ERMITTLER: RUSSISCHE RAKETE SCHOSS FLUG MH17 AB

Späte Wahrheit

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Die Wahrheit ist manchmal eine Schnecke. Mehr als drei Jahre intensiver Untersuchungen hat es gedauert, bis ein internationales Ermittlerteam beweisen konnte, dass es eine russische Rakete war, die am 17. Juli 2014 Flug MH17 mit 298 unschuldigen Menschen an Bord vom Himmel über der Ostukraine holte.

Dass diese Rakete von der 53. Flugabwehrbrigade im russischen Kursk stammte – also direkt aus Putins Streitkräften. Das Ergebnis der akribischen Recherche überrascht ebenso wenig wie die abgebrühte Reaktion des Kreml: Auch auf unwiderlegbare Tatsachen antwortet Putins Russland stets mit alternativen Fakten. Im Propagandakrieg mit dem Westen bleibt kein Platz für das Zugeben von Fehlern. Der Abschuss von MH17 war ein tragisches Missverständnis im Bürgerkrieg in der Ostukraine – erst das hartnäckige Leugnen, das Legen immer neuer falscher Fährten und die unfassbare Kälte gegenüber dem Leid der Angehörigen machen daraus ein zynisches Staatsverbrechen.

Groß und verständlich ist in Europa, vor allem in Deutschland, der Wunsch, mit dem mächtigen Nachbarn im Osten wieder zu gedeihlicheren Beziehungen zu kommen. Manchmal ist er sogar so überwältigend, dass Politiker wie FDP-Vize Kubicki den einseitigen Abbau von Sanktionen ohne jede Gegenleistung Moskaus ins Spiel bringen. Das freilich bleibt ein mühsames und wenig Erfolg versprechendes Geschäft. Weil Autokraten wie Putin, Trump, Erdogan oder auch der chinesische Alleinherrscher Xi Jinping auf das Recht des Stärkeren pochen und jedes Entgegenkommen als Zeichen der Schwäche deuten – und als Ermutigung, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Europa wird darauf zu reagieren haben. Will es in der neuen globalen Eiszeit bestehen, muss es sich warm anziehen. Vor allem muss es einig sein, darf sich nicht auseinanderdividieren lassen. Genau darauf zielt ja die Strategie Trumps, wenn er mit Macron flirtet. Und auch des Kreml, wenn er Links- und Rechtspopulisten in Deutschland, Frankreich und Italien umgarnt, wenn er einflussreiche (Ex-)Spitzenpolitiker kauft und törichte AfD-Politiker sich von Moskau zu Gratisreisen in Putins Schattenreich einladen lassen.

Georg Anastasiadis

Sie erreichen den Autor unter

Georg.Anastasiadis@ovb.net

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare