US-BOTSCHAFTER

Scharfzüngig: Trumps Mann für Berlin

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Richard Grenellist vom US-Senat bestätigt worden

Washington – Er ist ein smarter und scharfzüngiger Verteidiger von US-Präsident Donald Trump: Der PR-Berater Richard Grenell ist als neuer US-Botschafter in Berlin bestätigt worden, nachdem der Posten 15 Monate lang verwaist war.

Der 51-Jährige hatte sich schon im Wahlkampf mächtig für Trump ins Zeug gelegt, als eifriger TV-Kommentator und Twitterer nahm er dann den Präsidenten in der Russland-Affäre in Schutz. Ein Klischee-Konservativer aber ist Grenell nicht: Er lebt offen schwul und tritt für die Homo-Ehe ein.

Der US-Senat bestätigte die umstrittene Personalie just am Tag vor dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Trump in Washington. Vorausgegangen war eine monatelange Hängepartie: Der US-Präsident hatte Grenell schon im September nominiert, im Senat stieß der Kandidat aber auf heftigen Widerstand. Die oppositionellen Demokraten warfen ihm unter anderem Frauenfeindlichkeit vor und verwiesen auf „abfällige Kommentare“ über Frauen auf Twitter. Kritik wurde auch an seiner bedingungslosen Unterstützung für Trump in der Russland-Affäre laut: Die Affäre um die mutmaßlichen russischen Einmischungen in den US-Wahlkampf hat er als aufgeblasen bezeichnet.

Dass Grenell Erfahrung auf dem diplomatischen Parkett hat, daran gibt es indes keine Zweifel: Unter Präsident George W. Bush war er sieben Jahre lang Sprecher der US-Delegation bei der UNO und vertrat damals auch den Botschafter in Sitzungen des UN-Sicherheitsrats. Einer der US-Botschafter in dieser Zeit hieß John Bolton – der Hardliner ist seit kurzem Trumps Nationaler Sicherheitsberater.

Bei den Vereinten Nationen arbeitete Grenell häufig mit deutschen Diplomaten zusammen, etwa bei den UN-Sanktionen gegen den Iran. Er erlebte die Deutschen aber auch als Kontrahenten, vor allem im Streit um den US-Einmarsch im Irak.

Grenell stammt aus dem Bundesstaat Michigan im Mittleren Westen der USA und wuchs in einem evangelikalen Elternhaus auf. Von seinen konservativen Wurzeln hat er sich zumindest teilweise emanzipiert. Grenell hat eine langjährige Beziehung zu einem Mann und bekennt sich seit Ende der neunziger Jahre offen zu seiner Homosexualität.

Grenell, der an der Elite-Universität Harvard einen Abschluss in öffentlicher Verwaltung machte, ist Mitbegründer einer international aktiven PR-Firma. In Twitterbotschaften gewährt er Einblicke in sein Privatleben. So outete er sich als Fan der Popsängerin Britney Spears und berichtete von seiner Krebserkrankung, die vor einigen Jahren erfolgreich mit einer Chemotherapie behandelt wurde. Auf Twitter würdigte Grenell aber auch die „unzerbrechliche Verbindung“ der USA zu Europa. Wie das zu Trump passt, wird man sehen.

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare