Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Krieg in der Ukraine

Putins Atom-Drohung: So ernst müssen wir seine Ansage nehmen

Russlands Präsident Wladimir Putin droht mit Atomwaffen. Im Hintergrund fährt eine Rakete bei einer Parade am Kreml vorbei.
+
Verbreitet Angst und Schrecken: Russlands Präsident Wladimir Putin droht mit Atomwaffen.
  • Wolfgang Hauskrecht
    VonWolfgang Hauskrecht
    schließen

Mit der Ankündigung, die russischen Atomstreitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen, hat Präsident Putin den Ukraine-Konflikt weiter verschärft. Wie bewerten Experten diese Aussage? Die wichtigsten Meinungen im Überblick.

München – „Ich weise den Verteidigungsminister und den Generalstabschef an, die Abschreckungskräfte der russischen Armee in besondere Kampfbereitschaft zu versetzen.“ Am Sonntag sprach Wladimir Putin diesen Satz live im Fernsehen und schürte damit die Angst, bald könnten im Krieg um die Ukraine Atomwaffen zum Einsatz kommen.

Russlands Angriffskrieg in der Ukraine macht vielen Millionen Menschen in Deutschland Angst vor einem Dritten Weltkrieg. Wie eine Forsa-Umfrage vom Montag im Auftrag von RTL und ntv ergab, befürchten 69 Prozent sogar, dass die Nato in den Konflikt hineingezogen wird, weil der russische Präsident Wladimir Putin ein Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses angreifen könnte - zum Beispiel einen der baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen. Und dass dies auch Deutschland direkt betreffen könnte.

25 Prozent der Befragten teilen diese Sorge laut Forsa-Umfrage für RTL nicht. Vor allem Anhänger der AfD sind demnach mit 48 Prozent überdurchschnittlich davon überzeugt, dass es nicht zu einem Weltkrieg kommt.

Was ist ein Weltkrieg?

Als Weltkrieg wird ein Krieg bezeichnet, der in seinem geografischen Ausmaß über mehrere Länder und Kontinente reicht und eine völlige Neuordnung der internationalen Beziehungen mit sich bringt .Vom Namen her gibt es den Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) und den von Deutschland ausgelösten Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945). Manche Historiker finden, dass auch andere Kriege als Weltkrieg bezeichnet werden könnten, etwa der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) oder die Napoleonischen Kriege (1800 bis 1814). Die Bezeichnung «Dritter Weltkrieg» ist seit Jahrzehnten ein Horrorszenario, da er wahrscheinlich als Atomkrieg abliefe und ein Großteil der Menschheit in recht kurzer Zeit dabei sterben würde. (dpa)

Experten deuten die Ankündigung mehr als psychologisches Manöver – mit einer bedeutenden Einschränkung: Niemand weiß genau, wie genau es um die Psyche des russischen Präsidenten bestellt ist.

Die Welt stehe nicht kurz vor einem nuklearen Schlagabtausch mit Russland, ist Carlo Masala, Professor für internationale Politik an der Bundeswehr-Universität Neubiberg, überzeugt. Für die strategischen Streitkräfte gebe es vier Eskalationsstufen. Im Moment habe Russland Stufe zwei erreicht. „Meine Interpretation ist, dass Putin den Westen davon abhalten will, weiterhin diese massive politische, ökonomische und vor allen Dingen militärische Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte zu leisten“, sagte er am Sonntag in den „Tagesthemen“. Putin stehe momentan mit dem Rücken zur Wand. Die Invasion laufe schlechter als geplant, dazu komme innenpolitischer Widerstand. Den Hinweis auf die Nuklearstreitkräfte sei ein „Versuch, das Blatt zu seinen Gunsten zu wenden“. Die Nato müsse darauf „in sehr sorgfältigen Worten eine richtige Antwort finden“.

Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr, äußerte ebenfalls Zweifel an Russlands Willen zu einem Atomschlag. „Auch Putin weiß, dass eine Nuklearwaffe die Welt von einer Sekunde auf die andere verändert. Derjenige, der als erste Nuklearwaffen einsetzt, stirbt als zweiter“, sagte er dem NDR. Dazu komme: „Strategische Nuklearwaffen werden nicht in Alarmbereitschaft gesetzt, sie sind immer alarmbereit, weil sie innerhalb von Minuten reagieren müssen.“ Laut den Atomwaffen-Experten Hans Kristensen und Matt Korda hat Russland derzeit fast 1600 Atomsprengköpfe dauerhaft einsatzbereit.

Die britische Regierung sah kaum Bewegung bei den russischen Atomstreitkräften. Die Atomwaffenpositionen seien überprüft worden, „es gibt keine signifikante Änderung“, sagte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace im LBC-Radio. Wallace warf Putin vor, „seine Muskeln spielen“ zu lassen, weil die Invasion ins Stocken geraten sein. Es handle sich um Rhetorik der Ablenkung. „Er will uns alle daran erinnern, dass er im Besitz atomarer Abschreckung ist.“ Das seien aber auch Großbritannien, Frankreich und die USA, sagte Wallace.

David Khalfa von der Stiftung Jean Jaurès in Paris sprach von einer „russischen Frustration“. Dem Kreml drohe ein langer Guerilla-Krieg. Belastbare Vorhersagen seien schwer. Präsident Putin sei isoliert und „gefangen in einer paranoiden Logik. Das ist beunruhigend, es ist eigentlich unmöglich, seine Strategie wirklich zu lesen.“

US-Militärexperte James Acton sagte dem „Spiegel“, er glaube nicht an einen Atomwaffeneinsatz, aber das Risiko sei dennoch sehr ernst zu nehmen. „Wir müssen Putin eine gesichtswahrende Möglichkeit bieten, sich aus dieser Krise zu befreien.“ Deutschland komme dabei eine Schlüsselrolle zu.

Die USA haben auch in Europa Atomwaffen stationiert. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung handelt es sich um 150 bis 200 Bomben der Typen B-61-4 und B-61-3. Die Stützpunkte sind Kleine Brogel (Belgien), Büchel (Deutschland), Aviano und Ghedi Torre (Italien), Volkel (Niederlande) und Incirlik (Türkei). Die Nutzung ist in sogenannten Zweischlüssel-Abkommen geregelt. Demnach dürfen die Bomben nur in Abstimmung der USA mit dem jeweiligen Stationierungsland eingesetzt werden.

Mehr zum Thema