Spott über Vegetarier-Tag: „Wir gönnen jedem sein Würstchen“

Berlin – Die Grünen stoßen mit der Idee eines fleischlosen Tags in Kantinen auch bei Gewerkschaften und der Industrie auf großen Widerspruch. „Wir sind gegen jede Form der Bevormundung“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Franz-Josef Möllenberg.

„Fleisch und Wurst gehören zu einer ausgewogenen Ernährung nun einmal dazu.“

Union, FDP und Linke hatten sich schon am Montag kritisch geäußert. Die Grünen hatten bereits Ende April in ihrem Wahlprogramm die Forderung nach einem „Veggie Day“ in Kantinen festgeschrieben, um die Gesundheit sowie den Tier- und Klimaschutz zu fördern. „Unsere Mitarbeiter sollten selbst entscheiden, was sie essen wollen“, klagte der Verband der Familienunternehmer. Ähnlich äußerte sich die Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie: „Hinter diesen Plänen steht ein ganz seltsames Bevormundungsmodell.“

Der Vegankoch und Buchautor Attila Hildmann („Vegan for Fit“) sprach sich ebenfalls gegen einen verpflichtenden „Veggietag“ in deutschen Kantinen aus. „Ich animiere die Menschen, diese genussvolle, bunte Küche selber auszuprobieren“, sagte er. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach meinte: „Wir sollten in den Kantinen gesündere Kost anbieten und den Fleischkonsum verringern.“ Zwangslösungen seien aber nicht dienlich. Auch Kanzlerkandidat Peer Steinbrück distanzierte sich im BR-Fernsehen von seinem Wunschpartner Grüne mit dem ironischen Satz: „Die haben noch nicht mitgekriegt, dass es jetzt um die Wurst geht.“

Skurrile Züge zeigt die Debatte im Internet. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Lars Lindemann montierte das Parteilogo der Grünen auf ein den NSDAP-Motiven ähnelndes Plakat. Er erhielt dafür heftige Kritik und löschte das Motiv. Die Grünen verbreiteten auf Twitter ein Foto von FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle mit dem Satz: „Wir gönnen jedem Terrier sein kleines Würstchen.“  mm/dpa

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