Trump: „Jeder spielt Spiele“

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Bild aus besseren Tagen: US-Außenminister Mike Pompeo und Kim Jong Un am 8. Mai. foto: afp

Donald Trumps Gipfel-Absage an Kim Jong Un war eine Bauch-Entscheidung. Offenbar wollte der US-Präsident seinem Gegenspieler zuvorkommen. Aber das Treffen ist wohl noch nicht ganz tot. Trump lässt ein Hintertürchen offen.

Nordkorea-Gipfel

von Friedemann Diederichs

Washington – Als Donald Trump im März überraschend die Einladung von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un zu einem Gipfel annahm, tat er das im Alleingang. Damals hieß es, seine Berater seien von der Entscheidung kalt erwischt worden. Ganz anders bei der Absage des für den 12. Juni in Singapur geplanten Treffens. US-Medien berichten, der US-Präsident habe sich mit Sicherheitsberater John Bolton, Außenminister Mike Pompeo und Verteidigungsminister Jim Mattis beraten, bevor er den Kündigungsbrief an Kim formulierte. Trump sei zornig gewesen und wollte, wie ein enger Berater sagt, „den Mist dieses Kerls“ nicht länger hinnehmen.

Der US-Präsident fühlte sich offenbar provoziert. Am Mittwoch hatte die Vize-Außenministerin in Pjöngjang Trumps Stellvertreter Mike Pence als „politischen Dummkopf“ abgekanzelt und mit einem „nuklearen Showdown“ gedroht. Pence hatte zuvor, wie auch Sicherheitsberater Bolton, für die Verhandlungen mit Kim das Libyen-Modell ins Spiel gebracht: Wirtschaftshilfen und Sanktionserleichterungen werde es nur geben, wenn Nordkorea nachprüfbar und ohne Vorleistungen alle Atomwaffen abgebe.

Hinzu kam, dass in der letzten Woche eine US-Delegation zu einem vereinbarten Vorab-Treffen nach Singapur gereist war, um Details der Begegnung festzuzurren. Doch die andere Seite ließ sich nicht blicken. „Die Nordkoreaner haben nicht mehr kommuniziert und sich nicht sehen lassen“, sagte ein Offizieller des Weißen Hauses. Trump hatte in den letzten Wochen immer wieder betont, es bestehe die Möglichkeit, dass das Treffen nicht stattfinde.

Dass er nun die Reißleine zog, findet zumindest den Beifall von Mitgliedern seiner Partei. „Nordkorea hat schon immer Vorleistungen nur dafür verlangt, zu verhandeln“, so der Senator Tom Cotton, „wir müssen weiter maximalen Druck auf Nordkorea ausüben“. Wirkt diese Taktik?

Eine erste Reaktion aus Pjöngjang zeigt, dass man dort trotz des offen drohenden Tons im Trump-Schreiben weiter bereit, sich „zu jeder Zeit in jedem Format“ zu treffen. Das ist überraschend, denn das Schreiben des US-Präsidenten hätte Analysten zufolge durchaus konzilianter und weit weniger konfrontativ sein können. Doch auch Trump kann sich wieder ein Treffen mit Kim vorstellen – sogar am 12. Juni, wie er bei Twitter schrieb. Zudem lobte er das „warme und produktive Statement“ Nordkoreas.

Vermutet wird in Washington, dass Trump am Donnerstag den mit heißer Nadel gestrickten Brief schnell herausgeschickt hatte, um einer Absage aus Nordkorea zuvorzukommen. Eine bereits vom Andenkenladen des Weißen Hauses geprägte Gedenkmünze, die Trump und Kim zeigt, muss also ebenso auf Eis gelegt werden wie die Hoffnung der Welt auf eine Annäherung beider Staatschefs.

Manche spekulieren schon, dass die überraschende Absage Teil einer Gesamtstrategie ist, die durch unerwartete Manöver auch Trumps Wählerbasis begeistern soll. Trump selbst sagte am Freitag: „Jeder spielt Spiele.“

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