Der Süden hat mehr Stress

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Zunehmender Stress belastet viele Menschen in Deutschland. So wurde das Leben für mehr als die Hälfte in den vergangenen Jahren stressiger. Besonders Erwachsene um die 40 sind betroffen.

Studie

Zunehmender Stress belastet viele Menschen in Deutschland. So wurde das Leben für mehr als die Hälfte in den vergangenen Jahren stressiger. Besonders Erwachsene um die 40 sind betroffen.

Berlin – Millionen fühlen sich zunehmend gestresst: Bei 53 Prozent der Erwachsenen in Deutschland ist das Leben nach eigenem Empfinden in den vergangenen Jahren stressiger geworden. Frauen fühlen sich häufiger gestresst als Männer, Großstädter häufiger als Landbewohner. Das geht aus einer Studie der Techniker Krankenkasse hervor, die gestern in Berlin vorgestellt wurde und für die das Institut Forsa 1000 Menschen befragt hat.

Besonders belastet sind demnach Menschen zwischen 36 und 45 Jahren. 80 Prozent dieser Generation fühlen sich unter Druck. Die Autoren der Studie machen dafür verantwortlich, dass sich Angehörige dieser Altersgruppe oft gleichzeitig um Beruf, Kinder und die eigenen Eltern kümmerten.

Insgesamt fühlen sich fast sechs von zehn Deutschen zumindest teilweise gestresst, jeder Fünfte sogar häufig. Mit 47 Prozent nennen die meisten gestressten Menschen den Beruf als Belastungsfaktor Nummer eins, gefolgt von hohen Ansprüchen an sich selbst (41 Prozent) und privaten Konflikten (34 Prozent). Medizinisch gesehen versetzt Stress den Organismus in erhöhte Alarmbereitschaft. Das muss nicht immer negativ sein: Bei Prüfungen („Lampenfieber“) kann die Person dadurch konzentrierter und leistungsfähiger sein, bei Gefahr kann die höhere Anspannung sogar lebensrettend wirken. Es war der österreichisch-kanadische Mediziner Hans Selye (1907-1982), der 1936 den Begriff „Stress“ (englisch: Druck) prägte. Nicht nur Überforderung im Beruf oder Probleme in der Partnerschaft, auch „Stressoren“ wie Hitze, Kälte, Lärm, Krankheit oder Verletzungen können negativen Stress hervorrufen. Laut Selye reagiert der Körper nach folgendem Muster: Zunächst werden vermehrt Hormone wie Cortisol oder Adrenalin ausgeschüttet, es steigen Herzschlag und Blutdruck. Ist der Stress von Dauer, drohen Erschöpfung, Magengeschwüre, Bluthochdruck und Herzinfarkt.

Die Ergebnisse der TK-Studie im Einzelnen:

Wohnort Deutschland hat ein deutliches Nord-Süd-Gefälle des Gestresstseins: In Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen gaben nur 50 von 100 Menschen an, in ihrem Alltag unter Druck zu stehen. In Baden-Württemberg hingegen berichteten 63 von 100 Menschen von Stress im Alltag – dort wohnen die angespanntesten Deutschen. Ähnlich gestresst sind die Bayern (62), Rheinland-Pfälzer, Hessen und Saarländer. Der Osten bildet in diesem Punkt das Mittelfeld.

Geschlecht Frauen fühlen sich stärker unter Druck stehend als Männer. 63 % der weiblichen Befragten gaben an, gestresst zu sein, unter den Männern waren es nur 52 Prozent.

Alter

Das Stressempfinden steigt ab dem 18. Geburtstag an und erreicht mit 36 bis 45 Jahren den Höhepunkt. Die sogenannte Sandwich-Generation rotiert zwischen Kind, Haushalt und Karriere. Danach sinkt der Stresspegel wieder deutlich ab, Rentner sind die entspanntesten Deutschen.

Stadt oder Land

Es klingt wie ein Klischee, aber es ist Wirklichkeit: Auf dem Land geht es gemütlicher zu als in der Großstadt. In Orten unter 20 000 Einwohnern gaben 21% der Befragten an, gestresst zu sein. In Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern berichteten 32 Prozent der Menschen von Stress.

Familiensituation

Nur in Single-Haushalten, zu denen viele Rentner zählen, halten sich Gestresste und Ungestresste die Waage, heißt es in dem Bericht. Menschen, die in Haushalten mit einer anderen Person leben, tendieren schon zu mehr Stress, ab einem Dreipersonenhaushalt kippt das Verhältnis. Wer sich neben Beruf und Privatleben noch um Kinder kümmert, fühlt sich im Dauer-Mega-Stress.

Bildung

Mit dem Bildungsgrad steigt der Stresslevel. Bei den Befragten mit einem Hauptschulabschluss berichteten 53 Prozent von einem entspannten Alltag, bei den Abiturienten fühlen sich dagegen 66 Prozent gestresst.

Einkommenssituation

Geld soll zwar glücklich machen, aber ein hohes Einkommen ist auch mit Druck bei der Arbeit verbunden. Von den Deutschen, die weniger als 1500 Euro pro Monat verdienen, empfindet nur jeder Dritte die Arbeit als Stressfaktor – in den Gehaltsklassen ab 4000 Euro sind es doppelt so viele.

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