DRASTISCH MEHR EINBRÜCHE IN SÜDBAYERN

Der Staat stellt sich dumm

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Diese Zahl ist eine blanke Katastrophe – und zwar nicht nur für die Betroffenen selbst, die mit der traumatischen Erfahrung fertigwerden müssen, dass ihr Heim sie nicht behütet hat: Um fast zehn Prozent ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im südlichen Oberbayern im vergangenen Jahr nach oben geschnellt.

Der Anstieg ausgerechnet in dem Bundesland, das wie kein anderes die Sicherheit seiner Bürger zu seinem Markenzeichen gemacht hat, verstärkt das mit der Flüchtlingskrise gewachsene Gefühl vieler Menschen, der Staat verliere immer mehr die Kontrolle über das, was innerhalb seiner Grenzen geschieht. Es ist dasselbe Gefühl, das die Briten zum Brexit trieb. Und das die Amerikaner dazu brachte, sich einem „starken Führer“ wie Donald Trump in die Arme zu werfen.

Dabei geht es in diesem Fall gar nicht um Flüchtlinge: Es sind hochprofessionelle Banden aus Osteuropa, die bei ihren Raubzügen systematisch ganze Stadtviertel durchkämmen. Nicht mal Mutige werden behaupten, dass dagegen eine Mauer rund um Deutschland herum hülfe. Was die Bürger allerdings schon erwarten dürfen, ist, dass ihr Staat die Grenzen soweit wie irgend möglich sichert. Und dass er sich nicht auch noch absichtlich dumm stellt bei der Jagd nach den Tätern. Ein Beispiel: Die Gewerkschaft der Polizei fordert seit langem, dass zur Ermittlung der Täter die Auswertung von Handydaten mit richterlichem Beschluss bei „normalen“ Einbrüchen möglich sein muss – und nicht nur bei bandenmäßiger Kriminalität. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz, denn genau dieser Nachweis, dass es sich um die Tat einer Bande handelt, ergibt sich in der Regel erst nach Auswertung der Handydaten.

Unser Staat muss stärker, wehrhafter werden. Doch statt den Werkzeugkasten der Polizei um neue Instrumente zu ergänzen, setzt er auf die Eigeninitiative seiner Bürger. Wer sein Heim mit viel Hightech schützt, kriegt einen Steuerbonus. Die Einbrecher suchen sich dafür leichter zu knackende Objekte. Das alles wäre eine Lachnummer – wenn es nicht so traurig wäre.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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