuge ein Nischendasein. 2015 hatten nur 0,3 Prozent der 17,5 Millionen verkauften Neuwagen einen E-Antrieb. Zuletzt dämpfte der billige Sprit die Nachfrage zusätzlich. In Norwegen boomt der Verkauf von Elektroautos hingegen nach wie vor. Im vergangenen Jahr waren 17 Prozent der neu zugelassenen Autos elektrisch. Zu verdanken ist das vor allem Steuervorteilen – und man darf die Busspuren benutzen.  thu, sts, afp, dpa

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