Auf Roadtrip mit dem Luxus-Liner

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Unabhängiger Urlaub und ein Hauch von Abenteuer: Reisen mit dem Wohnmobil liegen im Trend. Auch Lothar und Romana Eggerstorfer aus Gräfelfing sind leidenschaftliche Wohnmobilisten. Mit ihrem Luxus-Camper ist das Paar über fünf Monate im Jahr unterwegs.

Urlaub mit wohnmobil und Wohnwagen

von marion neumann

Gräfelfing – Bevor Romana Eggerstorfer, 58, die Tür zum Wohnmobil öffnet, hält sie kurz inne. „Wir wollen nicht abgehoben rüberkommen“, sagt sie fast entschuldigend, „aber wir haben immer gesagt: Wenn wir uns ein Neues anschaffen, dann muss es perfekt sein.“ Schon von außen wirkt der sieben Tonnen schwere Koloss mit der glänzenden Außenverkleidung majestätisch. Doch vor allem an der Innenausstattung des Wohnmobils sieht man, dass es sich hier um ein Luxusmodell handelt: hochwertige Holzvertäfelung, eine voll ausgestattete Küche mit Backofen und ein geräumiger Sitzbereich. Zufrieden streicht die Münchnerin mit der braun gebrannten Hand über die Sitzbezüge aus hellbraunem Veloursleder: „Es ist schon der Mercedes unter den Wohnmobilen.“

Zwei Jahre ist es her, dass Romana Eggerstorfer und ihr Mann Lothar, 62, sich für den Luxus-Camper der Marke „Concorde“ entschieden haben. Jetzt parkt das Fahrzeug, das etwa 220 000 Euro gekostet hat, bei ihrem Haus in Gräfelfing. „Wir haben den Kauf nicht eine Sekunde bereut. So flexibel und ohne irgendwelche Vorgaben verreisen zu können – das war es uns einfach wert“, sagt Lothar Eggerstorfer. Zum „Caravaning“ – also dem Verreisen mit Wohnmobil oder Caravan – gekommen ist das Paar nach einem Urlaub in den USA. Dort hatte es sich vor vielen Jahren zum ersten Mal ein Reisemobil für einen Roadtrip gemietet. Danach stand fest: Das ist seine Art zu reisen.

„Wir sind jedes Jahr etwa fünf Monate mit dem Wohnmobil unterwegs. In der Nebensaison geht es nach Spanien und Portugal, manchmal auch nach Italien. Den Herbst verbringen wir in Kroatien“, erklärt Lothar Eggerstorfer. Er ist Rentner, seine Frau arbeitet von November bis Februar in Teilzeit als Assistenz der Geschäftsführung in einem Büro. „Gott sei Dank konnten wir uns das bisher immer leisten. Wir haben keine Kinder, für die wir etwas zurücklegen müssten“, sagt sie.

Unabhängig sein und trotzdem nicht auf Komfort verzichten zu müssen – das kommt nicht nur bei den Eggerstorfers gut an. Laut Daniel Rätz vom „Caravaning Industrie Verband“ (CIVD) steigen die Zulassungen seit mehreren Jahren. In Bayern waren Anfang 2018 93 969 Wohnmobile gemeldet. Bei über 7600 davon handelte es sich um Neuzulassungen aus dem Vorjahr – ein Plus von etwa 13 Prozent. Auch die Zahl der Zulassungen von Wohnwägen hat zugenommen. Natürlich haben nicht alle Caravaning-Begeisterten ein so kostspieliges Modell wie die Eggerstorfers. Kleinere Wohnmobile mit einfacher Ausstattung gibt es ab etwa 40 000 Euro. Auch umgebaute Kastenwägen und Transporter sind gerade bei jüngeren Campern beliebt.

Die Zeiten, in denen Caravaning mit dem spießigen Wohnwagen-Besitzer samt Rollrasen und Gartenzwergen in Verbindung gebracht wurde, sind vorbei. „Bei dieser Art des Reisens schwingt immer ein Hauch von Abenteuer mit. Man ist ständig unterwegs, auf der Straße und in der Natur“, sagt Rätz. Wie aufregend der Campingtrip ist, wird in den sozialen Medien unter dem Hashtag #vanlife geteilt.

Beim Luxusmodell der Eggerstorfers mit elektronisch ausfahrbarer Markise, angepasstem Weinregal und eingebautem Stellplatz für den Elektroroller steht der Komfort im Vordergrund. Und doch sagt auch Lothar Eggerstorfer: „Auf dem Campingplatz ist es nicht wie in der Kleingartenanlage.“ Beim Caravaning lerne man ganz unterschiedliche Leute kennen. „Auf den Reisen entstehen Freundschaften. Ein Paar in unserem Alter haben wir in Spanien kennengelernt. Jetzt fahren sie im Herbst mit uns an einen Campingplatz in Kroatien“, erzählt er.

Zu guten Bekannten der Eggerstorfers gehört auch die Familie Dosch, die den „Campingplatz am Wörthsee“ in Seefeld betreibt. Hier verbringt das Ehepaar weitere zwei Monate im Jahr.

Dass Reisen mit Wohnmobil und Wohnwagen im Trend liegt, ist auch an den Betreibern des Platzes nicht vorbeigegangen. „Seit den letzten zwei, drei Jahren gibt es einen großen Ansturm. Viele Gäste buchen jetzt schon wieder für August nächsten Jahres“, erklärt Maria Seethaler, die die Anlage gemeinsam mit ihren Eltern Ludwig und Elfriede Dosch leitet. „Früher habe ich das überhaupt nicht verstanden. ,Was die alles mitschleppen, in ihren Campingwägen’, hab ich mir gedacht“, sagt Seethaler, „doch mittlerweile bin ich selbst begeisterte Camperin.“

Auch am „Campingplatz Utting am Ammersee“ sind die Stellplätze für Wohnmobile schnell belegt. „Wir haben 120 Stellplätze für Touristen“, sagt Juniorchef Korbinian Pickl, „gerade in den Ferien sind die aber schnell ausgebucht.“ Wohnmobilisten empfiehlt er, Plätze mindestens drei bis vier Wochen vor der Anreise zu reservieren.

Dass viele Urlauber mittlerweile Campingstrips der Pauschalreise vorziehen, liegt laut Daniel Rätz an ihren Lebensumständen. „Immer mehr Menschen leben in den Städten. Ihr Alltag ist laut und hektisch. Im Urlaub wollen sie mal rauskommen“, sagt er. Günstiger als ein Urlaub im Hotel mit Flug ist die Reise mit Wohnmobil und Wohnwagen in den meisten Fällen aber nicht. „Für die meisten Leute geht es beim Caravaning nicht um die Kosten, sondern um die Art zu reisen“, sagt Rätz. Eher stelle sich noch die Frage, ob Wohnmobil-Fans ein Fahrzeug kaufen oder mieten würden.

Romana und Lothar Eggerstorfer sind stolz darauf, sich ihren Traum erfüllt zu haben. Bevor sie im September die nächste längere Reise nach Kroatien antreten, steht allerdings eine Fahrt in die Werkstatt an. „Wir wollen einen größeren Tank einbauen lassen. Der jetzige fasst nur etwa 500 Liter“, erklärt der Rentner. Noch seltener zur Tankstelle fahren zu müssen – das heißt für die Eggerstorfers noch ein Stückchen mehr Unabhängigkeit.

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