Sinnvoll und gerecht

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Vermögensabgabe in pleitebedrohten Staaten Die Deutsche Bundesbank hat einen leider etwas späten, aber dennoch guten Vorschlag zur Bewältigung der Staatsschuldenkrise in Europa unterbreitet.

Droht einem klammen Mitgliedsstaat die Insolvenz, soll der bitteschön zuerst seine eigenen vermögenden Bürger zur Kasse bitten anstatt gleich nach Hilfsmaßnahmen der Solidargemeinschaft zu rufen.

Es spricht nichts dagegen, dass Italien, Spanien oder Griechenland – diese Länder hat die Bundesbank wohl vor allem im Visier – ihre Bürger zu einem Darlehen für das Gemeinwesen verpflichten. Nicht zuletzt deshalb, weil gerade diese südeuropäischen Nachbarn im Durchschnitt mehr Geld auf der hohen Kante haben als etwa die Deutschen. In Italien steht der Staatsverschuldung von 127 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein Finanzvermögen der Privathaushalte von 175 Prozent des BIP gegenüber.

Bevor also deutsche Steuerzahler für die Schulden anderer Länder gerade stehen, ist es sinnvoller und vor allem gerechter, dass zunächst die eigenen Bürger ihrem notleidenden Staat Geld borgen. Experten sehen in einer Zwangsabgabe ein geeignetes Instrument, um hohe Staatsschulden in Krisenländern abzubauen und marode Banken zu entschulden. Die Anleihen können ja ordentlich verzinst werden. Das hilft dem Patriotismus der eigenen Staatsbürger auf die Sprünge. Und die so zur Ader gelassene Finanz-Elite würde den Reformdruck auf die eigene Regierung hoch halten. Ein unschätzbarer Vorteil, bewahrt er die europäischen Rettungsschirme und damit die solide wirtschaftenden EU-Staaten vor Überlastung.

Vermögensabgaben in fiskalischen Notsituationen sind ein Stück Selbstverantwortung und auch deswegen notwendig, damit bei der nächsten größeren Finanzkrise nicht mit einer Zwangsabgabe auf die Spareinlagen aller EU-Bürger reagiert wird – unabhängig von Höhe und Verteilung der Vermögen. Solche Gedankenspiele hatte der Internationale Währungsfonds vor gar nicht langer Zeit schon angestellt.

Bettina Bäumlisberger

Sie erreichen die Autorin unter

Bettina.Baeumlisberger@ovb.net

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