US-WAHLKAMPF

Trump erstmals knapp vor Clinton

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Karl-Theodor zu Guttenbergglaubt trotz E-Mail-Affäre an einen Sieg Clintons.
+
Karl-Theodor zu Guttenbergglaubt trotz E-Mail-Affäre an einen Sieg Clintons.

E-Mail-Affäre setzt den Demokraten zu – Auch Parteichefin Brazile steht unter Druck

Washington – Zum ersten Mal seit Mai liegt Donald Trump in einer Umfrage des Senders ABC und der „Washington Post“ vor Hillary Clinton. Der republikanische Präsidentschaftskandidat kommt nach den gestern veröffentlichten Zahlen mit 46 Prozent auf einen Punkt mehr als die Demokratin. Als Grund wurde ein abnehmender Enthusiasmus für Clinton vermutet. Während Trumps Werte seit der neuen FBI-Veröffentlichung zu E-Mails aus Clintons Umfeld zugenommen hätten, seien Clintons gesunken.

Andere Umfragen sehen Clinton weiter mit Abstand vorne. Entscheidend ist die Zahl der Wahlmänner, die die Kandidaten in allen Bundesstaaten auf sich vereinigen können. Die Mehrheit liegt bei 270. Hier liegt Clinton in den maßgeblichen Erhebungen deutlich vor Trump. US-Medien wiesen darauf hin, dass derzeit weiter vieles für einen Sieg Clintons spreche. Der Ausgang am 8. November sei aber wegen enger Umfragen und Unsicherheiten in den Befragungsergebnissen weniger gewiss als vor wenigen Tagen.

Das Portal RealClearPolitics, das seit Monaten einen Querschnitt aller Umfragen erhebt, sieht Clinton nach wie vor mit 2,2 Punkten in Front. Der weiteste Abstand betrug sieben Punkte, das war vor gut zwei Wochen. Clinton habe 263 Wahlmänner sicher, Trump 164, und 111 seien noch nicht zuzuordnen.

Entscheidend ist nicht die US-weite Lage, sondern die Situation in den Swing States. Das sind diejenigen der 50 Bundesstaaten, deren Wahlausgang aufgrund von Traditionen und Bindungen nicht von vorneherein feststeht. In Swing States wie Pennsylvania, Colorado, Virginia oder North Carolina liegt Clinton vorn. Das bevölkerungsreiche Florida, wegen seiner vielen Wahlmänner sehr wichtig, ist derzeit ausgeglichen, mit leichten Vorteilen für Trump.

In die Defensive geraten sind Clinton und die US-Demokraten kurz vor der Präsidentenwahl durch E-Mail-Affären. Während eine Untersuchung neu entdeckter Mails durch das FBI über Clinton schwebt, verlor Übergangs-Parteichefin Donna Brazile wegen Enthüllungen gehackter E-Mails ihren Job als Expertin beim Sender CNN.

Der frühere deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) glaubt weiter an einen Sieg Clintons. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Hillary Clinton die Wahl eigentlich gewinnen muss“, sagte Guttenberg, der seit Jahren in Amerika lebt, der Online-Ausgabe der FAZ. Aber auch dann werde Trump weiter Stimmung gegen sie machen. „Er hat Blut geleckt.“ Die Versöhnung beider Lager sei „Aufgabe einer ganzen Generation, nicht von einer vierjährigen Präsidentschaft.“

Zurück zur Übersicht: Politik

Kommentare