Taliban-Anschlag am Spielplatz

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Horror am Kinderkarussell: Mitarbeiter der Spurensicherung vor dem Tatort in dem Freizeitpark in Pakistan. Foto: afp

Bluttat in Pakistan . 72 Zivilisten, darunter viele christliche Kinder und Frauen, sterben bei Attentat in Lahore – Ein Lehrer sprengte sich in die Luft.

Lahore – Ein warmer Ostersonntag, der Park in der Millionenmetropole Lahore, Pakistan, ist voll mit Familien. Plötzlich eine Explosion – ein blutiger Anschlag. 72 Todesopfer, das ist die Bilanz am Tag nach dem Attentat. Unter ihnen 35 Kinder und sieben Frauen, sagte der Polizeichef des Stadtbezirks. Rund 350 Menschen wurden verletzt.

Der Attentäter brachte neben einem Spielplatz etwa 20 Kilo Sprengstoff zur Detonation. Sein Sprenggürtel sowie ein Rucksack mit Explosivstoffen war zusätzlich mit Schrauben und Muttern gefüllt. Die schossen wie Schrapnelle durch den Park und verletzten Menschen in einem weiten Umkreis. Der Park war an einem der ersten warmen Abende des Jahres besonders gut besucht gewesen. Auch viele christliche Familien waren dort, um Ostern zu feiern. Laut Polizei sind 15 Christen unter den Opfern. Augenzeugen erzählten, verletzte Opfer seien mit Rikschas und Taxis in Krankenhäuser gebracht worden.

Der Täter ist ein 28-jähriger Mann aus Süd-Punjab. Er war Lehrer an einer Religionsschule, rekrutiert hatte ihn die pakistanische Taliban-Gruppe Jamaat ul-Ahrar. Zu Journalisten sagte ein Sprecher, dass die Tat sowohl gegen Christen gerichtet gewesen sei als auch gegen die Regierung. Seit im Dezember 2014 pakistanische Taliban in einer von der Armee betriebenen Schule in Peshawar 136 Kinder getötet hatten, hat die Armee ihre Operationen gegen Extremisten massiv erweitert. Dem Terrorismus werde das Rückgrat gebrochen, wiederholt der Armeechef immer wieder. Die Zahl der Anschläge ging 2015 auch stark zurück. Doch jüngst gab es ein Attentat auf einen Bus voller Regierungsangestellter; 16 Menschen starben. Ende Februar hatten pakistanische Taliban eine Universität angegriffen und mehr als 20 Menschen getötet, darunter 17 Studenten. Kurz darauf kündigten sie weitere Anschläge an. Und nun die Bluttat in Lahore. Das zeigt, dass Extremisten weiter über Ressourcen und Rekruten verfügen. Nach Medienberichten wurden inzwischen drei Verwandte des Täters festgenommen.

Der Anschlag hat das Leben in der Sieben-Millionen-Stadt Lahore gelähmt. Bilder der ersten Begräbnisse zeigten Frauen weinend über kleinen Särgen. Eine dreitägige Trauerzeit wurde angesetzt. Schulen blieben geschlossen, am Montagmorgen gab es kaum Verkehr. Der pakistanische Ministerpräsident Nawaz Sharif rief dazu auf, die Streitigkeiten in der Gesellschaft zu begraben, um dem Terrorismus mit Stärke entgegenzutreten. Der Papst, die Bundesregierung, die USA sowie die Vereinten Nationen verurteilten den Terroranschlag scharf. dpa/afp

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