NACH MILITÄRPUTSCH

Simbabwe: Die erste Wahl nach Mugabe

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Sie nennen ihn „das Krokodil“: Emmerson Mnangagwa, 75. Reuters

Der verarmte Staat könnte einen historischen Neuanfang wagen, doch Favorit ist ein Vertreter der alten Garde mit dunkler Vergangenheit

Harare – Zum ersten Mal seit fast 40 Jahren wird bei der Wahl in Simbabwe der Name Robert Mugabe nicht mehr auf dem Wahlzettel stehen. Der frühere Präsident wirtschaftete das Land von der Kornkammer des südlichen Afrikas zu einem Armenhaus herunter. Jetzt steht Simbabwe vor einem dringend nötigen Neuanfang. „Die Wahl ist für Simbabwe die wichtigste seit der Unabhängigkeit“ im Jahr 1980, sagt der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Die knapp sechs Millionen Wahlberechtigten müssen sich heute zwischen 23 Kandidaten entscheiden. Wirkliche Chancen werden aber nur zwei Bewerbern eingeräumt. Präsident Emmerson Mnangagwa von der Regierungspartei Zanu-PF geht als Favorit ins Rennen, doch Nelson Chamisa von der größten Oppositionspartei MDC liegt einer aktuellen Umfrage zufolge nur knapp hinter ihm.

Es ist eine Richtungsentscheidung: Mnangagwa, 75, war lange Minister und später Mugabes rechte Hand, er ist ein Vertreter der alten Garde. Sein Wahlsieg würde die Herrschaft der Regierungspartei in ein viertes Jahrzehnt verlängern. Chamisa, 40, hingegen, ein gelernter Jurist und Pastor, steht für einen Neuanfang.

Die meisten Simbabwer haben nie einen anderen Präsidenten gekannt als Mugabe. Wenn die Wahlen komplett frei und fair wären, hätte Chamisa wohl große Chancen. Der Wahlkampf verlief zwar weitgehend gewaltfrei und ohne große Einschüchterungskampagnen gegen Oppositionelle, wie es unter Mugabe zur Norm geworden war. Doch Mnangagwa und Zanu-PF haben die staatlichen Ressourcen geschickt für ihre Kampagne genutzt. In staatlichen Medien, die vor allem auf dem Land oft die einzige Nachrichtenquelle sind, kam Chamisa kaum vor.

Chamisa zufolge ist auch die Wahlkommission parteiisch zugunsten Mnangagwas. Der Präsident bestreitet das. Chamisas Bewegung für demokratischen Wandel (MDC) entschloss sich gegen einen Wahlboykott. „Es ist Zeit für einen Wechsel. Wir werden diese Wahl gewinnen“, sagte Chamisa kurz vor der Wahl. E

Wer auch immer die Wahl gewinnt, steht vor enormen Herausforderungen. Mugabes Politik der Enteignung weißer Landeigentümer zu Beginn des Jahrtausends stürzte die Wirtschaft in eine tiefe Krise. Die Landwirtschaft brach zusammen. Es folgten Rezession und Hyperinflation. Um ein Stück Butter zu kaufen, brauchten Menschen am Höhepunkt der Krise ein Bündel Banknoten zu jeweils 100 Trillionen Simbabwe-Dollar.

Simbabwes Wirtschaftsleistung ist heute mit rund 900 US-Dollar pro Kopf niedriger als 1980, als der damalige Freiheitskämpfer Mugabe an die Macht kam. Der heute 94-jährige Mugabe wollte eigentlich erneut kandidieren. Zudem baute er seine unbeliebte Ehefrau, 53, als Nachfolgerin auf. Im November entließ er Vizepräsident Mnangagwa, weil er in ihm einen Rivalen sah. Das war für die Streitkräfte zu viel des Guten: Das Militär putschte und drängte Mugabe zum Rücktritt. Die bis dahin treu zu Mugabe stehenden Abgeordneten vergaßen ihn in Windeseile und wählten Mnangagwa.

Mnangagwa, der wegen seiner Skrupellosigkeit oft „das Krokodil“ genannt wird, ist ein Mann der Sicherheitskräfte. In den 1980er-Jahren war er als Geheimdienstminister Menschenrechtlern zufolge einer der Architekten der Massaker in der Region Matabeleland. Dabei wurden Tausende Menschen der Ndebele-Volksgruppe getötet. Doch nun gibt er sich als geläuterter Demokrat. Jürgen Bätz

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