„Unsere Mission ist erfüllt“

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Ende aller Träume? Das Flüchtlingslager in Calasi ging gestern in Rauch auf. Foto: afp

Drama in Calais: Brände zwingen die letzten Bewohner zum Verlassen des riesigen Flüchtlingscamps. Der Staat sieht die Räumung als beendet an. Einige Migranten wollen jedoch immer noch Großbritannien erreichen.

Lager in Calais ist leer

Von Christian Böhmer

Calais – Über dem Flüchtlingscamp von Calais liegt schwarzer, beißender Rauch. Immer wieder lodern Flammen auf, viele Hütten sind bereits verbrannt. Auf dem Boden liegt verkohlter Müll. Feuerwehrsirenen heulen. Einige Flüchtlinge bringen ihre meist dürftigen Habseligkeiten in Sicherheit. Die so friedlich angelaufene Räumung von Frankreichs größter Slum-Siedlung endet in einem Chaos.

Vor der Betonhalle, wo seit Montag Flüchtlinge für eine Verlegung in andere französische Regionen registriert werden, warten immer noch Hunderte. Viele sind zu dem Transitzentrum gelaufen, um sich in Sicherheit zu bringen. Es liegt etwa 300 Meter vom Lager entfernt in einer Industriezone.

Die Feuer sollen gelegt worden sein. Vier aus Afghanistan stammende Flüchtlinge werden in Polizeigewahrsam genommen. Präfektin Fabienne Buccio spricht mit Blick auf vermutete Brandstiftung von einer „Tradition, die nicht zu unseren Gewohnheiten gehört“. Es gebe Volksgruppen, die ihre Behausungen in Brand setzten, wenn sie diese verließen.

Die höchste Vertreterin des Staates im nördlichen Département Pas-de-Calais lässt es sich ungeachtet der äußerst angespannten Stimmung nicht nehmen, Erfolge zu verkünden. „Unsere Mission ist erfüllt“, bilanzierte die energische blonde Frau. „Es war wichtig, alle Migranten aufzunehmen, die unter unwürdigen Bedingungen lebten“, fährt Buccio fort. Mehr als 5000 der insgesamt 6500 Lagerbewohner seien auf Flüchtlingsheime im ganzen Land verteilt worden. Sie ist seit Tagen ununterbrochen auf dem Gelände unterwegs, bekleidet mit Gummistiefeln und Windjacke.

Die Behörden sind überzeugt, dass alle Flüchtlinge den vom Staat vorgezeichneten Weg gehen: Freiwillige Registrierung und dann Reise in eine andere französische Region. Es sind jedoch Menschen zu sehen, die sich sammeln – und nicht zum Transitzentrum gehen. Einige von ihnen laufen durch rauchende Trümmer. Sie haben ihren Traum nicht aufgegeben, von Calais aus über den Ärmelkanal ins gelobte Land Großbritannien zu kommen.

Augenzeugen berichten, dass sich kleine Gruppen trotz starker Polizeipräsenz absetzten. Frankreich will jedoch unbedingt verhindern, dass sich neue Camps in Calais oder in der Umgebung bilden. Am Bahnhof, entlang der Zugstrecke nach Großbritannien – überall sind Ordnungshüter.

Die starken Brände waren bei der beispiellosen Räumungsaktion offensichtlich nicht einkalkuliert. Denn unbegleitete Kinder und Jugendliche, die ein besonderes Asylverfahren durchlaufen, wurden direkt auf dem Areal in freigewordenen Wohncontainern untergebracht. Zum Glück seien die Bauten nicht vom Feuer betroffen, berichteten Helfer.

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