Nur vier Minister twittern noch nicht

Seehofer kündigte „Wahrheiten“ an - nun bekommt er doch keinen Twitter-Account

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Horst Seehofer.

Horst Seehofer wollte eigentlich ungefilterte „Wahrheiten“ ans Volk bringen. Nun fällt sein Twitter-Vorstoß etwas schmaler aus als gedacht... Andere Minister sind ihm da voraus.

Berlin/München - Die Ankündigung stammt aus jener Phase, in der Innenminister Horst Seehofer (CSU) den Medien wiederholt „Kampagnen“ gegen seine Person vorwarf. Und sie wurde in einem Bierzelt getätigt. In Töging bei Mühldorf versprach Seehofer, er werde künftig twittern. „Ich sehe mich jetzt gezwungen, weil ich manche Wahrheiten sonst nicht unter eine breitere Bevölkerung bekomme“, sagte er. Ende August sollte es losgehen. 

Auf dem Kurznachrichtendienst ist Seehofer aber nach wie vor nicht zu finden. Bricht der CSU-Chef sein Versprechen? Eine Auskunft des Innenministeriums an Spiegel Online lässt zumindest auf einen gewissen Verzug schließen - und darauf, dass Seehofers Ausflüge ins Virtuelle nicht ganz so aussehen werden, wie man hätte vermuten können.

Seehofers Ministerium erklärt: Nach der Sommerpause geht‘s los - aber nur auf dem Ministeriums-Account

"Nach der parlamentarischen Sommerpause wird Minister Seehofer twittern", teilte eine Sprecherin der Webseite mit. Die Sommerfrische ist im Bundestag offiziell am 10. September beendet.

Stärker ins Gewicht fällt womöglich der zweite Teil der Informationen aus Berlin. Denn offenbar will Seehofer auf einen eigenen Account - wie ihn etwa die Ministerkollegen Olaf Scholz, Heiko Maas, Katarina Barley, Svenja Schulze (alle SPD) oder auch Peter Altmaier und Julia Klöckner (CDU) pflegen - verzichten. Stattdessen wird er den Kanal seines Ressorts nutzen. 

"Seine Tweets sind auf dem BMI Twitter-Kanal durch sein Namenskürzel erkennbar“, hieß es weiter aus dem Ministerium. Das ganze Vorhaben scheint also etwas eingedampft.

„Fake News“ wie bei Trump - aber lange nicht so viele Follower

Bereits beim Auftritt in Töging hatte Seehofer angekündigt, er werde Twitter zwar nutzen, aber vielleicht „in einem anderen Stil“ als US-Präsident Donald Trump. Trump hält mit seinen Tweets täglich die Weltpolitik in Atem - und immerhin 54,1 Millionen Follower.

Ob Seehofers Posts über den offiziellen Ministeriums-Account - auf dem sich zum Beispiel auch eher trockene Terminankündigungen und Statistiken finden - ein ähnlich großes Publikum erreichen werden, bleibt abzuwarten. Aktuell hat Seehofers Innenministerium 40.700 Follower.

Dass er durchaus Teile von Trumps berühmt-berüchtigtem Twitter-Vokabular beherrscht, hatte Seehofer schon im Juni gezeigt: Wie der US-Präsident warf er den Medien das Verbreiten von „Fake News“ vor - und kassierte heftige Kritik. 

Im Überblick: Diese Minister aus Merkels Kabinett twittern schon

Seehofer bleibt damit in jedem Fall ein Exot in der Regierung Merkel. Denn elf von 15 Ministern haben einen eigenen Twitter-Account. Ihr Erfolg auf dem Kurznachrichtendienst ist dabei sehr unterschiedlich. Während Außenminister Heiko Maas 286.000 Follower hat muss sich Bildungsministerin Anja Karliczek mit 5.239 Abonnenten begnügen. Aus der CSU-Riege hat nur Verkehrsminister Andreas Scheuer mit einem eigenen Account den Weg auf Twitter gefunden. (Stand 31. August 2018)

Minister

Posten

Follower

Heiko Maas (SPD)

Außenminister

286.000

Peter Altmaier (CDU)

Wirtschaftsminister

235.000

Jens Spahn (CDU)

Gesundheitsminister

75.700

Hubertus Heil (SPD)

Arbeitsminister

61.700

Julia Klöckner (CDU)

Landwirtschaftsministerin

54.500

Andreas Scheuer (CSU)

Verkehrsminister

42.500

Olaf Scholz (SPD)

Finanzminister

37.900

Katarina Barley (SPD)

Justizministerin

25.900

Helge Braun (CDU)

Kanzleramtschef

14.100

Svenja Schulze (SPD)

Umweltministerin

6.492

Anja Karliczek (CDU)

Bildungsministerin

5.293

Franziska Giffey (SPD)

Familienministerin

kein Account

Ursula von der Leyen (CDU)

Verteidigungsministerin

kein Account

Gerd Müller (CSU)

Entwicklungshilfeminister

kein Account

Horst Seehofer (CSU)

Innenminister

kein Account

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fn

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