Verrat an der Ukraine
Putin als Partner in der Flüchtlingskrise? Die Flüchtlingskrise im Genick, scheinen immer mehr Entscheidungsträger Prinzipien und Überzeugungen unter dem Feigenblatt „Realpolitik“ als Ballast zu betrachen.
Zu beobachten am Beispiel Wladimir Putin, dessen Schlüsselrolle in Syrien seinen Beutezug auf der Krim zunehmend in den Hintergrund drängt und ihm zahlreiche Kontakt-Annoncen deutscher Politiker einbringt. Nach SPD-Chef Gabriel und Bayerns Wirtschaftsministerin Aigner, die die komplette Sanktionspolitik am liebsten auf den Müll werfen würden, will jetzt auch Ministerpräsident Seehofer mit dem Kremlchef ins Gespräch kommen. Nur: Worüber wäre mit dem Mann eigentlich zu reden, der eben noch als finsterer Imperator mitten in Europa galt?
Angesichts unübersehbarer Zerfallsspuren in der Sanktionsfront dürfte Putin längst zu dem Schluss gelangt sein, er brauche nur noch abzuwarten, und das leidige Ukraine-Thema werde sich von selbst erledigen. Ganz ohne Gegenleistung übrigens. Denn im Fall Syrien sollte man nicht zu sehr auf russische Hilfe bei der Lösung des Flüchtlingsproblems hoffen. Moskau geht es weniger um Frieden in der Region als um die Konsolidierung seines Einflusses, den es an der Person des Diktators Assad festmacht. Der aber ist dank des Fassbombenkriegs gegen das eigene Volk der Hauptverursacher der Massenflucht. Richtig bleibt natürlich, dass Kontrahenten in Krisen das Gepräch suchen sollten, statt sich anzuschweigen. Die Position der USA und der EU aber durch Demonstrationen der Uneinigkeit zu schwächen, kommt einem Verrat an der Ukraine gleich.
Lorenz von Stackelberg
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