Theaterspieler klauen Wasi den Maibaum

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Jetzt hat es auch Markus Wasmeier erwischt: Eine Gruppe Theaterspieler hat ihm den Maibaum von seinem Museum geklaut. Der frühere Ski-Rennfahrer nimmt es sportlich – die Diebe kündigen derweil einen „sauberen Durst“ an.

Jetzt hat es auch Markus Wasmeier erwischt: Eine Gruppe Theaterspieler hat ihm den Maibaum von seinem Museum geklaut. Der frühere Ski-Rennfahrer nimmt es sportlich – die Diebe kündigen derweil einen „sauberen Durst“ an.

von Marc Lamberger

Schliersee – Zwei Frauen und ein gutes Dutzend Männer stapfen durch die Dunkelheit – stumm, aber festen Schrittes. Durch den Bergwald am Schliersee wabert der Nebel, es regnet. Eine gute Nacht, um zu stehlen. Einige Schurken tragen schwarze Jacken, andere Lederhose, Jacke und Hut. Die angepeilte Beute: ein Maibaum. Aber nicht irgendeiner, sondern der von Ski-Ass Markus Wasmeier.

Der Doppel-Olympiasieger von 1994 hat hier ein Freilicht- und Bauernhofmuseum. Auf der Internetseite wird das anstehende Maibaumfest angekündigt. „Wir feiern den Mai mit allem, was dazugehört“, heißt es dort. Nun ja: Ein wichtiges Utensil ist Wasmeier abhanden gekommen: der Maibaum, der am Museum aufgestellt werden soll. Der ist nun im Kreis Ebersberg versteckt. Wo genau, wissen nur die Leute vom „Grenztheater Ludwigs Erben“ aus Grafing. Sie haben den Maibaum geklaut.

Am Montag, kurz nach 23 Uhr, trifft sich der Trupp an einer Tankstelle im nahen Hausham. Roland Becker sitzt im hellgrünen Mercedes. Er soll den Baum mit dem Geländewagen vom Wasmeier-Museum Richtung Ebersberg transportieren. Doch zuerst brauchen Ludwigs Erben die richtige Taktik. „Wie dick ist er denn?“, fragt einer. Die Antwort: „Er ist 18 Meter lang, aber besonders dick wird er nicht sein.“ Am Ende beschließen sie, den Baum gemeinsam von einem etwa 300 Meter entfernten Hügel zum Parkplatz zu tragen. Leise und schnell.

„Die drei gefährlichsten Menschen sind Markus Wasmeier, sein Vater und der Braumeister“, sagt Sebastian Schlagenhaufer. Der 33-Jährige ist Regisseur beim Laienensemble, das in den vergangenen zwei Jahren die bayerische Komödie „Jennerwein – Bluat vo da Gams“ an Wasmeiers Museum aufführte. „Wenn man zwei Jahre dort Theater spielt, lernt man seine Informanten kennen“, sagt Schlagenhaufer. Er lächelt. Denn er weiß, wo Wasmeiers Maibaum normalerweise liegt. „Ich glaube, mit uns rechnet niemand, weil wir zu weit weg wohnen“, sagt er. Aber nicht zu weit weg, um einen Maibaum zu stehlen.

Die 45-minütige Fahrt, das ist schnell klar, hat sich gelohnt: Der Stamm liegt in der Wiese vor einem Container – und ist unbewacht. Der Klau ist ein Kinderspiel. „Es war etwas leichter, als ich es mir vorgestellt habe“, sagt Schlagenhaufer. Gemeinsam tragen die Grafinger den Baum zum Parkplatz. Der Stamm ist glitschig, die Hände später klebrig vom Harz. Im benachbarten Haus brennt Licht. Doch die Schurken bleiben unbemerkt. Zehn Minuten vor Mitternacht fährt Becker los, der Baum ist mit roten Spanngurten befestigt.

Stefanie Zapf eilt noch zu Wasmeiers Museum und hinterlässt ein Plakat, auf dem steht: „Bluat vo da Gams. Da Baum is weg. Girgl Jennerwein.“ Wie Georg Jennerwein, der bayerische Wilderer. Treffpunkt ist dann erneut die Tankstelle in Hausham. Auf einmal schießt ein Audi mit Miesbacher Kennzeichen vorbei. Manche vermuten, es war Wasmeier. „Fünf Minuten später, und wir hätten Pech gehabt“, sagt Schlagenhaufer.

Die Wahrheit ist: Wasmeier war gar nicht zu Hause. Sondern in Garmisch-Partenkirchen, wo Christian Neureuther seinen 65. Geburtstag feierte. Gegen ein Uhr erreichte ihn eine SMS seines Pressesprechers Daniel Wagner: Der Maibaum – weg. Wasmeier: „Er wurde am Montagmittag gefällt. Dass er so schnell geklaut wird, hat mich überrascht. Mal sehen, wo die Lücke war.“

Die Rückgabe-Verhandlungen sind hart: „Die Forderungen werden immer brutaler“, sagt Wasmeier. Die Diebe wollen unter anderem 500 Liter Bier. Wasmeier: „Den Rausch möcht’ ich nicht haben.“

Schlagenhaufer weiß aber, dass die Diebe „an sauberen Durst“ haben. Als sie auf ihre „außerordentlich humanen Forderungen“ erst keine Antwort bekommen, zeigen sie auf ihrer Facebookseite ein Bild von einem Stamm, der zerfräst wird. Text: „Wir weisen das Markus Wasmeier Freilichtmuseum Schliersee darauf hin, dass wir auch anders können!“

Am späten Nachmittag vermeldet Sprecher Wagner dann Burgfrieden: „Wir bieten 30 Liter selbstgebrauten Maibock, Brotzeiten und die Option, dass keiner durstig nach Hause geht. Und das Museum wird Fördermitglied des Theatervereins.“ Aufgestellt werden soll der Maibaum am 1. Mai gegen 11 Uhr. Wagner zufolge wird es der letzte Klau am Museum bleiben: „Nächstes Jahr schlagen wir den Baum am 1. Mai um 9 Uhr und stellen ihn direkt auf.“

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