ZUM ENDE DES KOREA-GIPFELS SCHLÄGT KIM EIN NEUES TREFFEN MIT US-PRÄSIDENT TRUMP VOR – SCHON BALD ERSTE GESPRÄCHE VERABREDET

USA setzen Nordkorea Abrüstungs-Frist

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Auf dem Gipfel des höchsten koreanischen Berges: Kim Jong Un und Moon Jae In mit ihren Gattinnen. Foto: afp

Seoul/Washington – Pilze also. Gleich zwei Tonnen (!) der Edel-Sorte Matsutake gab Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seinem südkoreanischen Amtskollegen Moon Jae In als Geschenk mit auf den Heimweg.

Nicht zum persönlichen Verzehr – sondern als Erntedank-Gabe für Familien, die im Korea-Krieg auseinandergerissen wurden.

Jenseits der großen Schwammerl-Symbolik bemühten sich beide Staatsführer bei ihrem Drei-Tage-Gipfel, wieder Schwung in den Atomstreit zu bringen. Offenbar mit Erfolg. Nach Kims Abrüstungsangeboten wollen die USA die festgefahrenen Gespräche nun wieder aufnehmen, setzen aber eine Frist. Bis Januar 2021 solle das Land abgerüstet haben, sagte US-Außenminister Mike Pompeo. Just dann läuft übrigens die Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ab.

Moon zeigte sich nach seiner Rückkehr aus Pjöngjang am Donnerstag optimistisch. Kim habe den Wunsch nach vollständiger Denuklearisierung sehr früh geäußert, sagte er. Nun müssten aber auch die USA Verständnis für die Positionen Nordkoreas zeigen.

Erste Gespräche sind schon bald geplant. Pompeo lud seinen nordkoreanischen Kollegen Ri Yong Ho schon nächste Woche zu einem Treffen am Rande der UN-Vollversammlung in New York ein. Außerdem sollen sich nordkoreanische Beamte mit dem US-Sonderbeauftragten Stephen Biegun in Wien treffen. Moon zufolge hofft Kim zudem, dass Pompeo seinen abgesagten Pjöngjang-Besuch bald nachholt. Außerdem wünsche er sich ein zweites Gipfeltreffen mit Trump. Weitere Details der Gespräche mit Kim will Moon dem US-Präsidenten am Montag in New York persönlich übermitteln.

Ein erstes großes Zeichen der Annäherung soll eine „politische Erklärung“ über das Ende des Korea-Krieges sein. Ein Friedensvertrag soll später ausgehandelt werden. Seit Kriegsende 1953 gilt nur ein Waffenstillstand.

In das Ringen um Nordkoreas Atomprogramm war am Vortag schon Bewegung gekommen. Kim hatte angeboten, seine wichtigste Atomanlage Yongbyon abzubauen, wenn die USA Zugeständnisse machen. Außerdem will er eine große Raketentestanlage unter Aufsicht von „Experten betreffender Länder“ weiter abbauen. Wann und wie das passieren soll, ließ er offen.

Über die Ernsthaftigkeit seiner Absichten gibt es geteilte Meinungen. Nordkorea-Experte Bernt Berger von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik ist optimistisch. „Ich denke schon, dass Kim bereit ist, sein Atomprogramm aufzugeben, wenn sich auch die USA bewegen.“ Bisher fährt die Trump-Regierung aber eine Strategie des maximalen Drucks nach dem Motto: Sanktionen fallen nur, wenn Kim alle Bedingungen erfüllt hat. Berger glaubt, dass auch Pompeos Abrüstungsfrist Druck erzeugen soll. „2021 ist natürlich völlig unrealistisch.“

Einiges könnte sich bei einem zweiten Kim-Trump-Gipfel klären, den Experten für durchaus wahrscheinlich halten. Manche glauben sogar an einen Termin vor den US-Kongresswahlen im November. Trump könne so dem „negativen Nachrichtenzyklus entkommen“, sagt etwa Woo Jung Yeop vom Sejong Institut.

Zum Abschluss ihres Gipfels besuchten Moon und Kim übrigens den höchsten Berg Koreas, den Paektu. Der Vorschlag kam von Kim. Als wollte er sagen: Es wird ein mühsamer Weg.  mmä/dpa

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