PARODIE UND REALITÄT AUF DEM NOCKHERBERG: WARUM DER ECHTE MARKUS SÖDER DIESMAL UNGEWÖHNLICH WENIG ZU LACHEN HAT

Der Sturz des Helden El Marco

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Original: Die Junge Union mit ihren Markus-Söder-Schildern.

München – Die Gesetze des Nockherbergs verlangen von Politprofis: Lächle, wenn dir nach Schreien zumute ist.

Ganz vorne hat der BR Kameras postiert, sie fangen in der Sekunde die echten Politiker ein, in der sie auf der Bühne derbleckt werden. Wer entgeistert schaut, wirkt eingeschnappt und humorlos.

Markus Söder, gelernter BR-Redakteur, weiß das genau. Mit fortschreitendem Singspiel wurde er aber immer ernster. Von Minute zu Minute amüsierte er sich weniger über die Parodie auf der Bühne. „Ähm, gut, schön“, sagte er nach dem Auftritt mit letzter Selbstbeherrschung in die Kameras, verließ den Saal eilig. Wer ihn etwas kennt, ahnt: Er fand es furchtbar.

Aus gutem Grund. Der designierte Ministerpräsident wurde extrem bitter dargestellt. Kraftmeiernd, ruppig, aber umwerfend lustig spielte ihn Stephan Zinner in den vergangenen zehn Jahren, machte sich damit zum Publikumsliebling. In diesem Jahr kippt die Söder-Figur: Als eitler, dreckiger, intriganter Immobilienspekulant steht er am Ende da, einer, der seine Heimat verkauft.

Alles nur Spaß? Vordergründig ja, aber imagebildend vor dem TV-Publikum wenige Tage vor der Wahl zum Ministerpräsidenten. Vor allem treffen die Autoren zwei heikle Punkte. Im echten Leben holt den Finanzminister gerade der Polit-Streit um den Verkauf der zehntausenden GBW-Wohnungen ein, der zu fetten Mieterhöhungen führte. Seit ein dünner, aber aufregend klingender Schwarzgeld-Verdacht im Raum steht, droht im Landtag in der heiklen Phase kurz vor der Wahl ein Untersuchungsausschuss. Söder weiß: Es muss nicht mal was dran sein, um ihm dennoch massiv zu schaden.

Dann ist da noch die Sache mit den jungen, schleimigen Jublern vom Singspiel-Balkon. Sie recken „El Marco“- Schilder in die Luft, lobpreisen kritiklos und doof ihren Meister. Der normale Zuschauer findet’s lustig, die Politbranche erkennt sofort das reale Vorbild: Auf einem Landestreffen der Jungen Union im November brachten (vor allem fränkische) Delegierte „MP-Söder“-Schildchen mit. Es war ein offener Affront gegen Noch-Regierungschef Horst Seehofer. Für Söder, der jeden dokumentierbaren Beleg eines Putsches gegen Seehofer vermeiden wollte, sich aber mit den Schildchenträgern fotografieren ließ, war das ein grober Fehler. Der Nockherberg kocht das auf. Mehr noch: Als sich der Bühnen-Söder als geschmierter Spekulant entpuppt, wenden sich alle gegen ihn, die Jubel-Bubis jagen ihn mit gezückten Colts von der Bühne.

Der echte Söder tourt gerade mit einer Image-Kampagne durch Bayern, will in Auftritten vor ein paar hundert Leuten zeigen, dass er ein netter Kerl ist, ganz andere Seiten hat. Ein derart negatives Singspiel-Image vor fast drei Millionen Zuschauern ist da nicht hilfreich. Und kann zäh wie Kaugummi kleben. Erwin Huber, dessen Figur vor 15 Jahren immer als Stoibers Hanswurscht über die Bühne wieseln musste, könnte viel darüber erzählen.

Einer lachte von Minute zu Minute herzhafter – Seehofer. Am Ende sagte er über das Singspiel einen Satz, der wie ein Lob klingt. „Da wurden alle Charaktere sehr gut getroffen.“ Chr. Deutschländer

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare