6 FRAGEN AN

„Der Staat hat versagt“

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Axel Friedrich

Axel Friedrich, 71, ist Chemiker und Umwelt-Experte, er leitete die Abteilung Verkehr und Lärm beim Bundesumweltamt.

Heute arbeitet er als Sachverständiger für die Deutsche Umwelthilfe.

Herr Friedrich, sind Dieselfahrzeuge grundsätzlich Giftschleudern?

Nein, es gibt einige wenige Diesel, die die Grenzwerte einhalten. Aber die meisten Fahrzeuge auf den Straßen liegen deutlich über den erlaubten Werten.

Woran orientieren sich die Grenzwerte?

Man muss unterscheiden zwischen Emissions- und Immissionswerten. Erstere werden von den technischen Möglichkeiten und den Notwendigkeiten der Umwelt abgeleitet. Letztere richten sich nach den Ergebnissen gesundheitlicher Studien, die zum einen die Belastung für den Menschen, aber auch für die Natur bemessen. Man hat ja oft den Eindruck, es ginge nur um die Gesundheit des Menschen. Aber auch die Natur wird geschädigt.

Könnte das Verschwinden von Dieselfahrzeugen die Luft komplett bereinigen?

In den Städten stammen an massiv belasteten Stellen etwa 70 bis 75 Prozent der Schadstoffe von Fahrzeugen. Die könnte man durch ein Verbot von Dieselfahrzeugen beseitigen. Es gibt ja auch die Möglichkeit, Dieselfahrzeuge sauber zu machen.

Könnten alle Diesel nachgerüstet werden?

Technisch kann jedes Fahrzeug nachgerüstet werden. Die Frage ist, ob jemand für ein zehn Jahre altes Auto noch 1500 Euro investiert. Wenn man betroffen ist, muss man prüfen, ob sich das lohnt oder ob man nicht lieber ein neues kauft.

Warum wurde den Leuten so lange weis- gemacht, dass Diesel saubere Fahrzeuge sind?

Man hat als Käufer ein Vertrauen, dass man Euro6 bekommt, wenn man Euro6 kauft. Und man muss darauf vertrauen können, dass der Staat einen schützt, wenn das nicht der Fall ist. Das Versagen liegt bei den Herstellern, aber auch beim Staat.

Gibt es Alternativen zu Fahrverboten?

Wenn betroffene Fahrzeuge eine Hardware-Nachrüstung bekommen, kann man Verbote vermeiden. Für mich ist völlig unverständlich, dass der Verkehrsminister – der neue wie der alte – die blaue Plakette nicht vorantreibt. Das wäre die einfachste Möglichkeit, schmutzige von sauberen Dieseln zu unterscheiden.

Interview: Kathrin Brack

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