Wendig

+

Schläge gegen Syrien: Berlin geht auf Distanz Die überaus peinliche Niederlage des kriegsbegeisterten Tory-Premiers Cameron im britischen Unterhaus hat auch die deutsche Gefechtslage im Syrien-Konflikt entscheidend verändert: Mit dem Ausscheren Englands aus Obamas Koalition der Willigen entfällt für Deutschland die Gefahr, wie einst in Libyen als womöglich einziger westlicher Kriegsverweigerer isoliert dazustehen.

Die deutsche Politik hat – im Vorfeld eines womöglich wahlentscheidenden TV-Duells um die Kanzlerschaft – darauf blitzschnell reagiert: Der lange vorsichtig agierende SPD-Kandidat Steinbrück lehnt Angriffe des Westens auf das Regime in Damaskus plötzlich rundweg ab. Und im FDP-geführten Außenministerium ließ der Hausherr ebenso zügig wie lapidar verlauten, die Bundesregierung ziehe eine deutsche Beteiligung an einem Waffengang „nicht in Betracht“. Das klang schon deutlich anders als die mit bedeutungsschwerem Westerwelle-Timbre vorgetragene Drohung vom Montag, die Weltgemeinschaft müsse handeln, wenn sich ein Giftgaseinsatz in Syrien bestätige, und Deutschland werde dann „zu denjenigen gehören, die Konsequenzen für richtig halten“.

Klar scheint nach dem britischen Rückzieher, dass es auch aus Deutschland keine logistische oder sonst wie geartete direkte Unterstützung für militärische Schläge in Syrien geben wird. Was bleibt, ist allenfalls eine Art moralische Rückendeckung der Bundesregierung für etwaige Vergeltungsmaßnahmen Obamas. Was auch immer die Bundesbürger davon halten mögen: Kriegsentscheidend wird der Syrien-Konflikt im TV-Duell Steinbrücks mit der Kanzlerin am Sonntagabend damit wohl nicht mehr sein. Grund genug für Angela Merkel, ihren zumeist schwierigen Freunden in London diesmal ein herzliches „thank You“ zuzurufen.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

Kommentare